Der KSV Esslingen behauptet durch den 8:6-Erfolg in einem spannenden Duell gegen denJC Leipzig die Tabellenführung der Judo-Bundesliga.
Carsten Finkbeiner ging ein paar Schritte in Richtung der Zuschauer und klatschte ihnen zu. Sein tiefes „Puhhh“ war durch die gesamte KSV-Arena zu hören. Anschließend gab es bei den Judokas des KSV Esslingen und ihrem Teamchef nur strahlende Gesichter, sehr breit strahlende Gesichter. Der KSV hatte durch den 8:6-Sieg gegen den JC Leipzig nicht nur den vierten Saisonwettkampf gewonnen und damit die Tabellenführung in der Südgruppe der Liga behauptet, sondern nach Meister TSV Abensberg in den Leipzigern auch den zweiten Top-Konkurrenten besiegt.
„Natürlich bin ich glücklich, wenn man so einen spannenden Kampf gegen so einen Gegner gewinnt. Die Nervenanspannung war riesig“, sagte Finkbeiner. Das war ihm sowie allen Beteiligten zuvor auch deutlich anzumerken gewesen. Das Duell hatte alles geboten, was Spitzenjudo bieten kann: Hochklassige Kämpfe, Spannung bis zum letzten Duell und Emotionen. Und auch das erwartet knappe Ergebnis. Finkbeiner: „Gegen die Leiziger ist das immer so, sie liegen uns nicht richtig.“ Das Einzige, was auf beiden Seiten fehlte, ebenso wie es schon beim 8:6-Erfolg in Abensberg gewesen war: der eine oder andere internationale Top-Kämpfer. Zwar mussten beide Teams aufgrund der WM in Doha auf einen Teil ihres Personals verzichten, doch Vereine wie Esslingen und Leipzig haben immer noch genug Namen auf der Liste, sodass geballte WM-, DM- oder olympische Erfahrung und Titel auf der Matte standen.
Was war am Ende der Knackpunkt, der zum Sieg des KSV führte? Finkbeiner überlegte kurz und antwortete dann: „Der letzte Kampf.“ Denn erst der in der Klasse bis 60 Kilogramm zwischen Maximilian Heyder und Bilguun Dogsom brachte die Entscheidung. Für einen Gesamterfolg musste der Esslinger gewinnen – mit dem Wissen und der Erfahrung, dem Mongolen in der ersten Runde in der Verlängerung unterlegen zu sein. „Da hat er sich foppen lassen, das ist ihm nicht noch einmal passiert“, erklärte Finkbeiner. Hedyer selbst war allerbester Laune und sehr gelöst. „Ich war supernervös, weil es schon während der zweiten Runde darauf hinauslief, dass es darauf ankommen könnte“, sagte er, „aber ich wusste: Er ist gut, aber ich kann gewinnen, es würde eine Sache des Kopfes.“ Der 26-Jährige behielt einen kühlen solchen und holte den entscheidenden Punkt.
Schon alles davor war nichts für schwache Nerven. Fabian Kansy und Publikumsliebling Dimitri Peters hatten den KSV mit 2:0 in Führung gebracht, der Aserbaidschaner Rustam Orujov mit einem Ippon nach neun Sekunden und der Usbeke Shakhram Akhadov souverän für das zwischenzeitlichen 4:2 gesorgt. Doch nach Heyders Niederlage stand es zur Pause nur noch 4:3. Zu Beginn der zweiten Runde unterlag Kansy in einem spannenden Kampf Hannes Conrad, nach Lukas Klemms zweiter Niederlage gegen Denis Vieru sowie dem zweiten Erfolg des Leipzigers Daniel Herbst lag der JC mit 6:5 vorne.
Taktische Spiele
Dann schoss Finkbeiners Adrenalinspiegel kurzzeitig so richtig hoch, wie er später berichtete: Leipzig bot Emil-Johann Hennebach auf, der in diesem Jahr verletzungsbedingt noch keinen Kampf bestritten hatte. Er wird doch wohl nicht? Nein, Hennebach schenkte ab – die taktische Maßnahme der Leipziger, ihn als dritten Wechsel-Kämpfer zu bringen und damit andere Duelle zu stärken, ging daneben. Aber nur, weil Heyder am Ende die Nerven behielt.
„Wir wollen unbedingt als Tabellenführer in die Endrunde kommen“, erklärte der. Und auch Finkbeiner freute, „dass wir nun gegen die beiden Mannschaften gewonnen haben, gegen die wir im vergangenen Jahr verloren haben“. Für eine mögliche und wahrscheinliche Endrunden-Teilnahme bringt das zwar keine Punkte. Aber eine gute Ausgangsposition und eine breite Brust. Die Erleichterung war nicht nur Teamchef Finkbeiner anzumerken und zu -hören.
KSV Esslingen – JC Leipzig, Runde 1: 1:0 Kansy – Fiedler (7:0), 2:0 Peters – Dzhamalutdinov (10:0), 2:1 Klemm – Vieru (0:7), 2:2 Pfeiffer – Herbst (0:10), 3:2 Orujov – Schiek (10:0), 4:2 Akhadov – Müller (10:0), 4:3 Heyder – Dogsom (0:7).
2. Runde: 4:4 Kansy – Konrad (0:10), 5:4 Gviniashvili – Kirsten (10:0), 5:5 Klemm – Vieru (0:7), 5:6 Murphy – Herbst (0:10), 6:6 Rübo – Hennebach (10:0/Aufgabe), 7:6 Akhadov – Müller (10:0), 8:6 Heyder – Dogsom (7:0).