Jürgen Geißler hat nicht nur ein Auge für die Technik, sondern auch für die Marketing-Gimmicks der früheren Jahre. Foto: Marion Brucker - Marion Brucker

Jürgen Geißler aus Kirchheim kümmert sich hauptberuflich um die Wartung von Flugzeugen. Auch nebenher schraubt er gerne: an Oldtimern und allem, was zum Auto dazu gehört.

KirchheimJürgen Geißler macht keine halben Sachen. Ob im Beruf oder beim Hobby. Der 58-Jährige sitzt im Konferenzraum seines Büros, neben ihm seine Lebensgefährtin Dagmar Zander, und blickt auf eine Zapfsäule mit Aralinchen, jenen Püppchen in blauer Latzhose, die der Mineralölkonzern in den 70er-Jahren als Maskottchen seinen Kunden schenkte. Hinter ihm an der Wand hängen Fotografien. Sie erinnern an die erste Zeit seines Berufslebens als Flugzeugmechaniker bei der Bundeswehr. Weitere Stationen folgten: Geißler lernte Fluggerätemechaniker, Flugzeugprüfer und gründete schließlich seine eigene Firma, die „Aircraft Business Care GmbH“ in Kirchheim, in der er heute als Geschäftsführer arbeitet.

Eine Vespa steht im Hausflur

Hier hat er vereint, was sein Leben prägt – die Liebe zu Flugzeugen und seine Sammelleidenschaft rund um Tankstellen und Fahrzeuge aus den 50er- bis 70er-Jahren. „Ich finde faszinierend, wie sich jemand für alte Dinge begeistern kann und ein Gespür und Händchen dafür hat, die Perlen herauszufischen und mit welcher Energie er sein Hobby betreibt“, meint Dagmar Zander. Nach einem Zehnstundentag recherchiert er noch ein bis zwei Stunden im Internet, informiert sich in Büchern oder restauriert im Keller einen der Oldtimer, die er erworben hat. Sein Motto: „Ein Leben ohne Oldtimer macht keinen Sinn.“ Insgesamt 18 hat er in den vergangenen 30 Jahren gekauft, darunter Vespas, einen Citroën DS und eine Ente. Er hat sie in einer angemieteten Halle untergebracht – und eine Vespa steht im Flur ihres gemeinsam bewohnten Häuschens.

Doch das soll nicht so bleiben. Seit mehr als zwei Jahren sucht der Unternehmer einen Bauernhof oder einen Industriebau, in dem er Privatleben, Büroräume und ein Museum für seine Exponate unter einem Dach vereinen kann. Rund 200 bis 300 Quadratmeter allein für die Ausstellungsräume schweben ihm vor, nicht mehr als 30 Kilometer von seinem derzeitigen Firmensitz entfernt. Der gebürtige Freiburger möchte aus Rücksicht auf seine Mitarbeiter in der Gegend bleiben. Sie seien schließlich das Herzstück seines Fünf-Personen-Unternehmens. 2005 hatte er es als Einzelfirma gegründet, im Home Office angefangen, er der David und da draußen die Flugzeughersteller und Werften – die Goliathe, die mit einer großen Mannschaft dieselben Dienstleistungen wie er anbieten – Flugzeuge technisch zu überwachen. Mittlerweile hat er sich einen Namen in der Branche gemacht und möchte noch einen Techniker einstellen. Im Gegensatz zu den Großen betreut er eigenen Angaben zufolge als einer der wenigen in Deutschland herstellerunabhängig Geschäftsflugzeuge.

Sicherheit sei kein Geschenk. „4000 bis 7000 Teile pro Flugzeug stehen unter Zeitüberwachung“, erklärt Geißler. Er und seine Mannschaft haben die Alterungsprozesse täglich im Blick und sorgen dafür, dass die Flugzeuge gewartet werden und dadurch immer startbereit sind. Zudem berät er seine Kunden beim Kauf gebrauchter Maschinen oder überwacht den Bau neuer und kümmert sich um die Flugzeugzulassung. „Die Luftfahrt ist nicht nur Leidenschaft und Liebe für mich, sie ist mein Leben“, sagt er.

Traum vom eigenen Museum

Dabei hat ihn nie gereizt, Pilot zu werden und selbst zu fliegen. Ihn interessiert das Innenleben technischer Erfindungen. „Ich schraube, also bin ich“, meint er. Das war bereits als Kind so. Geißler erzählt, wie er als Achtjähriger die Nähmaschine seiner Mutter auseinandergenommen hat. Sie sei wütend geworden, weil er damals im Gegensatz zu heute das Zerlegte nicht mehr zusammengesetzt bekam. Fortan sei jedes Werkzeug vor ihm versteckt worden.

Geißler ließ sich auf seinem Weg jedoch nicht aufhalten: Mit 14 Jahren besuchte er in seiner Schule in Freiburg einen Kurs für Modellflugzeuge. Er baute sein erstes und stellte sich vor, dass es so schön gleiten würde wie das von Otto Lilienthal. Doch es stürzte mit der Nase nach unten in die Erde. „Ich hatte den Schwerpunkt des Flugzeuges nicht perfekt gesetzt“, erklärt er.

Den Ursachen auf den Grund zu gehen und Fehler zu beheben, das ist seine Stärke. Er hat dadurch im Laufe der Jahre ein ungeheures Wissen erworben. Das will er an andere weitergeben. In seinem künftigen Museum möchte er Kurse anbieten, um die Funktionalität früherer Gegenstände zu erklären und ihre Schönheit zu zeigen.

Jürgen Geißler steht vor einem Fahrschulmodell und lässt Nebelleuchte und Abblendlicht aufflackern. Es ist eines seiner jüngsten Exponate und in den frühen 60er-Jahren genutzt worden, um Fahrschülern die Lichter am Auto zu erklären. „Wir sollten darüber nachdenken, alte Dinge zu pflegen und wertzuschätzen“, meint er. Dies sei auch eine Form von Nachhaltigkeit.

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