Das Theaterensemble Die Rapsoden bringt Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf die Bühne – auch im neuen Stück „Café inclusio“. Foto: Kulturinitiative Bohnenviertel

In ihrem Theaterprojekt „Café inclusio“ bringt die Kulturinitiative Bohnenviertel erneut Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Jede Aufführung birgt Überraschungen.

Axel Clesle glaubt an die Kraft der Kunst. Und er glaubt an die Kraft des Machens. Seit rund 20 Jahren schon realisiert er mit der Kulturinitiative Bohnenviertel inklusive Theaterprojekte. Am Anfang ging es darum, Jugendliche von der Straße zu holen. „Das Bohnenviertel war damals ein Brennpunkt mit Kinderprostitution und Drogenhandel“, sagt Axel Clesle. Dass das schon lange nicht mehr so ist, liegt auch an der Aufmerksamkeit, die der Autor und Künstler gemeinsam mit seiner Frau Andrea Clesle-Lautenschlager und dem Theaterensemble Die Rapsoden für Menschen schaffen konnte, die sonst nicht im Rampenlicht stehen.

Das 15. Theaterprojekt der Kulturinitiative Bohnenviertel hat am 3. Dezember im Theaterhaus Premiere. „Café inclusio“ heißt es und tut, was der Titel verspricht. Es bringt im bewährten Mix aus Theater, Musik und Tanz in einem Kaffeehaus-Ambiente Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Alle profitieren davon, wie Axel Clesle beschreibt: „Alle daran Beteiligten werden selbstbewusster, das kann man deutlich spüren“, sagt er und fügt an: „Sie wissen mehr, was sie wollen und können das auch formulieren.“

Theaterprojekt aus Stuttgart: Großer Schritt für jeden einzelnen

Welch großer Schritt das unter Umständen sein kann, ahnt man, wenn ihr künstlerischer Leiter von den Herausforderungen einzelner Rapsoden spricht: „Wir hatten schon Leute, die konnten nicht mehr als drei Worte sagen; manche können gar nicht lesen, deshalb arbeiten wir ohne Texte.“ Bei den wöchentlichen Proben geht es dann auch vor allem darum, den emotionalen Gehalt einer Szene begreifbar zu machen, um den jeweiligen Akteuren eine Art Gerüst zu bauen. „Unsere Aufführungen bergen immer Überraschungen; keine Vorstellung ist wie die andere“, sagt Axel Clesle zur Improvisationslust seiner Darsteller.

Axel Clesle Foto: lg/Max Kovalenko

Berühmte Film- und Theaterpassagen fügen sich in „Café inclusio“ zum Bühnenstück. „Es sind vorwiegend Szenen, in denen eine Behinderung oder Beeinträchtigung eine Rolle spielt“, macht Axel Clesle auf das neue Rapsoden-Stück neugierig. Mehr sagen möchte er nicht, da das Publikum zum Mitraten eingeladen ist. Die All Styles Band, vier Profis um den Bassisten Wolfgang Schmid, der einst in Klaus Doldingers Band Passport spielte, sorgt für den passenden Rahmen. „Die Musiker sind wie immer das Rückgrat des Stücks“, betont Axel Clesle und verrät immerhin das: Auf der Setlist ist neben der von Doldinger komponierten „Tatort“-Melodie auch Gershwins „Rhapsody in Blue“. Für die Clesles ist das Anlass, nochmals an das erste, im Gustav-Siegle-Haus gespielte Stück der Rapsoden zu erinnern und daran, wie das Theaterensemble zu seinem Namen kam.

2011 kamen zur Arbeit mit den Jugendlichen Menschen mit Behinderung dazu. Bei ihren Theaterkursen in entsprechenden Einrichtungen sprechen Axel Clesle und seine Frau Interessierte an und laden sie zum Mitspielen ein. Auch auf Jugendliche im Viertel gehen sie gezielt zu und fragen in Einrichtungen nach. So werden für „Café inclusio“ alles in allem rund 25 Beteiligte auf der Bühne sein. Auch Axel Clesle nimmt aus seinem Engagement viel mit. „Ich habe mich im Lauf der Jahre auf diese Theatergeschichte konzentriert, denn da sieht man einfach gleich Ergebnisse. Als Künstler befriedigt mich das sehr viel mehr als ein Bild zu machen, das einfach nur an der Wand hängt.“