Die Götz-Hirschmann Jazz- and Swing-Group war bis 2015 die Hausband bei Konzerten im Schloss. Foto: Martin/oh - Martin/oh

Die Erfolgsgeschichte des rührigen Vereins endet. Dort haben 170 Konzerte von namhaften Jazzern stattgefunden. Die Macher sind müde geworden, sagt der Vorsitzende Gerhard Götz. Wehmut schwingt mit.

Köngen Der Auftritt des legendären Sängers, Bandleaders und Komponisten Paul Kuhn 2002 war das absolute Highlight im Jazz-Club „Schloss Köngen“. Nach 16 Jahren endet die Erfolgsgeschichte des rührigen Vereins, in dem bis dato 170 Konzerte von namhaften Jazzern stattgefunden haben. Die Macher sind müde geworden, begründet der Vorsitzende, Gerhard Götz, die Entscheidung. Wehmut schwingt mit: Schön war die Zeit. Ein Schreiben an die Mitglieder ist unterwegs. Bei der Hauptversammlung am 7. März steht die Auflösung des Vereins auf der Tagesordnung.

„Wir sind gesund aufgestellt“, sagt Gerhard Götz über die finanzielle „Top-Situation“ des Jazz-Clubs. 15 000 bis 20 000 Euro dürften am Ende übrig bleiben. Das Vereinsvermögen wird für einen gemeinnützigen Zweck verwendet. Unlängst lehnte er sogar 2000 Euro Zuschuss vom Jazzverband Baden-Württemberg dankend ab. „Den sollen andere kriegen“, sagt Götz. Man möchte nicht kassieren und in einem schlechten Licht dastehen. Tatsächlich ist es der enorme organisatorische und körperliche Aufwand, „die Knochenarbeit“, die den Vorstand zu dem Entschluss bewogen haben. Man sei mit weit über 70 Jahren im Ersatzteilalter, erklärt Götz. Der eine brauche eine neue Hüfte, der andere neue Knie. Allein das Einkaufen und Schleppen von Lebensmitteln und Getränken, Stühlen, Tischen und der Abbau nach den Konzerten verlange den 24 Helfern einiges ab.

Ohne die Bewirtung stünde der Club finanziell nicht so gut da, ergänzt der frühere Bürgermeister Hans Weil, der einst die Initialzündung zur Gründung gab. In der langen Sanierungsphase des Schlosses von 1995 bis 2007 hatte er die Idee, einen Jazzclub einzurichten. Damit trat er bei Gerhard Götz eine Aktionslawine los. Ohne Fußboden, ohne Heizung und einem WC-Wagen vor dem Schloss, nahm der Club 2002 seinen Betrieb auf. „Ein riesen Erfolg“, sagt Weil. „Es ging was.“ Das war mit die Rettung für das Schloss in der öffentlichen Wahrnehmung, an dem wegen der langen Renovierungsphase und immer wieder Stillstand das Interesse erlahmte.

Begrüßung mit Handschlag und Küsschen

Während der elf Konzerte pro Jahr rückte das Schloss in den Fokus der Öffentlichkeit. Eine Fußbodenheizung baute der Verein in Eigenleistung ein. „Es wurde gemütlich“, erinnert sich Ausschussmitglied, Bassist und Sänger Rolf Martin. Bei den Konzerten drängten sich zwischen 100 und 140 Besucher in der Schlosskapelle, darunter viele Stammkunden. „Ich begrüße jeden Gast mit Handschlag oder Küsschen“, unterstreicht Götz die „heimelige Atmosphäre“ und den persönlichen Stil. „Da fehlt was“, sagt Hans Weil. Er zeigt aber, wie andere, die von dem Aus wissen, Verständnis. „Irgendwann ist das Ehrenamt ausgereizt.“ Er ist sicher, dass sich das Organisatorische für eine Fortsetzung regeln ließe. Schwerer wäre es da schon, jemanden zu finden, der die Kontakte und Verbindungen zur Szene hat, wie der Saxofonist Götz.

In den 60er- und 70er-Jahren spielte er im Götz-Hirschmann-Septett Tanzmusik „auf höchster Ebene“ beim Opernball und bei den „Stuttgarter Langen Nächten“. Bis 2015 war er mit der Götz-Hirschmann Jazz- and Swing-Group Hausband im Schloss. Im vergangenen Jahr formierte sich das Köngener Schloss-Swingtett. Seinem Kontakt zu Paul Kuhns Ehefrau und Managerin Ute Hellermann war es zu verdanken, den Künstler, der üblicherweise 10 000 Euro Gage kassierte, für die Hälfte zu bekommen. „Komm rauf Gerhard, mach mit“, soll Paul Kuhn seinerzeit gerufen haben, um den Vorsitzenden auf die Bühne zu locken. Die Verbindungen sind weitreichend, bis nach Budapest.

Nicht nur „der Gerhard vom Schloss in Köngen“ ist bekannt, auch die faire Bezahlung der Musiker und die tolle Location sprachen sich schnell in der Szene herum, wie Rolf Martin betont. „Wir hatten einen klaren Vorteil auf dem Land gegenüber der Stadt, wo es viel Konkurrenz gibt.“ Die Situation der Jazzclubs in der Region ist nicht rosig. Momentan gibt es noch 46 in Baden-Württemberg. Götz und Martin wissen von der schwierigen Situation in Denkendorf und auch im Jazzkeller in der Esslinger Webergasse laufe es nicht rund.

Hans Weil gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich doch noch etwas tut. Bis zum 14. Dezember findet im Schloss das geplante Programm statt. „Dann gibt es einen besonders schönen Abschluss“, verspricht Gerhard Götz.

Am Freitag, 23. Februar, um 20 Uhr, tritt das Köngener Schloss-Swingtett in der Schlosskapelle auf.

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