Nach den Sommerferien sollen laut Kultusministerium, je nach Schulart, wesentlich mehr Stellen besetzt werden. Doch der Lehrkräftemangel sorgt in manchen Schulen für Herausforderungen. Foto: dpa/Marijan Murat

Ein Fehler in der Software führte im Südwesten zu 1440 fälschlich unbesetzten Stellen. Nun soll nachbesetzt werden – auch im Landkreis Göppingen.

Im vergangenen Monat wurde eine gravierende IT-Panne im baden-württembergischen Kultusministerium bekannt: 1440 Lehrkraftstellen sind intern als belegt verbucht worden, obwohl diese nicht besetzt sind. Grund war ein Softwarefehler im internen Personalverwaltungssystem Dipsy – der bis in das Jahr 2005 zurückgeht. Diese Stellen sollen jetzt nachbesetzt werden. Laut dem Kultusministerium hat die Landesregierung dabei den Bedarf der verschiedenen Schularten berücksichtigt.

Demnach haben die sonderpädagogischen Schulen den größten Anteil erhalten. Für den Schulamtsbezirk Göppingen bedeutet das für das kommende Schuljahr 19 zusätzliche Stellen für Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ). Doch selbst der aktuelle Bedarf konnte laut Kultusministerium aufgrund des Mangels an ausgebildeten Lehrkräften im sonderpädagogischen Bereich nicht vollständig gedeckt werden.

Es besteht ein Mangel an ausgebildeten Lehrkräften

Jürgen Henzler ist Amtsleiter des Staatlichen Schulamts in Göppingen. Er sagt, dass unbesetzte Lehrkraftstellen auf den Mangel an Bewerbern und Bewerberinnen zurückzuführen seien. Trotzdem seien die Schulen in den vergangenen Jahren mithilfe von Vertragslehrkräften „nahezu vollständig versorgt gewesen“ – mit Ausnahme der sonderpädagogischen Schulen. Der stellvertretende Pressesprecher des Kultusministeriums, Fabian Schmidt, sieht keine Verbindung zwischen dem Softwarefehler und dem Lehrkräftemangel an sonderpädagogischen Schulen. Vielmehr würden dabei zwei Faktoren aufeinandertreffen. Zum einen seien schlicht nicht genügend Stellen im Haushalt verankert, um einen hundertprozentigen Versorgungsgrad zu erreichen. Zum anderen gebe es einen Mangel an ausgebildeten Lehrkräften.

„Insofern können auch die Stellen, die derzeit zur Verfügung stehen, nicht vollumfänglich mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden“, so der Sprecher. Laut Schmidt entfallen von den 1440 neu zu besetzenden Stellen theoretisch 485 auf sonderpädagogische Schulen im Land. Dadurch erhält der Schulamtsbezirk Göppingen zusätzlich 19 Stellen im Bereich Sonderpädagogik. Zum Vergleich: Im vergangenen Schuljahr waren in diesem Schulamtsbezirk 26 Stellen im Bereich Sonderpädagogik besetzt. Das wäre ein Zuwachs von rund 75 Prozent. Aber auch andere Schularten sollen von Nachbesetzungen profitieren – insofern Lehrkräfte dafür vorhanden sind. Eine belastbare Aussage darüber, wie viele neue Stellen im Göppinger Schulbezirk faktisch dazu kämen, sei noch nicht möglich, so Schmidt. Die Einstellung laufe noch. Auch würden nicht alle Stellen in Neuanstellungen münden. Manche könnten dafür genutzt werden, unter anderem Aufstockungen abzubilden oder befristete Verträge zu verlängern.

Rückkehr zu G9 hat Auswirkungen auf Lehrerstellen

Auffällig ist, dass den Grundschulen, nach den sonderpädagogischen Schulen im Land, am meisten neue Stellen zugeschrieben werden. So sollen 350 von den 1440 Stellen in baden-württembergischen Grundschulen besetzt werden. In Realschulen und Gemeinschaftsschulen hingegen jeweils nur 50. Zur „Bindung von Lehrkräften in Mangelfächern an allgemein bildenden und beruflichen Gymnasien“ sollen ebenfalls 50 Stellen genutzt werden. Alle 300 Nachbesetzungen für das Gymnasium sind hingegen mit befristeten Abordnungen an andere Schularten verbunden, so zum Beispiel an Gemeinschaftsschulen und Werk- und Realschulen.

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper hat die IT-Panne eingeräumt. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Mit der Rückkehr zur längeren Regelschulzeit an Gymnasien verteilen sich die Stunden, die bis zum Abitur unterrichtet werden, nun wieder auf neun Jahre. Deshalb werden dort zunächst weniger Lehrkräfte benötigt. Während es also im gymnasialen Bereich zu viele Lehrkräfte gibt, können in den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren jetzt schon nicht alle Stellen besetzt werden. Um die „herausfordernde Lehrkräfteversorgung“ anzugehen, habe die Landesregierung in den vergangenen Jahren deshalb die Studienplätze erhöht. Weiter sei zum Studienjahr 2023/2024 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg ein zusätzlicher Studienstandort eingerichtet worden und auch die Kapazitäten für eine Ausbildung zur sonderpädagogischen Fachlehrkraft seien erweitert worden. Schmid hält die Erwartungen dennoch niedrig: „Aufgrund der Vielzahl an Stellen und dem aktuell bereits weit fortgeschrittenen Einstellungsprozess gehen wir derzeit nicht davon aus, dass wir alle Stellen zum Schuljahresbeginn besetzen können.“ Der Einstellungszeitraum wurde bereits von Ende September auf Ende Oktober verlängert.