Sechs Jugendkapellen haben dem Publikum im Plüderhausener Festzelt musikalisch ordentlich eingeheizt. Foto: Eva Herschmann

Beim Kreisjugendmusikfest in Plüderhausen bringt der Bläsernachwuchs am Samstagnachmittag – auch mit Pop- und Heavy-Metal-Stücken – Stimmung ins große Festzelt.

Als die rund 130 jungen Musikerinnen und Musiker zum Abschluss des Kreisjugendmusikfests die „SMS-Polka“ von Alexander Pfluger anstimmten, ein populäres, aber eher traditionelles Stück für Nachwuchsbläser, tanzte das Publikum im gut gefüllten großen Festzelt auf den Bänken. Sechs Jugendkapellen haben am Samstagnachmittag im Rahmen der Plüderhäuser Festtage, die unter dem Motto „Blech, Boom, Bäng“ auch noch an diesem Montag gefeiert werden, mit Pauken und Trompeten sowie einer bunten musikalischen Mischung aus Rock, Pop und auch mal einem Marsch die Stimmung angeheizt.

Von wegen die Jugend hat keinen Bock auf Blasmusik. Die Mädchen und Jungen zwischen zehn und 22 Jahren haben als großes gemeinsames Orchester und jede Kapelle für sich das Gegenteil bewiesen. „Es geht weniger um Leistung und Perfektion, sondern darum, dass die Jungen Spaß am Musizieren und am Zusammenspiel haben“, sagte Birgit Werba, die bei der Jugend-Band der Haubersbronner Dorfmusikanten den Taktstock schwingt. Die „Band-Mutti“, wie sie sich nennt, von 15 Nachwuchsbläserinnen und -bläsern war mit deren Auftritt – obschon die Lust am Spiel wichtiger ist – aber auch musikalisch rundum zufrieden.

Das große Festzelt ist gut gefüllt, das Publikum geht mit. Foto: Eva Herschmann

Junge Musiker erzählen von ihrer Begeisterung für Blasmusik

Bei Amelie Wurst ist Blasmusik Familiensache. Beide Elternteile sind aktiv beim Musikverein Stadtkapelle Murrhardt 1876. „Meine Mutter spielt Oboe, mein Vater Trompete“, sagte die 17-Jährige. Ihre Freundinnen, auch die, die nicht im Musikverein sind, fänden es cool, dass sie bei der Jugendstadtkapelle Saxofon spielt, erzählte Amelie Wurst. „Aber ich glaube, in der Stadt sehen das die Jugendlichen ein wenig anders als bei uns.“ Wären sie live dabei gewesen, als im Festzelt beim „Volksfest im Remstal“ der Punk abging, sie dächten vermutlich anders darüber.

Der 21-jährige Pascal Klotz spielt in Murrhardt Trompete – bei den Großen zusammen mit seiner Mutter, bei der Jugendkapelle gemeinsam mit seinem 18-jährigen Bruder Lukas. Der hätte auch gerne Trompete gelernt, ist aber beim Flügelhorn hängen geblieben. Beide bekennen sich zur Blasmusik, die ihnen, ebenso wie das Vereinsleben großen Spaß macht. „Wenn meine Kumpels freitagabends losziehen, haben wir Probe, aber es gibt ja auch noch den Samstag. Und wenn an einem Freitag mal was wirklich besonderes ansteht, komme ich halt später dazu“, sagte der Ältere. Und, dass bei Festen des Musikvereins auch Freunde, die kein Instrument spielen, gerne und freiwillig mithelfen.

Die Jugend der Gemeindekapelle Plüderhausen präsentiert sich Foto: Eva Herschmann

Nicht bei allen legen familiäre Verbindungen die Grundlage für Musik. Mathilda Klasen hat mit viereinhalb Jahren im Kindergarten Blockflöte gelernt. Heute ist die 14-Jährige Oboeistin in der Jugendstadtkapelle Murrhardt. „Meine Mutter spielt Akkordeon, aber nicht in der Stadtkapelle.“ Auch, dass in der Waldorfschule Backnang, in der sie die neunte Klasse besucht, alle ein Instrument spielen, da es im Lehrplan steht, hat nichts mit ihrer Liebe zur Blasmusik zu tun. Mathilda Klasens Vorbild ist ihre frühere Blockflötenlehrerin Manuela Lego. „Ich wollte unbedingt weiter bei ihr ein Instrument lernen, und sie unterrichtet neben Blockflöte im Kindergarten auch Oboe in der Jugendstadtkapelle.“

Nicht nur Blasmusik: Auch „Thriller“ und „We will rock you“ wurde gespielt

Viele Stühle mussten am Samstag gerückt werden. Die Jugendkapellen verbindet zwar alle die Liebe zu cooler Blasmusik, aber die Anzahl ihrer Spieler variiert zwischen etwas mehr als einem Dutzend und fast 30 Mädchen und Jungen. Doch da die Orchester beim Musikfest im Wechselspiel auf zwei gegenüberliegenden Bühnen auftraten – mit „Thriller“ von Michael Jackson, „We will rock you“ von Queen oder „Pokerface“ von Lady Gaga – blieb Zeit für einen nahezu geräuschlosen Auf- und Abbau. Neben der Jugend-Band des MV Haubersbronn und der Jugendstadtkapelle Murrhardt spielten die Jugendkapelle des Musikvereins Fornsbach, die Jugendkapelle des MV Reichenberg, die JuKa Musikverein Leutenbach und die JuKa Plüderhausen, die unter anderem ein Heavy-Metal-Medley und den Festzelt-Hit „Wackelkontakt“, unterstützt von Viktoria Schöllhammer, Sängerin beim Musikverein Hohberg, präsentierte.

„Ich bin glücklich, wie es gelaufen ist“, sagte Miriam Angelmahr. Die Jugendleiterin der Gemeindekapelle Plüderhausen, die ihr 125-Jahr-Jubiläum feiert und zum runden Geburtstag das Kreisjugendmusikfest ausrichtete, führte im Dirndl charmant durchs Programm – und war selbst begeistert von der Show, die der Bläsernachwuchs vor großer Kulisse lieferte. Denn als der Himmel seine Schleusen öffnete, leerte sich das Festgelände mit dem bunten Rummel, und die Bänke und Tische im schon davor gut gefüllten Festzelt waren im Handumdrehen nahezu alle besetzt. „Solche Auftritte in der Öffentlichkeit sind wichtig, damit die Leute sehen, was bei uns los ist“, sagte Birgit Werba aus Haubersbronn.