Das Pendeln zwischen ihrem Wahlkreis und dem Bundestag in Berlin genießt die FDP-Abgeordnete Renata Alt. Foto: Rudel - Rudel

Internationale Politik ist der Schwerpunkt von Renata Alt. Seit einem Jahr ist die 53-Jährige für die FDP im Bundestag vertreten. Die gebürtige Slowakin hat seit dem Jahr 2000 die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihre langjährige Erfahrung als Diplomatin hilft ihr, mit Partnern aus Politik und Wirtschaft in anderen Ländern eine gemeinsame Ebene zu finden. Der Kampf um ein starkes Europa ist für sie die größte Herausforderung.

Kirchheim/Berlin Auf internationalem Parkett fühlt sich Renata Alt zu Hause. Seit mehr als einem Jahr ist die 53-jährige FDP-Politikerin, die in Kirchheim lebt, nun Bundestagsabgeordnete. Der Sprung nach Berlin war für die gebürtige Slowakin eine Herausforderung. Und fiel ihr dennoch nicht schwer. „Da ich lange im diplomatischen Dienst tätig war, bin ich mit internationalen Kontakten vertraut.“ Sie liebt es, in anderen Sprachen mit Partnern aus Politik und Wirtschaft zu verhandeln. In diesem spannenden Feld verortet die studierte Chemie-Ingenieurin ihren Schwerpunkt. Ebenso wichtig ist es ihr aber, die Menschen in ihrem Wahlkreis zu vertreten. Diesen Spagat praktiziert die Bundespolitikerin und Stadträtin in Kirchheim nun in ihrer täglichen Arbeit.

Stilvoll mit Bildern und Designermöbeln eingerichtet ist ihr Wahlkreisbüro in der Osianderstraße 2. Rosen gehören für Renata Alt dazu. Ganz einfach sei es nicht gewesen, geeignete Räume zu finden. Aber jetzt habe sie eine Anlaufstelle, in der sie sich ebenso wohl fühlt wie ihr Team und die Besucher. Der direkte Kontakt mit den Wählerinnen und Wählern liegt ihr am Herzen. Deshalb ist sie froh, im Kirchheimer Gemeinderat nah dran zu sein an den Menschen und dort die Kommunalpolitik mit zu gestalten. Im Kirchheimer FDP-Ortsverband engagiert sie sich als stellvertretende Vorsitzende und Pressesprecherin. In der Öffentlichkeit zu stehen, das liegt Renata Alt.

Ihre langjährige Erfahrung in internationalen Beziehungen bringt sie nun im Bundestag ein. 1991 arbeitete sie im Außenhandelsministerium in Prag in der Abteilung Europa und EWG (EU). 1992 wurde sie vom Auswärtigen Amt in Prag als Diplomatin nach Deutschland entsandt – akkreditiert vom damaligen Außenminister, dem Liberalen Klaus Kinkel. Im selben Jahr war sie Wirtschaftsattaché im Generalkonsulat der Tschechoslowakischen Republik in München. 1993 arbeitete sie in dieser Funktion im Generalkonsulat der Slowakischen Republik in München. Seit 1994 bis heute ist Renata Alt zudem als Beraterin im Bereich Außenhandel tätig. Bald nach ihrem Eintritt in die FDP 2009 wurde sie in den FDP-Bundesfachausschuss internationale Politik berufen. Da knüpft die sprachgewandte Politikerin schon lange Netzwerke. Seit 2017 ist sie Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, Berichterstatterin für Russland, Osteuropa und den Balkan sowie Obfrau im Unterausschuss Zivile Krisenprävention. „Das bedeutet, dass ich jetzt noch mehr auf Reisen bin“, sagt Alt, die seit 2000 deutsche Staatsbürgerin ist.

Die gebürtige Slowakin fühlt sich als Europäerin. Sie kämpft dafür, dass die Europäische Union als starke Einheit erhalten bleibt. Dafür wirbt die charismatische Politikerin leidenschaftlich. Dass das alles andere als selbstverständlich ist, zeigte ihr nicht nur der Brexit. Sorge bereitet ihr auch die Entwicklung in Polen. Dass sich das Land innerhalb Europas immer mehr isoliert, hält Renata Alt für gefährlich. Die polnische Regierung müsse sich endlich zum Rechtsstaat und zu den allgemein gültigen Grundrechten bekennen.

Die Kommunikation mit Menschen, die einen ganz anderen kulturellen Hintergrund haben, gefällt Alt. Kürzlich flog sie nach Sarajevo, um dort als Wahlbeobachterin aus dem Deutschen Bundestag die Wahlen auf allen Staatsebenen zu verfolgen. „Ich erwarte in Bosnien-Herzegovina eine spannende Wahl“, postete die aufgeschlossene Politikerin damals auf ihrer Facebook-Seite kurz vor dem Abflug aus Wien. Ihren Wählern aller Generationen macht sie auch über die sozialen Medien Lust auf Politik.

Gestresst wirkt die elegante Bundespolitikerin selten, obwohl ihr Terminplan voll ist. Dass ihr Mann, der Friseurmeister Thomas Alt, sie unterstützt, gibt ihr Kraft. Er begleitete sie zum Sommerfest des Bundespräsidenten. Da das Paar nun öfter getrennt ist, genießen und schätzen beide das gemeinsame Wandern umso mehr.

Die Erfahrungen, die Renata Alt jetzt im Bundestag mit der FDP-Fraktion macht, möchte sie nicht missen. Ihre Zeit in Berlin begann turbulent – mit den später gescheiterten Gesprächen über eine so genannte Jamaika-Koalition. Obwohl Alt in dieser Konstellation eine Chance gesehen hätte, ist sie nun auch in der Oppositionsrolle gut angekommen. „Es geht darum, dass wir unsere liberalen Werte auf allen politischen Ebenen konsequent vertreten.“ Lange vor ihrer Zeit im Bundestag pflegte Alt Kontakte zur liberalen Prominenz wie dem ehemaligen FDP-Bundesvorsitzenden Wolfgang Gerhardt. Mit dem früheren Innenminister Gerhart Baum war die erfahrene Diplomatin jüngst wieder auf einer Geschäftsreise. „Von der Zusammenarbeit mit den erfahrenen Liberalen, die unsere Partei geprägt haben, profitiere ich.“

Dass jetzt mit Christian Lindner ein „frischer Wind“ in der Partei weht, findet Renata Alt gut. „Ihm gelingt es, Menschen vieler Generationen für die Politik zu motivieren. Dieses neue Image tut den Liberalen gut.“ Neues zu wagen, innovative Konzepte auf den Weg zu bringen, das ist auch Renata Alts Ziel. Da fühlt sie sich in der FDP-Fraktion gut aufgehoben.

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