Der in Stetten wohnende Carsten Finkbeiner ist bei den Bundesliga-Judoka des KSV Esslingen Trainer und Teammanager in einer Person. Foto: Pressefoto Rudel//Robin Rudel

Carsten Finkbeiner aus Stetten ist Trainer und Teammanager des Judo-Bundesligisten KSV Esslingen. Die Mannschaft wurde jüngst zum achten Mal Deutscher Vizemeister.

Esslingen/Stetten - Es hat erneut nicht sollen sein. Die Judoka des KSV Esslingen um ihren in Stetten wohnenden Trainer und Teammanager Carsten Finkbeiner haben sich erneut mit dem Titel des Deutschen Mannschaftsvizemeisters begnügen müssen. Am vergangenen Wochenende verloren die Esslinger das Bundesliga-Finale in Leipzig gegen den nun 22-maligen deutschen Titelträger TSV Abensberg nach zwei Runden mit Kämpfen in sieben verschiedenen Gewichtsklassen mit 5:9. Für die Esslinger war es bereits die achte Finalniederlage seit 2011 und die sechste gegen den TSV Abensberg.

Am Anfang war allein die Finalteilnahme ein großer Erfolg

„Unser großes Ziel bleibt weiterhin der erste Titelgewinn unserer Vereinsgeschichte“, sagt Finkbeiner, der selbst noch mit auf der Matte stand, als die Esslinger 2011 erstmalig Vizemeister geworden waren. Damals, sagt der heute 46-Jährige, sei schon die Finalteilnahme das höchste der Gefühle gewesen, „ein irrsinniger Erfolg“. Diesmal seien die Esslinger auf Schlagdistanz mit dem Gegner gewesen, die Enttäuschung über die abermals verpasste Titelchance sei deshalb ungleich größer. Auch für den gebürtigen Stuttgarter Finkbeiner, der im Stadtteil Münster aufgewachsen ist und sich seit Beendigung seiner aktiven Laufbahn weiterhin als Trainer und Teammanager beim Bundesligaklub am Neckar engagiert.

Statt zum Ringen zum Judo – die Eltern wollten es so

Seine Leidenschaft fürs Judo hat er schon als Sechsjähriger beim TB Bad Cannstatt entdeckt. „Eigentlich wollte ich in Münster zum Ringen. Meine Eltern aber wollten nicht, dass ich mal Blumenkohlohren bekomme. Deshalb haben sie mich zum Judo geschickt“, sagt Finkbeiner und lacht. Die durch Blutergüsse und Verknorpelungen verformten Ohren hat der Träger des fünften Dans dann zwar auch als Judoka bekommen, die Eltern aber hätten es verkraftet, sagt er.

Von vielen Trainern etwas abgeschaut

Noch als Teenager war Finkbeiner, der zweimal deutscher Vizemeister in seiner Gewichtsklasse wurde und seine Laufbahn 2009 mit dem Gewinn des Weltmeistertitels bei den Senioren krönte, dann ins Bundesliga-Team des KSV Esslingen gewechselt. In der Gewichtsklasse bis 71 und später bis 73 Kilogramm avancierte er schnell zum Leistungsträger. Zu seinen Hochzeiten trainierte Finkbeiner, der sich selbst als harten Arbeiter und guten Taktiker auf der Matte bezeichnet, mitunter zweimal am Tag. Einer seiner besten Trainer war dabei Wolf-Rüdiger Schulz. Der früherer DDR-Nationaltrainer wurde 1991 Landestrainer am Stützpunkt in Sindelfingen. „Von ihm habe ich wirklich viel gelernt“, sagt Finkbeiner, der seinen Lebensunterhalt heute als Rechtsanwalt und Steuerberater verdient. Auch solche Dinge, auf die er in seiner Funktion als Coach immer wieder zurückgreift. „Ich hatte viele gute Trainer, von denen ich das übernommen habe, von dem ich überzeugt war.“ Heute zeichnet ihn am Mattenrand sein sehr persönliches Verhältnis zu den Athleten aus („Die würden mit mir durchs Feuer gehen“) und sein großes taktisches Wissen. „Ich kann meine Leute sehr gut auf die Gegner einstellen“, sagt er. Eine Trainerlizenz hat er indes nicht, „die würde mich auch nicht weiterbringen“. Zumal seine Athleten zum großen Teil am Olympiastützpunkt in Sindelfingen trainieren. Dort ist auch er einmal in der Woche dabei. „Ich muss also nicht jeden Tag ein Training leiten.“

Bis zu 20 Stunden in der Woche werden fürs Hobby investiert

Dass der Vater eines 14 Monate alten Sohnes, der als Aktiver von großen Verletzungen verschont blieb, dennoch bisweilen 20 Stunden in der Woche in sein Hobby investiert, liegt an seinem Job als Teammanager. So gilt es vor einem Bundesliga-Kampf unter anderem das Aufgebot zusammenzustellen (der Kader des KSV umfasst 40 Judoka), die Anreise bei Auswärtskämpfen zu organisieren und das Hotel zu buchen. Auch die Werbung und das Akquirieren von Sponsoren gehört zu seinen Aufgaben. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt Finkbeiner, dessen Vorbild der im vergangenen Jahr verstorbene Toshihiko Koga, Olympiasieger 1992 in Barcelona, war.

Einmal soll der sportliche Lebenstraum noch in Erfüllung gehen

Wie lange Finkbeiner, der vor seinem Umzug nach Stetten viele Jahre in Vaihingen gelebt hat, noch KSV-Coach sein wird, weiß er nicht. Auch ein Trainerdasein sei endlich, koste viel Kraft und Zeit. „Zehn Jahre werden es wohl nicht mehr werden“, sagt er, hofft aber, dass sich bis zum noch nicht genau definierten Ende sein großer sportlicher Lebenstraum erfüllt: der Gewinn des Deutschen Mannschaftsmeistertitels.