Jörg Hilbert erklärt OB Bernd Vöhringer im Herbst die Ritter-Rost-Ausstellung. Foto: /Stefanie Schlecht

Bis März läuft die Ritter-Rost-Ausstellung im städtischen Museum von Sindelfingen, jetzt war der Erfinder der Kinderbücher mal wieder zu Besuch – mit neuen Gaben.

Auch Ritter, die aus Rost gemacht sind, haben Väter. Einer von ihnen steht am Freitagnachmittag im Sindelfinger Theaterkeller auf der Bühne: Jörg Hilbert ist da, Kinderbuchautor und Illustrator, der Schöpfer von Figuren, die die Kinder im Theaterkeller sehr gut kennen: Denn wenn das Burgfräulein Bö, die Freundin von Ritter Rost, plötzlich aus einem Kiosk hervorschaut, in einer ganz anderen Rolle auftritt, dann merken die Kinder das augenblicklich.

Jörg Hilbert, der Erfinder des ruhmvoll rostigen Ritters, ist ein Sindelfinger. Er wurde in der Stadt geboren, er wuchs auf in ihr. „Ich kannte den Theaterkeller schon, da wart ihr noch gar nicht geboren!“, sagt er den Kindern, ein bisschen angeberisch. Jörg Hilbert besuchte die Sindelfinger Eichholzschule, malte damals schon viel, zeichnete auch und hob seine Bilder auf – nun hat er eines dieser frühen Bilder mitgebracht und zeigt es den Kindern. Schon damals dachte er sich Geschichten aus zu seinen Bildern. Diese handelten von einem Piraten: „Ich habe ein Buch daraus gemacht, das ich meiner Mamma zu Weihnachten geschenkt habe. Die hat sich ganz toll darüber gefreut.“ Ein kleiner Tipp fürs Fest vom Fachmann, möglicherweise.

Lesung mit Ringelnatz und Morgenstern

Piratenschiffe und Ritterburgen zeichnete der junge Jörg Hilbert am liebsten; manch eine Ritterburg versah er mit dem Sindelfinger Stadtwappen. Später wohnte er selbst ein Jahr lang auf einer echten Ritterburg. Dort fielen ihm viele Geschichten ein. So wurde Ritter Rost geboren. Der Ritter hat immer seinen Teddy bei sich, weil er sich sonst fürchtet. Das Burgfräulein Bö ist auch immer dabei, und der Feuerdrache Koks.

Die Geschichte, die Jörg Hilbert den Kindern im Theaterkeller erzählt, handelt aber nicht vom Ritter und dem Fräulein. Tags zuvor schon war der Autor am selben Ort, trat auf vor erwachsenem Publikum, las auch Texte von Joachim Ringelnatz, seinem Urgroßonkel dritten Grades, Christian Morgenstern und anderen. Barbara Gräsle, Lehrerin an der Sindelfinger Musikschule, begleitete ihn musikalisch auf unterschiedlichen Gitarren. Jörg Hilbert zog nach seinem Sindelfinger Abitur hinaus in die weite Welt und kam dabei bis ins Ruhrgebiet, nach Essen, wo er seither lebt. Im vergangenen Jahr war er Gast der Sindelfinger Biennale; das Museum der Stadt zeigt noch bis März eine Ritter-Rost-Ausstellung, die er im Oktober veröffentlichte. Seine Geschichte für die Kinder im Theaterkeller indes heißt: „Morgen, Rinder, wird’s was geben!“

Ritter Rost, Burgfräulein Bö und der Feuerdrache Koks in der Ausstellung /Stefanie Schlecht

Ein Schweinachtsmann ist mit von der Partie

Und da stimmt was nicht, das merkt jedes Kind. Denn eigentlich geht das bekannte Weihnachtslied doch ein wenig anders. Und was überhaupt ist ein Rind? Darüber muss nun erst einmal nachgedacht werden. Denn eine männliche Kuh, wie eines der Kinder vermutet, ist das Rind nicht nur, es ist noch mehr. Jörg Hilbert spricht und erzählt freundlich gelassen, ein wenig naiv, ein wenig gewitzt, stellt seine Figuren vor und spricht von seiner Arbeit. Einen Schweinachtsmann hat er sich auch ausgedacht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Henrietta Lametta indes ist eine Weihnachtsfrau. Sie sitzt mit den Weihnachtsmännern beisammen und bastelt Weihnachtssterne, da platzen Ochs und Esel aus dem benachbarten Stall zur Tür herein. Die fühlten sich gestört durch unpassenden Weihnachtsgesang und können es natürlich besser: „Morgen Rinder wird’s was geben! Da kommt neues Heu herein!“ – so, sagen die beiden, singen es die Ochsen überall auf der Welt. Und die Kühe. Und die Kälber. Und die Stiere. Und die Büffel. „Und überhaupt alle Rindviecher, auf der ganzen Welt!“