Die Musiker von Mare Nostrum sind in St. Paul zu hören. Foto: Jean-Christophe Arav/oh - Jean-Christophe Arav/oh

Sieben große Konzerte stehen vom 19. September bis 3. Oktober auf dem Programm. Zwei Jam-Sessions im Jazzkeller und zwei Jazz-Gespräche in der WLB runden dann das Jazzfestival ab.

EsslingenEsslingen hat eine lange und interessante Tradition als Jazzstadt“, weiß Maximilian Merkle. Und auch wenn er inzwischen als Musik-Manager in Berlin arbeitet, fühlt er sich dieser Tradition eng verbunden. Vor fünf Jahren ist Merkle angetreten, ein überregionales Festival zu organisieren, das den qualitätsvollen Konzerten von Dieselstraße und Jazzkeller nicht etwa Konkurrenz machen, sondern das Vorhandene zusätzlich bereichern will. Sowohl Dieselstraße als auch Jazzkeller beteiligen sich mit eigenen Beiträgen am diesjährigen Esslinger Jazzfestival. Sieben große Konzerte stehen vom 19. September bis 3. Oktober auf dem Programm. Zwei Jam-Sessions im Jazzkeller und zwei Jazz-Gespräche in der WLB runden das Angebot ab.

Oberbürgermeister Jürgen Zieger weiß, was er an Maximilian Merkle und seinem Festival hat: „Es ist eine Bereicherung der Jazztradition unserer Stadt und ein kultureller Leuchtturm, der weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlt.“ Für den hohen Anspruch der Veranstaltung steht auch ihr Schirmherr: Eberhard Weber, der in Esslingen aufgewachsen ist und hier seine ersten Schritte auf dem Weg zu einer späteren Weltkarriere gegangen ist, bürgt mit seinem guten Namen. Und weil er, der inzwischen in Südfrankreich lebt, so weit wie möglich auch beim Festival präsent ist, weiß er, dass Maximilian Merkle und sein Team den richtigen Weg eingeschlagen haben. Das sehen auch die Stadt und eine ganze Reihe von Sponsoren so, die für eine solide wirtschaftliche Grundlage sorgen. Von Anfang an gehörte es zum Konzept, Jazz an unterschiedlichen Veranstaltungsorten zu präsentieren. Diesmal kann man die Musiker im Münster St. Paul, im Jazzkeller in der Webergasse und in der Württembergischen Landesbühne erleben.

Dass eines der Konzerte – das Gastspiel des österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel und seines neu formierten Large Ensembles – am 2. Oktober nicht in Esslingen, sondern im Stuttgarter Spardawelt Eventcenter stattfindet, ist für den Veranstalter kein Zeichen dafür, dass er Esslingen irgendwann den Rücken kehren und in einer größeren Stadt weitermachen könnte: „Das Jazzfestival war immer ein Bekenntnis zu Esslingen. Es gehört zu Esslingen, und es soll auch in Esslingen bleiben“, versichert Maximilian Merkle. „Für manche Konzerte haben wir hier leider nicht den richtigen Raum von der Größe, von der Akustik oder von der Infrastruktur her. Da mussten wir ausweichen.“

Abwanderungsgedanken hege er nicht, betonte Merkle. Vielmehr verstehe er sich „als Botschafter für Esslingen und für die gesamte Esslinger Kulturszene“. Und damit sein Jazzfestival eine Zukunft hat, will Maximilian Merkle nicht nur eingefleischte Fans, sondern ganz gezielt auch junge Leute ansprechen, weil er überzeugt ist: „Man muss die Leute mit Jazz konfrontieren. Man muss ihnen zeigen, was Musiker auf der Bühne leisten, wie sie mit dem Publikum kommunizieren, was da passiert zwischen Menschen. Dafür braucht man keine jahrelange Hörerfahrung, das kriegen schon Kinder mit.“ Dazu setzt Merkle auf ein spezielles Vermittlungsprogramm für örtliche Schulen.

Bei der Auswahl der Künstler, die sich bis 3. Oktober in Esslingen vorstellen, setzen der Veranstalter und seine Partner auf Vielfalt. Und sie ziehen die Grenzen nicht allzu eng, sondern bleiben ganz bewusst auch für Grenzgänger offen. So wie die drei Musiker von „Mare Nostum“, die das Programm am 19. September um 20 Uhr im Münster St. Paul eröffnen: Der französische Akkordeonspieler Richard Galliano, der sardische Trompeter Paolo Fresu und der schwedische Pianist Jan Lundgren führen den Jazz mit der Folklore ihrer Heimatländer zusammen und lassen daraus eine Musik von ganz eigenständigem Reiz entstehen. Oder der Pianist Daniel Garcia, der mit seinem Trio am 22. September in der Dieselstraße zu Gast ist. „Flamenco und Jazz sind Brüder“, findet Garcia. Und so taucht er tief in die Musik seiner Heimat Kastilien ein und verbindet deren Einflüsse mit dem Vokabular eines modernen Jazz-Trios.

Und ganz besonders treffen Vielseitigkeit und Offenheit wohl auch auf die Formation Rymden zu, die das Festival an einem Feiertag, dem 3. Oktober, in der WLB beschließt: Bugge Wesseltoft (Piano und Keyboards), Dan Berglund (Bass) und Magnus Öström (Schlagzeug) zelebrieren einen Jazz, der sich zwischen Elektronik, Kammermusik, Folklore und World Beats bewegt und der einmal mehr beweist, dass diese Musik noch lange Zeit lebendig bleiben wird.

Wissenswertes zum Jazzfestival

Konzerte: Zum Auftakt des fünften Jazzfestivals Esslingen spielen am Donnerstag, 19. September, Paolo Fresu, Richard Galliano und Jan Lundgren „Mare Nostrum“ im Münster St. Paul. Am Tag darauf gastiert Gary Smulyan mit dem Ralph-Moore-Quartet im Jazzkeller. Am Sonntag, 22. September, spielt das Daniel Garcia Trio in der Dieselstraße. Am Samstag, 28. September, wird Michael Wollny solo in der WLB zu hören sein. Am Sonntag, 29. September, präsentiert sich, ebenfalls in der WLB, das Brad Mehldau Trio. Am Mittwoch, 2. Oktober, geht es mit dem Wolfgang Muthspiel Large Ensemble feat. Ambrose Akinmusire ins Spardawelt-Eventcenter nach Stuttgart. Und am Donnerstag, 3. Oktober, endet das Jazzfestival Esslingen mit einem Auftritt von Bugge Wesseltoft, Dan Berglund und Magnus Öström aka Rymden in der WLB.

Dialog: Zwei Jazzgespräche bieten bei freiem Eintritt Gelegenheit, sich mit Kennern und Liebhabern dieser Musik auszutauschen. OB Jürgen Zieger unterhält sich am 29. September ab 17 Uhr im Schauspielhaus der WLB mit Veranstalter Maximilian Merkle. Am 3. Oktober hat sich der Schirmherr und Weltklasse-Bassist Eberhard Weber ebenfalls um 17 Uhr in der Landesbühne angesagt.

Vorverkauf: Karten für das Jazzfestival gibt es im Vorverkauf im EZ-Haus am Esslinger Marktplatz, bei Reservix sowie im Internet unter www.jazzfestival-esslingen.de

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