Foto: Konstantin Matern

In Zeiten von Homeoffice ist schnelles Internet für Arbeitnehmer und Arbeitgeber wichtig. Was sind die Vorteile von Glasfaserkabeln und wie ist der Stand des Breitbandausbaus in Esslingen?

In Zeiten von Home-Office und der digitalen Verwaltung von E-Mails, Kalendern, Aufgabenlisten & Co. ist ein stabiles und schnelles Internet die Hauptvoraussetzung am Arbeitsplatz. Dieser Meinung ist auch der Esslinger Landkreis, welcher sich in Zusammenarbeit mit den Kommunen und Gemeinden für den Ausbau eines Glasfaser-Breitbandnetzes in der Region in und um Esslingen einsetzt.

"Zukunft Breitband..."

...so verlautet es, wenn sich die 44 Kommunen des Landkreises Esslingen zum Ziel machen, ihre Bewohner mit einer verbesserten Internetversorgung auszustatten. Damit dies gelingt, gründeten sie im Februar 2019 den "Zweckverband Breitbandversorgung", welcher die gemeinsame Kooperation zur Planung und Abwicklung eines zusammenhängenden Glasfasernetzes in der Region beabsichtigt. Mithilfe der zur Verfügung stehenden jährlichen Finanzmittel von 400.000 Euro - vom Landkreis und den Kommunen gleichermaßen aufgebracht - will der Verband "in diesem Jahr zu konkreten Umsetzungen kommen", so Landrat Heinz Eininger (siehe: https://gigabit-es.de/zweckverband) .

Da der Zweckverband Teil der Gigabit Region Stuttgart ist - welcher wiederum den Ausbau des Breitbandanschlusses in und um Stuttgart koordiniert - stehen die Chancen für diese konkreten Umsetzungen für ein flächendeckendes Glasfasernetz gut: Denn die gesamte Region Stuttgart will das Telekommunikationsunternehmen "Telekom" bis 2025 alle Unternehmen und Betriebe und bis 2030 neunzig Prozent der Privathaushalte mit Glasfaser-Internet versorgen. 

Neben dem Esslinger Landkreis befinden sich in diesem Zusammenschluss der Gigabit-Region die Landeshauptstadt Stuttgart und vier weitere Landkreise - sie alle stehen zur Zeit der Telekom AG als Vertragspartner gegenüber. Mithilfe eines Kooperationsrahmenvertrags, welcher am 24. Mai 2019 in der Fellbacher Schwabenlandhalle unterzeichnet wurde, wurde und wird den Bürgerinnen und Bürgern der Gigabit Region Stuttgart die Möglichkeit zur Versorgung mit Internet via Glasfaser zugesichert.

Aktueller Stand des Glasfaserausbaus im Esslinger Landkreis

Bereits seit vergangenem Sommer wird das neue Glasfasernetz in Bempflingen ausgebaut und befindet sich zurzeit in Fertigstellung. Die Bewohnerinnen und Bewohner können sich schon jetzt auf der Internetpräsenz der Telekom für ihren privaten Breitbandanschluss voranmelden und werden nach Ende der Bauphase online informiert. Aktuell haben sich 450 Bempflinger laut Telekom für eines der Glasfasertarife entschieden. 

Derzeit liegt der Ausbau des Netzes in Esslingen am Neckar per echter Glasfaser (FTTB/FTTH) bei nur 3 % der Haushalte. „Damit sind nur vereinzelt Häuser und Regionen direkt per Glasfaser angebunden“, so Telekommunikationsexperte Konstantin Matern in seinem Bericht über den Ausbau des Internets in Esslingen am Neckar. Zumindest hat die Telekom ein ehrgeiziges Ziel im Kreis Esslingen: Wie bereits berichtet wurde, sollen bis Ende 2030 alle Betriebe und 90 Prozent aller Haushalte eine Glasfaserleitung bis ins Haus oder ins Firmengebäude haben.

Wer Gigabit-Geschwindigkeit (1 Gbit/s) in Esslingen buchen möchte, könnte in Zukunft auf die Kabelanbieter setzen. Aktiv ist in Esslingen Vodafone (ehemals Unitymedia). Allerdings ist die Kabeltechnik noch nicht auf den Standard DOCSIS 3.1 modernisiert. Dieser würde die Kabelanschlüsse (79 % der Haushalte) auf 1 Gbit/s bringen.

Die zudem seit November 2019 bestehenden Ausbauplanungen für Lichtenwald, die Ostfildern Parksiedlung, Scharnhausern Park, Ruit und Wolfschlugen werden nun in 2020 in die Tat umgesetzt und bis Ende des Jahres auch diese Gebiete mit Glasfaser ausstatten.

Glasfaser hat gegenüber DSL Vorteile und Nachteile 

Das schlagende Argument für eine Internetversorgung per Glasfaserkabel ist unbestreitbar die ultraschnelle Übertragungsrate der elektronischen Daten: Mit bis zu 1000 Megabit pro Sekunde schnellt die Glasfasertechnik eindeutig an DSL-Leitungen vorbei. Aktuell erreichen VDSL-Anschlüsse in den schnellsten Tarifen mit der sogenannten SuperVectoring-Technik nur 250 Megabit pro Sekunde. Theoretisch sind über SuperVectoring 35b bei der Datenübertragung 300 Megabit pro Sekunde möglich.

Zudem ist Glasfaser weniger störanfällig als der kupferne Konkurrent und führt weniger zu Datenverlust - heißt: Die versprochene Datenrate, die im bestellten Glasfaser-Tarif gebucht wurde, wird auch zu jeder Zeit geliefert. Kommt es bei DSL-Anschlüssen häufiger zu einem Leistungsabfall bei einer größeren Entfernung zum Internet-Router oder -Verteiler, so verspricht der Glasfaseranschluss in allen Bereichen des Hauses oder der Wohnung gleich schnelles Internet. 

Der dahingegen schwerwiegendste Nachteil der Glasfasertechnologie besteht (ironischerweise entgegen des blitzschnellen Internets durch die Glasfasern) in der eher langsamen Verlegung und Installieren der Glasfasern im Ausbaugebiet. Zudem ist der Ausbau deutlich kostenintensiver als die Bereitstellung von herkömmlichen DSL-Leitungen zur Internetversorgung. Der Glasfaseranschluss ist daher eine Investition in die Zukunft.

Den Zeit- und Kostenaufwand für den Breitbandausbau mit Glasfasern bekommen zurzeit auch die Bürgerinnen und Bürger im Esslinger Landkreis zu spüren. Doch am Ende des Großbauprojektes namens "Zukunft Breitband" zur Versorgung mit dem schnellsten Übertragungsmedium der Welt heißt es Aufatmen und das ultraschnelle Internet genießen!

Datenbasis: Der Breitbandatlas (BMVI)
 

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