Julian Filipps stellt sicher, dass alle Teile dort sind, wo sie sein müssen. Foto: /Stefanie Schlecht

Julian Filipps ist Deutschlands bester Azubi im Logistik-Bereich. Er arbeitet bei Mercedes-Benz in Sindelfingen und sorgt dafür, dass alle Teile dort ankommen, wo sie hinmüssen. Was treibt ihn an? Und wie hat er es geschafft, zum Besten zu werden?

Julian Filipps aus Herrenberg ist im vergangenen Jahr der beste Azubi Deutschlands im Logistik-Bereich gewesen. Zur Fachkraft für Lagerlogistik ausgebildet wurde er im Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen – mit Bestnoten. Im November wurde der 25-Jährige deshalb von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ausgezeichnet. Aber wie hat er das geschafft? Was treibt ihn an? Und was macht man eigentlich als Logistiker?

„Ich hatte überhaupt nicht auf dem Schirm, dass es eine Auszeichnung für den bundesbesten Azubi gibt“, sagt Julian Filipps. Nur von dem Preis auf Landesebene habe er gewusst. „Es war ein toller Moment, als das Schreiben kam“, erzählt er. Es habe ihn angespornt. „Ich habe gemerkt, es zahlt sich aus, wenn man motiviert ist. Das wirkt sich auch positiv auf die Zukunft aus.“

Mit 1,0 schloss er seine Ausbildung ab

In der Berufsschule habe er nur Einsen geschrieben. „Viele Lehrer sagten: Das wird schwer, die Noten in den Prüfungen zu halten“, erzählt er. „Da dachte ich: Ich zeig’s euch jetzt allen.“ Gesagt, getan: Mit einem 1,0-Schnitt schloss er die Ausbildung ab. Und ehe er sich’s versah, war er im Dezember bei der nationalen Bestenehrung der DIHK in Berlin. Ein großes Highlight für ihn. Einige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik waren zu Gast, etwa Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Der „The Voice of Germany“-Moderator Thore Schölermann führte durchs Programm, und der DIHK-Präsident Peter Adrian lobte die „großartige Leistung“ der Absolventen.

Zweieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung, für die Julian Filipps geehrt wurde. In denen durchlief er verschiedene Stationen und war zweimal pro Woche in der Berufsschule. Seit er die Ausbildung im Januar 2023 abgeschlossen hat, arbeitet er im Daimler-Werk Sindelfingen als Anlaufdisponent. Dabei ist er in die Anläufe aller Modelle involviert, die in Sindelfingen produziert werden – der jüngste Anlauf war die neue E-Klasse, deren Produktion im April 2023 im Werk Sindelfingen begonnen hat.

Grob gesagt, beschafft Filipps Teile für die Autos. Wer allerdings bei Logistik an Regale auffüllen und Gabelstapler fahren denkt, hat die Digitalisierung vergessen. Denn statt Stapler zu fahren, überwacht Julian Filipps eher die durch und durch digitalisierten Prozesse: Er kontrolliert die Anlieferung, behält den Bestand in den vielen Lagern im Auge und stellt sicher, dass die Teile dort ankommen, wo sie sein müssen. Ein toller Job, findet er. Weil man viel mit Menschen in Kontakt ist. Und weil man ihn auch mal aus dem Homeoffice machen kann. Stapler fahren habe er aber trotzdem gelernt. „Das war schon eine Erfahrung.“ Er grinst.

„Ich bin mit der Marke Mercedes-Benz aufgewachsen“

Zu Mercedes-Benz kam er über Umwege: Nach dem Realschulabschluss machte er zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Doch noch während der Ausbildung merkte er, dass er sich lieber mit Autos als mit Geldfragen beschäftigen wollte. Er habe schon immer eine Verbindung zu Mercedes-Benz gehabt. „Ich bin mit der Marke aufgewachsen“, sagt der 25-Jährige. Sowohl mit den Autos habe er in seiner Kindheit zu tun gehabt als auch mit Menschen, die in dem Unternehmen arbeiteten – sein Vater ist einer davon. „Ich wollte ein Teil dieses großen Weltkonzerns sein“, sagt er. Die fast unendlichen Möglichkeiten, die das Unternehmen biete, waren attraktiv für ihn. Etwa die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten. Oder die vielen Weiterbildungsangebote. Julian Filipps möchte diese Chancen auf jeden Fall nutzen. Wie genau, weiß er noch nicht. Aber er möchte bei Mercedes-Benz bleiben.

Generell hat er noch viel vor. Im März fängt er an, in Stuttgart Betriebswirtschaftslehre zu studieren – abends, neben seinem 35-Stunden-Job. So wird er dreimal pro Woche nach der Arbeit die Unibank drücken. Warum auch nicht? Er hat auch sein Abitur an der Abendschule nachgeholt. Das „lebenslange Lernen“, zu dem Mercedes-Benz seine Mitarbeiter auch motiviert, fällt bei ihm auf fruchtbaren Boden. „Viele sagen zu mir: Hut ab, dass du das durchziehst“, sagt der 25-Jährige. Diese Motivation hätten viele andere nicht, das bekomme er aus seinem Umfeld mit. Aber für ihn ist klar: „Ich habe Ziele und will etwas bewegen. Und dafür tue ich alles.“

Seine Freizeit verbringt er am liebsten draußen

Wenn er gerade nicht bei der Arbeit ist oder sich demnächst um sein Studium kümmert, verbringt Julian Filipps seine Zeit gerne draußen: Laufen gehen, Fahrrad fahren, wandern. Das macht er als Ausgleich zur Büroarbeit, um „mich fit zu halten“.

Die Besten von knapp 300 000 Auszubildenden

Die Besten in Deutschland
 Im Jahrgang 2023 gab es laut der IHK Region Stuttgart insgesamt 219 Bundesbeste in 213 Ausbildungsberufen. Die DIHK ehrt Absolventen, die in ihren Abschlussprüfungen die höchsten Punktzahlen in ihren Berufen erreichen. Die Bundesbesten haben sich in diesem Jahr unter knapp 300 000 Prüfungsteilnehmern durchgesetzt.

Die Besten im Südwesten
 Neben Julian Filipps wurde aus dem Kreis Böblingen auch die Gerlingerin Nina Orschiedt von der Buchhandlung one.rutesheim geehrt. Als Preis erhielten sie bei der Ehrung in Berlin einen Pokal. Doch nicht nur das: Sechs Auszubildende aus dem Kreis Böblingen sind in Baden-Württemberg die Jahrgangsbesten. Sie wurden von der IHK Region Stuttgart mit einem persönlichen Stern auf dem IHK-Walk-of-Fame geehrt. Bundesweit kommen die meisten „Super-Azubis“ aus Baden-Württemberg (44), gefolgt von Bayern (34) und Nordrhein-Westfalen (31). In ganz Baden-Württemberg nahmen mehr als 50 000 Azubis an den Prüfungen teil, es gab 118 Landes- und 33 Bundesbeste.