Megyn Kelly (Charlize Theron) bietet Donald Trump vor laufender Kamera die Stirn und tritt damit eine Lawine los. Foto: Hilary B. Gayle/Wild Bunch - Hilary B. Gayle/Wild Bunch

Ein moralisches Beben hat vor vier Jahren den US-Sender Fox News und mit ihm die amerikanische Medienwelt erschüttert. Eine mutige Moderatorin hat den bis dahin allmächtigen Sender-Chef wegen sexueller Belästigung angezeigt und trotz vieler Widerstände zu Fall gebracht. Davon erzählt Jay Roachs neuer Film „Bombshell“.

EsslingenEs ist kein Zufall, dass US-Präsident Donald Trump lange Zeit der Liebling des Fernsehsenders Fox News war: Trump liebt den Krawall, und Fox News liebt die Einschaltquoten, die er den Fernsehmachern beschert. „Nachrichten sind wie ein Schiff: Sobald man die Hände vom Steuer nimmt, zieht es nach links“, hat der lange Zeit allmächtige Fox-News-Chef Roger Ailes einmal erklärt, und deshalb führte er ein strenges Regiment im Sender. Dass er genau wie Trump ein fragwürdiges Verhältnis zu Frauen pflegte, wurde viel zu lange unter den Teppich gekehrt. Doch irgendwann war damit Schluss, weil eine mutige Fernsehmoderatorin die sexuellen Übergriffe leid war und gegen viele Widerstände Ailes’ entwürdigendes Verhalten öffentlich machte. Der Fall schrieb damals wochenlang Schlagzeilen, und er hat vielen anderen Frauen Mut gemacht, sich gegen solche Übergriffe zur Wehr zu setzen. In seinem Film „Bomb
shell – Das Ende des Schweigens“ bringt der Regisseur Jay Roach die Geschichte nun auf die Leinwand. Dass sein Film bei der jüngsten Oscar-Verleihung hinter den Erwartungen zurückblieb, kann seine Qualitäten nicht schmälern.

Megyn Kelly (Charlize Theron) ist der Star von Fox News: Sie ist attraktiv, zeigt gerne auch mal Bein, und sie ist nicht bekannt für allzu kritischen Journalismus – vor allem dann, wenn sie sich Politiker vors Mikro holt, die auf der konservativen Linie des Senders liegen. So wie der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Dem rollt der Sender bereitwillig den roten Teppich aus – Trump darf sich im Wahlkampf 2016 vor der Kamera austoben, wie es ihm beliebt. Doch irgendwann ist das selbst Megyn Kelly zuviel und sie konfrontiert ihn mit seinen sexistischen Sprüchen. Als Trump in wenig feinen Worten zurückkeilt und auf Twitter einen Shitstorm gegen die unbotmäßige Journalistin lostritt, hat Megyn im Sender keinerlei Rückhalt – Fox-News-Chef Roger Ailes (John Lithgow), der mit dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber befreundet ist, lässt sie ungeniert im Regen stehen. Was ihrer Kollegin da geschieht, rüttelt auch ihre altgediente Kollegin Gretchen Carlson (Nicole Kidman) auf, die sich nicht länger zur „TV-Barbie“ herabwürdigen lässt und Ailes wegen sexueller Belästigung verklagt. Prompt wird sie im Sender zur Unperson – von den Kollegen gemobbt und „wegen enttäuschender Einschaltquoten“ gefeuert. Dafür macht die attraktive Jungredakteurin Kayla Pos­pisil (Margot Robbie) unverhofft Karriere – nachdem sie Ailes hinter verschlossenen Türen „einen Beweis ihrer Loyalität“ geliefert hatte. Doch irgendwann ist mit der Selbstverleugnung Schluss ...

„Dies ist eine Geschichte über die Verletzung von Menschenrechten“, sagt Charlize Theron, der diese Geschichte so wichtig ist, dass sie nicht nur eine der Hauptrollen übernahm, sondern auch als Produzentin zum Erfolg von Jay Roachs Film beitragen wollte. Denn eines liegt ihr am Herzen: „Jede von uns sollte die Möglichkeit haben, Ehrgeiz zu zeigen, seine Ziele zu verfolgen und seiner Arbeit in einer sicheren Umgebung nachzugehen. Niemand sollte jemals in die Lage geraten, dass ihm Steine in den Weg gelegt werden, wenn er die Wahrheit über Menschen in Machtpositionen sagt. Das darf einfach nicht passieren.“ Und dennoch passiert so etwas immer und immer wieder. Dass Männer wie Roger Ailes oder der einst allmächtige Filmproduzent Harvey Weinstein mit ihrem miesen Verhalten nicht mehr so ungehindert durchkommen wie früher, ist auch aufrechten Frauen wie Gretchen Carlson oder Megyn Kelly zu verdanken, die halfen, die #MeToo-Bewegung groß zu machen. Jay Roachs Film macht die Nöte solcher Frauen deutlich, die oft nicht wissen, wie sie sich zur Wehr setzen sollen, weil man ihnen nicht glaubt – oder weil man sich nicht mit den Mächtigen anlegen mag.

Drehbuchautor Charles Randolph hat die Geschichte sorgfältig recherchiert – dass einem in „Bombshell“ immer wieder bekannte Gesichter aus dem Polit- und Medienzirkus begegnen, macht seinen Film noch berührender. Spannend ist vor allem die Figur der Megyn Kelly gezeichnet, die selbst aus konservativem Haus kommt und manchmal nicht glauben kann, wie ihr geschieht. Für Charlize Theron ist genau das einer der Schlüssel zur besonderen Wirkung dieses Films: „Wenn sich die Botschaft auch aus der Perspektive einer Person vermittelt, mit der du nicht unbedingt einverstanden bist, die dich manchmal sogar auf die Palme bringt, dann zeigt das doch, wie wichtig diese Auseinandersetzung ist.“

Regisseur Jay Roach erzählt in „Bomb­shell“ die Geschichte eines Skandals, der den US-Sender Fox News vor einigen Jahren erschüttert hat – und von mutigen Frauen, die sich gegen sexuelle Übergriffe ihres Chefs zur Wehr gesetzt haben.

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