Johanna Mangold Foto: Pelz/Mangold - Pelz/Mangold

Mit einem Zaubertrank will das Künstlerduo Johanna Mangold und Jan-Hendrik Pelz auf die knallharten Mechanismen des Kunstmarkts aufmerksam machen. Ihre Ausstellung mit Bildern und mit Videoinstallationen wird morgen beim Kunstverein Neuhausen eröffnet.

NeuhausenAuf die schwierige Situation junger Künstlerinnen und Künstler macht das Ausstellungsprojekt „elixus“ von Johanna Mangold und Jan-Hendrik Pelz aufmerksam. Am heutigen Samstag um 19.30 Uhr wird die Schau mit Videoinstallationen beim Kunstverein (KV) in Neuhausen eröffnet. Mit ihrem Zaubertrank suchen die Absolventen der Staatlichen Akademie für Bildende Kunst in Stuttgarter einen kritischen Zugang zum Kunstmarkt und seinen oft knallharten Mechanismen.

Dass nur ein sehr geringer Teil der Absolventen von Kunsthochschulen später von Malerei oder Bildhauerei leben kann, beschäftigt Jan Hendrik-Pelz. „Viele halten sich mit Nebenjobs über Wasser“, berichtet er von befreundeten Künstlerinnen und Künstlern. Deshalb ist er glücklich, dass er mit Johanna Mangold in der entweihten Jesuitenkapelle des KV das Ausstellungsprojekt realisieren durfte, das mit aufwändigen Recherchen verbunden war. Um die 23 Stationen mit Videos zu bestücken, haben die beiden Rituale nachgespielt. „Es war spannend, mal als Performer zu agieren“, schwärmt Pelz. Johanna Mangold, deren Ausstellung „du.ich.anatomia“ vor kurzem im Bahnwärterhaus der Stadt Esslingen zu sehen war, stieg zum Beispiel in den Zürichsee, um Wasser von der Goldküste zu schöpfen und dieses in einer Flasche mit Blattgold anzureichern. Die Meisterschülerin des Weißenhof-Programms ist wie Pelz „in der glücklichen Situation, dass wir unsere Projekte realisieren und uns auf die Kunst konzentrieren dürfen.“ Vielen anderen gehe es da schlechter.

Jammern aber ist die Sache des Künstlerduos nicht, das beim Aufbau in der Kapelle kräftig zupackt. „Ein wunderbarer Raum“, schwärmen die beiden. Und sie sind voll des Lobes für das Konzept der Kunstverein-Geschäftsführerin Susanne Jakob, die den jungen Künstlern Coach und Kuratorin sein möchte. Die Kunsthistorikerin, die selbst an Kunstakademien unterrichtet, weiß um die Schwierigkeiten, Fördergelder zu bekommen. Deshalb ist sie glücklich, viele Förderer und Förderinnen aus der Wirtschaft für die Arbeit des Kunstvereins Neuhausen gewonnen zu haben. Eine von ihnen ist die Personalberaterin Brigitte Pihulak, die am heutigen Samstag an der Podiumsdiskussion „Was ist künstlerischer Erfolg?“ mit dem Museumsleiter Marco Hompes, der Galeristin Imke Valentien und Regina Fasshauer vom Kunstbüro der Kunststiftung in Baden-Württemberg teilnimmt.

„Zeit ist ein ganz wichtiger Faktor, damit sich junge Künstler entwickeln können“, bringt Jakob eine wichtige Voraussetzung auf den Punkt. Zwei Jahre hatten Mangold und Pelz nun Zeit, um ihr Projekt für den KV Neuhausen zu realisieren. Dass sie einen Zaubertrank gemixt haben, um zum „beste/n Künstler/in“ der Welt zu werden, hat erst mal einen ironischen Beigeschmack. „Aber uns geht es darum, ernste Aussagen zu machen“, stellt Mangold klar. „Es scheint, als sei der Druck, der auf uns werdenden Künstlern lastet und der damit verbundene Konkurrenzkampf nie ausgeprägter gewesen als heute – einer Zeit, in der die Selbstverwirklichung und die Kunst selbst als nie dagewesene Marktphänomene alle Rekorde zu brechen scheinen.“ Diesen Hypes und Trends setzen Mangold und Pelz ihr zweijähriges Projekt entgegen. „Gerade jüngere Betrachter tun sich oft schwer, wenn sie sich mal auf ein siebenminütiges Video konzentrieren müssen“, findet Jan-Hendrik Pelz, der auch der Generation Instagram wieder „Lust auf Entschleunigung“ machen möchte.

Was aus ihren Ideen geworden ist, hat die zwei manchmal selbst verblüfft. „Haare vom Kopf eines berühmten Künstlers“ ist die Nummer 17 der Zutaten für den Zaubertrank. „Da lag es nahe, den Maler und Performer Jonathan Meese zu fragen, der wunderschöne Haare hat“, erzählt Pelz lachend. Er schrieb dem berühmten Kollegen eine Mail und stellte das Konzept vor. Meese war von der Idee der beiden so begeistert, dass er gleich ein eigenes Video beisteuerte, das zeigt, wie er die Haare abschnitt. Das wird ebenfalls in Neuhausen zu sehen sein. In eine Falknerei nahmen die zwei einen Granatapfel mit und setzten in drei Sekunden dem Blick einer Eule aus – damit war Zutat Nummer 3 kreiert.

Die Ausstellung „elixus“ wird am heutigen Samstag, 1. Juni, um 19.30 Uhr beim Kunstverein Neuhausen, Rupert-Mayer-Straße 68, eröffnet. Es gibt unter anderem ein Künstlergespräch mit Johanna Mangold und Jan-Hendrik Pelz, das Susanne Jakob moderiert. Um 20.30 Uhr beginnt die Podiumsdiskussion „Was ist künstlerischer Erfolg?“

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