Der Professor bringt den Tieren das Sprechen bei: Timo Beyerling (links) mit Alessandra Bosch (Zweite von links) als Ping Pinguin, Julian Häuser als Wawa der Waran und Franziska Theiner als Hausschweinchen Wutz. Foto: Patrick Pfeiffer - Patrick Pfeiffer

Max Kruses Kinderbuchklassiker kommt für Zuschauer ab vier Jahren auf die Esslinger Landesbühne. James Lyons inszeniert die phantastische Geschichte.

EsslingenDa hat der Professor und Museumsmitarbeiter Habakuk Tibatong ja eine famose Entdeckung gemacht – glaubt er: Ein Ei in der Sammlung des Hauses identifiziert er als Keimzelle des Urmel, eines Bindeglieds in der langen Entwicklung des Lebens zwischen den Dinosauriern und den Säugetieren, letztlich also den Menschen. Quatsch, sagt Museumschef Dr. Zwengelmann, es handele sich um ein normales Saurier-Ei. Nicht nur dieser Rüffel seines Vorgesetzten trifft den Forscher. Auch seine Versuche, Tieren das Sprechen beizubringen, wecken den Neid und das Misstrauen der Fachkollegen. Schließlich droht ihm gar die Kündigung.

„Er ist in einer inneren Krise“, sagt der Regisseur James Lyons. Dieser Krise entflieht Professor Tibatong auf die Insel Titiwu – und dann geht die Story von Max Kruses „Urmel aus dem Eis“ richtig los, diesem phantastischen Kinderbuch-Klassiker von 1969, den Lyons an der Esslinger Landesbühne (WLB) für Zuschauer ab vier Jahren inszeniert. „Wir haben die Museumsszene etwas ausgeweitet“, sagt Lyons – als zweite Ebene und Rahmenhandlung. Deshalb bleibt offen, ob der für die Insel reife Professor in Wirklichkeit oder in seiner Fantasie den Ort verlässt. Die Insel-Welt „ erblüht“ jedenfalls aus Kisten im Museum, verrät Bühnen- und Kostümbildnerin Esther Bätschmann.

Doch ob real oder Wunschtraum: Auf Titiwu, einer Oase seiner Forschung, eröffnet Tibatong eine ganze tierisch-menschliche Sprachschule. Nicht nur sein Schweinchen Wutz, auch Ping Pin­guin, Wawa der Waran und der melancholische Seelefant lernen Worte – natürlich mit ganz persönlichen Sprachfehlern. Kleine Kabbeleien unter den Insulanern bleiben nicht aus, ein bisschen „Gerangel um die Hackordnung, wie es Kindern ja bekannt ist“, sagt Lyons. Doch dann kommt ein unverhoffter Gast: Auf einem schmelzenden Eisberg schwimmt ein seit Urzeiten tiefgekühltes Ei heran, daraus schlüpft ein grünes, nach seiner Mama quäkendes Wesen, halb Saurier, halb Säugetier – das Urmel. Der Beweis für die kühne Theorie des Professors ist erbracht! Aber schon droht weitere Gefahr – vor allem durch einen königlichen Großwildjäger.

Wie die Geschichte an der WLB ausgeht, will Lyons nicht verraten. Nur so viel: Es gibt ein Happy End, viel Spaß – und viel Musik. Sie macht Oliver Krämer und bezieht sich dabei bewusst auf die berühmteste „Urmel“-Version, die der Augsburger Puppenkiste. „Ihre holzschnittartige, volkstümliche Musik ist unschlagbar“, sagt Krämer. Ein paar Klangzitate hat er eingebaut: als Kindheitserinnerung für Ältere – und „auf ausdrücklichen Wunsch der Intendanz“, schmunzelt er. Freilich hat er den Sound auch modernisiert: Für jüngere Gehörgänge gibt’s schon mal Rap oder eine Rock-Ballade.

Die Premiere beginnt an diesem Samstag, 16. November, um 16 Uhr im Esslinger Schauspielhaus. Die nächsten Vorstellungen folgen am 15., 22. und 26. Dezember sowie am 19. Januar. Außerdem gibt es etliche Schulvorstellungen.

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