Der Investor könnte mit dem Umbau des maroden Fachwerkhauses am Ufer der Lauter in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) sofort beginnen, wartet aber weiter auf die Genehmigung. Ein letzter Punkt ist strittig.
Die historische Bruckmühle an der Lauter in Kirchheim bietet einen trostlosen Anblick: Die morschen Holzbalken des Fachwerks sind Wind und Wetter ausgesetzt, weil die Gefache an vielen Stellen fehlen, das Dach ist teilweise notdürftig abgedeckt. Dennoch schwärmt der Eigentümer Helmut Ruf: „Wenn ich das Gebäude sehe, geht mir das Herz auf.“
Denn er sieht, anders als all die anderen, die über diesen „Schandfleck“ am Postplatz schimpfen, keine Bauruine. Sondern das, was aus dem verfallenen Fachwerkgebäude einmal werden könnte: ein städtebauliches Schmuckstück. Wenn man ihn nur machen ließe.
Nach zähem Ringen auf Konzeption geeinigt
Schon seit Jahren soll die nicht unter Denkmalschutz stehende Bruckmühle, deren Abriss bereits beschlossen und dann doch noch verhindert wurde, saniert und als Gastronomiebetrieb genutzt werden. Nachdem zunächst unterschiedliche Vorstellungen über den Ausbau des Gebäudes sowie des einstigen Kiosks und der dazwischen liegenden Freifläche gab, einigten sich die Kirchheimer Stadtverwaltung und der Investor aus Esslingen nach zähem Ringen schließlich auf eine Konzeption.
Den Plänen zufolge soll es auf zwei Etagen eine gastronomische Nutzung geben, die über die gesamte Fläche der vorderen Bruckmühle hinweg bis zum Kiosk und bis hinein in die Max-Eyth-Straße reichen soll. Etwa 60 Plätze im Innenbereich und um die 40 Plätze im überdachten, verglasten Außenbereich zwischen der Mühle und dem früheren Fischbrötchenimbiss sind laut Ruf vorgesehen. Diese Anzahl an Sitzplätzen brauche er. „Das Projekt muss sich schließlich auch rechnen.“ Einen Betreiber für die Gastronomie zu finden, sei kein Problem, ist der Projektentwickler von der Lage überzeugt.
Der alte Kiosk soll abgerissen und durch eine „moderne Verkaufsstelle“ ersetzt werden, in der kleine Happen oder Eis über den Tresen gehen. Im Dachgeschoss, künftig erreichbar über eine Außentreppe, stellt sich der Bauherr eine gewerbliche Nutzung oder eine Wohnung vor. „Das Konzept ist schön“, findet Ruf. Das Investitionsvolumen beziffert er auf 1,8 Millionen Euro.
Laut Ruf ist das Projekt genehmigungsreif. „Wir könnten im Prinzip sofort loslegen.“ Seit Anfang 2023, berichtet er, liege das Baugesuch nun schon bei der Stadt. Die das Vorhaben auch sehr unterstütze, wie er betont. Dennoch sei er weiterhin zum Warten verdammt. „Es fehlt das Okay des Esslinger Landratsamtes“, erläutert Ruf.
Kreisbehörde hat Bedenken wegen möglicher Hochwassergefahr
Der letzte strittige Punkt ist die geplante Terrasse für die Außengastronomie, die 1,40 Meter über die Uferböschung ragen soll. Unter diesem überhängenden Bereich fließt gemächlich die Lauter – doch den Abstand zwischen Fluss und Balkon sieht die Kreisbehörde wegen der Gefahr eines möglichen Hochwassers kritisch.
Die Bedenken „wegen ein paar Zentimetern Höhe“ teilt der Bauherr nicht. Wie er hinzufügt, könne auch das Kirchheimer Rathaus diese nicht nachvollziehen. Es gebe deshalb inzwischen intensive Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und dem Landratsamt – ein Ergebnis steht noch aus.
Investor: Baubeginn jetzt oder erst in zwei Jahren
„Erhalten wir in den nächsten Wochen den ‚Roten Punkt’, könnten wir umgehend starten und nach 16 Monaten Umbauzeit im Sommer 2026 eröffnen“, kündigt Ruf an. Bliebe eine baldige Baufreigabe hingegen aus, drohe eine zweijährige Verzögerung, sagt der Investor klipp und klar. Denn dann würde seine auf die Umnutzung historischer Gebäude spezialisierte Firma VIW ein Sanierungsprojekt am Marktplatz in Herrenberg vorziehen. Damit wären alle Kapazitäten gebunden.
Ruf würde den Aufschub sehr bedauern. Es sei ihm ein Herzensanliegen, die marode Kirchheimer Bruckmühle wieder aufzubauen und „dem historischen Gebäude seine Würde zurückgeben“, beteuert er. Es für die Nachwelt zu erhalten, „hat auch etwas mit Verantwortung zu tun“. Aus diesem Grund hält er trotz aller Schwierigkeiten an der Sanierung fest.
Aktuelles Projekt in Stuttgart kurz vor der Fertigstellung
Er weiß aus Erfahrung: „Wenn man solche Projekte umsetzen will, braucht man einen langen Atem.“ 2003 hatte er die Alte Zimmerei an der Agnesbrücke in Esslingen erworben, um mehr aus dem repräsentativen Fachwerkgebäude zu machen. 2014 war der Umbau endlich beendet. Sein aktuelles Projekt, die Sanierung eines aus dem Jahr 1908 stammenden Geschäftshauses am Stuttgarter Marktplatz, zieht sich seit 2020 hin. In diesem Sommer soll es abgeschlossen werden.
Historisches Gemäuer
Geschichte
Die Bruckmühle wurde im Jahr 1292 erstmals urkundlich erwähnt. Das zweistöckige Hauptgebäude ist vor 1711 gebaut worden. Die restlichen Gebäudeteile kamen zwischen 1815 und 1834 hinzu. Die Bruckmühle ist eine von 13 Mühlen in Kirchheim, die einst entlang der Lauter betrieben wurden.
Eigentümer
Die Stadt Kirchheim erwarb die Bruckmühle 2007 von dem damaligen Besitzer Gotthilf Schäfer, der dort ein lebenslanges Wohnrecht besaß. Nachdem er Ende 2008 gestorben war, verkaufte die Stadt das Gebäude 2013 an eine Bietergemeinschaft aus Esslingen. Im hinteren Teil des Ensembles entstanden Wohnungen. 2017 kaufte der Esslinger Unternehmer Helmut Ruf den historischen Teil der Bruckmühle.