Dr. Mablues & the detail horns heizen dem Publikum schon seit 40 Jahren ein. Am Samstag stellt die Kultband ihr neues Album vor. Foto: Stadtwerke Fellbach cf

Ein Chart-Hit in Liechtenstein und hunderte Konzerte zwischen Tigerentenclub und Hell’s-Angels-Treffen: Eine Waiblinger Kultband feiert am Samstag ihr 40-jähriges Bestehen.

Wenn es ein Bild gibt für Zufriedenheit und ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl, vielleicht sogar für Lebensglück, dann ist es möglicherweise dieses: Vor einem als Probenraum genutzten Gewölbekeller, versteckt auf dem Areal eines Reifenhändlers in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis), lehnen ein paar in Ehren ergraute Herren lässig an abgestellten Autos, lassen es sich gut gehen und erzählen sich grenzdebile Witze.

Fast alle haben eine Flasche Bier in der Hand, der ein oder andere sogar noch eine Kippe, die Stimmung ist heiter, der Sommerwind warm, es wird gescherzt, geblödelt und gelacht. Alles, was noch fehlt, sind ein Lagerfeuer und eine Wandergitarre – und vielleicht ein paar komfortable Sitzgelegenheiten für die betagten Knochen.

Beim ersten Auftritt auf dem Altstadtfest gab es leider erst fünf Songtitel

Was die etwas älter gewordenen Jungs auf dem Parkplatz verbindet, ist die Tatsache, dass sie seit inzwischen vier Jahrzehnten gemeinsam Musik machen – und immer noch Spaß haben. Seit 1986 stehen Dr. Mablues & the detail horns auf der Bühne, ein Auftritt beim Waiblinger Altstadtfest bildete seinerzeit die Premiere. Immerhin fünf Songtitel hatte die Nachwuchsband aus dem Dunstkreis des Salier-Gymnasiums damals im Repertoire.

Bei einem derart spärlich gepackten musikalischen Rucksack braucht es schon Chuzpe, sich vor ein Mikrofon zu wagen – und den Mut zur Improvisation. „Wir haben viel geschwätzt auf der Bühne“, erinnert sich Bassist Thomas Mathessohn an den ersten Auftritt. Geschadet hat der Zwang zur Überbrückung nicht. Der Bluesrock und die Bläsersätze, sie kamen beim Publikum an – zumal mit Soul in der Stimme und nicht zwingend schwäbisch gesungen wurde.

Probenarbeit im Gewölbekeller: Dr. Mablues spielt sich fürs Bandjubiläum warm. Foto: Gottfried Stoppel

Es dauerte nicht lange, da spielte Dr. Mablues überall, wo es eine Steckdose gab. Tübingen und Nürnberg, Italien und Polen, ein Gig im Vorprogramm von Isaac Hayes in den USA ebenso wie ein Auftritt beim Bundespresseball oder die Teilnahme beim Tigerentenclub. Allein sechsmal waren die Buben aus der Stauferstadt beim Montreux Jazz Festival eingeladen, sie waren Anheizer für Wilson Picket und Blood, Sweat & Tears. Kurz: Das Spaßprojekt aus Waiblingen schwamm auf der Erfolgswelle.

Auch ein Spitzenplatz in den Charts von Liechtenstein gehört zur Bandhistorie, ebenso wie das Konzert vor 15.000 durchaus angetanen Motorradfahrern in England, bei dem es 2000 Pfund in bar auf die Hand gab und die Gastmusiker lieber nicht nach einem Vertrag oder gar einer Quittung für die Gage fragten – Veranstalter des Treffens waren die Hell’s Angels.

Aus der Taufe gehoben wurde Dr. Mablues auf Initiative von Jürgen Kretschmer. Der spielte Posaune im Musikverein, hatte in der Waiblinger Berufsschule aber einen Auftritt der Band Supercharge miterlebt – und war von dem musikalischen Erlebnis so angefixt, dass er mit einer Instrumentenliste für die Gründung einer Band begann. Die Suche nach einem Schlagzeuger, einem Gitarristen und dem Bläsersatz dauerte gut ein Jahr, die erste Probe fand im November 1985 in einem Gewölbekeller beim Waiblinger Rathaus statt.

Wer sie so sieht, die etwas älter gewordenen Jungs auf dem Parkplatz, würde wohl kaum darauf kommen, dass es sich um Menschen aus ganz verschiedenen Lebenswirklichkeiten handelt. Der eine ist Maschinenbau-Mechaniker, der andere Malermeister, eine IT-Fachkraft ist in der Runde ebenso dabei wie ein Lehrer, ein Drucktechniker und ein Requisiteur im Stuttgarter Staatstheater.

Lang, lang ist’s her: Bühnenfoto von einem Mablues-Auftritt im Januar 2006 Foto: Krishna Lahoti

Die Musik wirklich zum Beruf gemacht hat nur ein Trio aus den Reihen der zehnköpfigen Band. Und: Ur-Trompeter Henry Heinrich, von den Kollegen als „begnadete Rampensau“ geachtet, ist 2024 viel zu jung verstorben. Er habe, sagen die anderen, die Band auf die einzig mögliche Art verlassen. „Ein wichtiger Faktor war, dass es bei uns nie einen Chef gegeben hat“, antworten die beiden Gitarristen Thomas Brodbeck und Martin Hofbauer auf die Frage, weshalb Dr. Mablues über vier Jahrzehnte, 20 Kinder und immerhin sieben Enkel nie die Lust aufs gemeinsame Musikmachen verloren gegangen ist.

Jetzt können Band und Fans ihrer gemeinsamen Historie ein weiteres, unvergessliches Kapitel hinzufügen. Am Nikolaustag steigt in der Salierhalle in Winterbach (Rems-Murr-Kreis) das 40-Jährige von Dr. Mablues and the detail horns. Als Vorprogramm wird sich Hiss die Ehre geben und – soviel sei verraten – den einen oder anderen Mablues-Song mitperformen. Ein neues Mablues-Album wird obendrein präsentiert. Der verheißungsvolle Titel: „Celebrate The Day“.

Das Jubiläumskonzert findet am Samstag, 6. Dezember, um 20 Uhr in der Salierhalle Winterbach statt. Vorverkauf: kulturinitiative-rock.de.