Immer mehr Menschen haben so viel Einkommen, dass sie Geld im Überfluss haben müssten. Foto: Arne Dedert/dpa

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten prangert an, wie die Schere beim Einkommen auseinander geht. Tatsächlich ist die Zahl der Megaverdiener stark angestiegen.

Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht und Landrat Dietmar Allgaier müssen bestimmt nicht am Hungertuch nagen. Beide sind in der Besoldungsgruppe B8 eingruppiert, streichen damit genau 12.622,17 Euro im Monat ein. Über solche Einkünfte von Führungskräften im öffentlichen Dienst können etliche Spitzenkräfte in anderen Wirtschaftszweigen aber nur müde lächeln. Wie Daten des Statistischen Landesamts zu entnehmen ist, leben im Landkreis sage und schreibe 247 Menschen, deren Einkommen mehr als eine Million Euro pro Jahr beträgt.

Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Stuttgart ist es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass dem 22.300 Bürgergeld-Empfänger gegenüberstehen, denen die Leistung vom Bund auch noch zusammengestrichen werden soll. „Krasser geht es nicht: Die einen müssen jeden Euro dreimal umdrehen. Die anderen wissen nicht, wohin mit ihrem Geld“, wird Geschäftsführerin Magdalena Krüger in einer Pressemitteilung der NGG zitiert. Es sei unsozial und unfair und bringe obendrein wenig, denen etwas wegnehmen zu wollen, die sowieso wenig haben.

„Stattdessen sollten die, die viel Geld haben, davon wenigstens etwas abgeben“, findet Krüger. Neben einer Reform der Erbschaftssteuer und einer entschiedeneren Bekämpfung von Steuerbetrug hält die Gewerkschaft einen höheren Spitzensteuersatz für „längst überfällig“.

Die Gewerkschaftsvertreterin Magdalena Krüger findet, dass die Reichen ein größeres Stück vom Kuchen abgeben sollten. Foto: Archiv (Ralf Poller/Avanti)

Wie auch immer man zu diesen Forderungen stehen mag: Fakt ist, dass die Zahl der Megaverdiener in den vergangenen Jahren gestiegen ist, und zwar erheblich. Die aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamts stammen von 2021, als im Kreis Ludwigsburg besagte 247 Einkommensmillionäre registriert waren. 2018 waren es noch 219 gewesen, 2015 sogar nur 159.

Die Entwicklung in anderen Landkreisen spiegelt diesen Trend wider. Im Rems-Murr-Kreis kletterte die Zahl der Extremverdiener von 125 über 163 auf zuletzt 196. Ähnlich das Bild im Landkreis Heilbronn, wo sich im Jahr 2021 genau 193 Bürger über ein Salär von mehr als einer Million Euro freuen durften. 2018 waren in der Statistik noch 168 vermerkt, 2015 lediglich 124.

Unangefochtener Spitzenreiter in Baden-Württemberg ist der Stadtkreis Stuttgart mit aktuell 527 Frauen und Männern, die ein Jahres-Einkommen im siebenstelligen Bereich verbuchen können. Gleich dahinter folgt schon der Landkreis Ludwigsburg mit seinen 247 Megaverdienern. Fast schon bescheiden nehmen sich da die 43 Einkommens-Millionäre aus, die im Neckar-Odenwald-Kreis beheimatet sind. Weniger gibt es in keinem anderen Landkreis im Ländle.

Landrat Dietmar Allgaier hat über seine Besoldungsgruppe ein Jahreseinkommen im ganz unteren sechsstelligen Bereich und ist damit weit von den Superverdienern entfernt. Foto: Archiv (Simon Granville)

Der Neckar-Odenwald-Kreis gehört auch zu den drei Landkreisen mit dem niedrigsten Gini-Koeffizienten. Dieser gibt auf einer Skala von 0 bis 1 an, wie hoch das Einkommensgefälle ist. Null würde bedeuten, alle bekommen jährlich denselben Betrag aufs Konto überwiesen. Eine Eins stünde für eine maximale Unausgewogenheit.

In diesem Ranking der Ungleichheit belegt der Stadtkreis Heilbronn mit einem Wert von 0,67 den in dem Fall wohl eher unrühmlichen ersten Platz im Land Baden-Württemberg.

Einkommensgefälle in Stadtkreisen tendenziell größer

„Der Landkreis Ludwigsburg liegt hier genau im Durchschnitt der Landkreise und knapp unterhalb des Landesdurchschnitts“, erklärt Andreas Tonte vom Statistischen Landesamt. Für die Kommunen rund um Ludwigsburg wurde ein Koeffizient von 0,51 ermittelt. Auf exakt denselben Wert kommen auch der Rems-Murr-Kreis und der Landkreis Heilbronn. Im Stadtkreis Stuttgart ist die Einkommens-Unwucht mit einem Wert von 0,55 wie tendenziell generell in Stadtkreisen höher. Zum Vergleich: im Neckar-Odenwald-Kreis wurde ein Gini-Koeffizient von 0,48 errechnet.

Ein Blick auf die Entwicklung des Gini-Index in den vergangenen Jahren zeigt allerdings auch, dass trotz des starken Zuwachses bei den Einkommensmillionären die Spreizung bei den Einkünften insgesamt nicht zwangsläufig größer geworden sein muss. Im Kreis Ludwigsburg ist die Schere seit 2015 sogar leicht zusammengegangen von einst 0,53 auf nun 0,51, auf ganz Baden-Württemberg bezogen von 0,53 auf 0,52. Im Vergleich zwischen 2015 und 2021 ist der Koeffizient auf Landesebene überhaupt nur im Stadtkreis Heilbronn höher – und damit die Spreizung größer geworden.

Woher der auch bundesweit zu beobachtende Trend eines Anstiegs bei den Megaverdienern in absoluten Zahlen rührt, scheint schwer aufdröseln zu sein. „Sicher ist der Anstieg der Einkommensmillionäre zum Teil inflationsbedingt“, konstatiert das Statistische Bundesamt.

Allerdings könne man auch keine weiteren Gründe für dieses Phänomen nennen. Weitere Informationen dazu lägen nicht vor. Man gebe nur amtliche Daten weiter.