Man schätzt sich sehr: Ulrich Bauer (links) und sein Nachfolger Jürgen Zieger. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Sein Geburtstag war zwar schon am 25. Dezember. Doch die Stadt Esslingen hat jetzt ihren ehemaligen Oberbürgermeister Ulrich Bauer zum 80. mit einem Empfang gewürdigt.

EsslingenAm Dienstagnachmittag ist Ulrich Bauer wieder dort im Alten Rathaus gestanden, wo ihn der legendäre SPD-Fraktionschef Otto Weinmann vor 30 Jahren als Esslinger Oberbürgermeister verpflichtet hatte. Noch immer offen und aufgeräumt. Noch immer hoch interessiert und bestens informiert. Noch immer meinungsstark. Die Stadt Esslingen hat ihrem ehemaligen Oberbürgermeister und dem späteren Chefplaner der Landesmesse einen nachträglichen Empfang zum 80. Geburtstag beschert, den er am 25. Dezember feierte. Mit zahlreichen Gästen, Mitstreitern und Wegbegleitern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, darunter etliche Alt-Oberbürgermeister und -Bürgermeister aus der Region. Auch die ehemaligen Staatssekretäre Siegmar Mosdorf (SPD) und Hans-Jochen Henke (CDU) gaben Bauer die Ehre.

Eine Amtsperiode lang war das SPD-Mitglied Bauer das Gesicht der ehemaligen Reichsstadt. Er öffnete sie nach außen und hat „eine neue politische Kultur der Offenheit und Transparenz geschaffen“, würdigte OB Jürgen Zieger seinen Vorgänger. Der gebürtige Schwäbisch Haller mit Esslinger Wurzeln, studierter Architekt und Diplomingenieur für den Höheren Bautechnischen Verwaltungsdienst, war Baubürgermeister in Heilbronn, als ihn die Esslinger am 3. Dezember 1989 im zweiten Wahlgang zum Nachfolger von Eberhard Klapproth wählten.

Bauer war eine Integrationsfigur, die „vermeintliche, gedankliche oder tatsächliche reichsstädtische Mauern in der Region gegenüber Esslingen eingerissen hat“, so Zieger. Bauer war Kulturmensch, der mit dem Kultursommer bundesweit für Aufsehen gesorgt und das Profil von Villa Merkel und Schwörhaus geschärft habe. Und der der Gastronomie den Weg zur Außenbewirtschaftung geebnet habe, erinnerte Zieger an eine ferne Zeit, in der noch nicht jedes Café seine Tischchen vor der Tür stehen hatte.

In Bauers Ägide fiel die Gründung der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH und die Wiederbelebung der Schwörtagstradition, die Öffnung der Mauer und die Schaffung von 3000 neuen Wohnungen in Esslingen – unter anderem durch die Umwandlung der ehemaligen Kasernengelände im Esslinger Norden. Er schuf die Grundlagen für die heutige Umfahrung des Bahnhofs auf der Südtangente und legte die Grundsteine für die Entwicklung der Weststadt rund ums Dick. Für viele Esslinger ist sein Name aber auch mit der aufwendigen, aber wenig auffälligen Absenkung der Maille verbunden, die seinerzeit nicht jedermann nachvollziehen konnte. Die blieb gestern Nachmittag aber außen vor. Nur einen liebevollen Seitenhieb musste sich Bauer gefallen lassen: Sein Nachfolger Zieger bedauerte es ganz und gar nicht, dass es Bauer nicht gelungen war, das einstige reichsstädtische Rathaus, in dem das Amtsgericht untergebracht war und ist, in städtischen Besitz zurückzuholen und dem Land dafür das alte Schelztorgymnasium für Justitia anzudienen. Zieger: „Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes war selbst für das Land eine riesige finanzielle Herausforderung.“ Bauer selbst bedauert auch heute noch, dass es nicht dazu gekommen ist. Und er erntete viel Schmunzeln im Bürgersaal, als er an die Anfänge seiner Amtszeit erinnerte. Damals hatte ein Wettbewerbsbeitrag eine Bebauung des westlichen Marktplatzes vorgeschlagen – und Bauer hatte auch noch Sympathie für die mittelalterlich anmutenden Wohn- und Geschäftshäuser bekundet. Bauer: „Die Pläne sind aber sehr schnell wieder in der Schublade verschwunden.“

Aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit und dem Verzicht auf eine zweite Amtszeit habe Bauer die Umsetzung vieler seiner Ideen nur von außen miterleben können, so der OB. Dass der ehemalige Esslinger Rathauschef wenig später dann Chefplaner der Neuen Messe in Stuttgart wurde, hat ihm seinerzeit so mancher übel genommen. Doch „das Gerücht“, er habe wegen dieses Angebots nicht mehr kandidiert, „geht um eineinhalb Jahre an der Wirklichkeit vorbei“, betonte der Alt-OB vor der Festgemeinde. Von Oktober 1998 bis Jahresende 2007 führte er jedenfalls als Geschäftsführer die Projektgesellschaft Neue Messe vom Architektenwettbewerb bis in die Bauphase. Darüber wollte er am Dienstag aber nicht groß sprechen.

Seine Liebe und Sympathie gehört nach wie vor der Stadt Esslingen, in der er mit seiner Frau Ute sehr gerne lebt und regen Anteil an ihrem Wohl und Wehe nimmt. Den Wettbewerb für die neue Stadtbücherei hat er beispielsweise mit Interesse verfolgt. Und der favorisierte Entwurf sei alles andere als bieder, sondern ein Ausdruck von „Respekt“ vor einer jahrhundertealten Umgebung, bezog der ehemalige Vorsitzende des Forums Stadt (früher Alte Stadt) durchaus angriffslustig Position. Dass man mit Bauer nach wie vor rechnen muss, zeigt auch das Geburtstagsschenk an seinem Armgelenk: „Eine Apple Watch, mit der ich auch telefonieren kann.“

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