Smart ist etwas in den Hintergrund gerückt. Seit vergangener Woche gibt es in der Plochinger Straße in Esslingen auch Autos der Marke BYD. Foto: Russ Jesinger

Der chinesische E-Auto-Hersteller BYD wächst derzeit international rasant. Ein Esslinger Autohaus hat BYD ins Sortiment genommen. Wie kam es dazu?

Noch sieht man sie noch nicht so oft auf deutschen Straßen, aber das könnte sich bald ändern. BYD, Chinas größter Automobilhersteller, ist ein Global Player im Bau von reinen E-Autos und Hybriden. Im vergangenen November konnte die Aktiengesellschaft laut Tagesschau ihren Anteil an Neuzulassungen in Deutschland um 830 Prozent im Vorjahresvergleich steigern. Das entspricht mehr als 4000 Neuzulassungen. Kürzlich hat auch in Esslingen ein Autohaus für die Importwagen eröffnet.

Russ Jesinger Automobile setzt jetzt an seinem Standort in der Plochinger Straße neben Smart auch auf Build Your Dreams – dafür steht das Akronym BYD. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Friedrich Maier, Geschäftsführer von Russ Jesinger Automobile. Das Unternehmen hat zudem weitere Standorte in der Esslinger Fritz-Müller-Straße, in Dettingen, Filderstadt und Nürtingen. „Der Plan ist, jährlich zwischen 200 und 300 Autos der Marke BYD zu verkaufen.“ Das sei ein realistisches Ziel: „Früher haben wir dort jährlich etwa 600 Smart verkauft.“

Esslinger Autohaus muss sich umorientieren

Dies sei auch der Knackpunkt: früher. Denn seit Mercedes und die chinesische Geely Automobile Group Smart als Partner führen, gibt es laut Maier ein Problem: „Quasi über Nacht wuchsen die Smart von 2,60 Meter Länge auf 4,30 Meter. Jetzt ist der Absatz nicht mehr so, wie er sein sollte“, erklärt Maier. Ende April 2023 war der offizielle Bestellstopp für den „Smart Fortwo“ – also den letzten kleinen Smart. Erst im Jahr 2027 ist die geplante Markteinführung des Nachfolgemodells „Smart #2“.

Jetzt gelte es, den Standort des Esslinger Autohauses zukunftsfähig zu machen. „Als BYD auf den Markt kam, haben wir versucht, die Marke zu bekommen“, sagt Maier. „Es erscheint uns als attraktive Marke. BYD ist ein großer Player und zwischen 15 000 und 35 000 Tausend Euro gibt es nicht mehr so viele Neuwagen. Viele deutsche Fabrikanten haben die Kleinen aus dem Sortiment genommen.“

E-Autos nach Talfahrt 2024 wieder im Aufschwung

Der Markt verspricht derzeit, dass diese Rechnung aufgehen könnte, denn laut dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sind E-Autos nach einer Flaute im Jahr 2024 wieder auf dem Vormarsch. „55 741 rein batterieelektrische Pkw (BEVs) wurden im November 2025 neu zugelassen, das entspricht einem Anstieg um 58,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat“, teilt der Verband auf seiner Internetseite mit. Internationale Marken würden davon knapp 39 Prozent ausmachen.

Rechnet man die Plug-in-Hybride noch dazu, ergibt das sogar einen Gesamtmarktanteil von mehr als 35 Prozent aller Neuzulassungen. „Fahrzeugkunden sind grundsätzlich offen für E-Autos, wenn die Gesamtkosten nicht höher sind als bei Verbrennern. Mit einer schnellen, unbürokratischen und fairen Umsetzung des von der Koalition avisierten Förderprogramms, dem Ausbau von Infrastruktur und günstigeren Strompreisen könnten die CO2-Flottengrenzwerte im kommenden Jahr gerade so erreicht werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Programm rückwirkend zum 1. Januar 2026 in Kraft tritt“, beurteilt VDIK-Präsidentin Imelda Labbé den Markt. Aber was können die chinesischen E-Autos von BYD? Bestätigt sich das Vorurteil vieler, dass aus China nur Billigware kommt? „Zur Qualität der Wagen kann ich sagen: Die Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht. Ich bin schon alle Modelle Probe gefahren“, sagt Friedrich Maier. „Ich sehe eine realistische Chance, Autos zu verkaufen, die deutschen Fabrikaten nicht mehr allzu weit hinterherhinken.“

Der Showroom in der Plochinger Straße in Esslingen Foto: Russ Jesinger

Wie gut sind die E-Autos von BYD?

Die Aussagen des Chefs mehrerer Autohäuser spiegeln sich beispielsweise in Tests des ADAC wider. Beispielsweise die Bewertung des BYD-Elektrokleinwagens Dolphin Surf, der neu schon für weniger als 20 000 Euro zu haben ist: Er wird unter anderem gelobt für „gute Verarbeitung, sichere Fahreigenschaften sowie umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung“. Bemängelt wird beispielsweise eine „ablenkungsstarke Bedienung, unterdurchschnittliche DC-Ladezeiten und schlechte Lenkungsabstimmung“. Alles in allem bekommt er eine solide Bewertung. Ähnlich wird der Wagen auf anderen Portalen bewertet.

„Bislang haben wir nur positives Feedback bekommen“, sagt Maier mit Bezug auf die Einführung von BYD-Autos ins Sortiment. Er verstehe nicht ganz, warum es vor allem kritische Stimmen zu BYD, aber kaum zu Volvo oder Smart gebe. „Die sind inzwischen auch chinesisch“, sagt er. „Ich sehe BYD langfristig bei drei Prozent auf dem deutschen Markt.“ In und um Esslingen handelt nur Russ Jesinger mit BYD. In Kirchheim verkauft beispielsweise noch Ramsperger Automobile die chinesischen Fabrikate.

BYD in Deutschland

Anfänge
Die Aktiengesellschaft BYD Auto ist noch recht jung. Sie ist eine Tochtergesellschaft der BYD Company, die beispielsweise auch Akkus und Mobiltelefone produziert. Gründung von BYD Auto war im Jahr 2003. 2024 überholte das Unternehmen laut Handelsblatt den US-Konkurrenten Tesla und erwirtschaftete etwa 100 Milliarden Euro Umsatz.

Europa
Build Your Dreams baut derzeit ein Händlernetz in Europa auf. Bald soll in Ungarn das erste europäische Werk eröffnet werden. Anfangs wurde der deutsche Markt von Stuttgart aus gesteuert, derzeit verlagert das Unternehmen seine Zentrale jedoch nach Hessen.