Dieses Mal geht es mit der inklusiven Theatergruppe „Alledabei“ aus Leonberg in den Sherwood Forest zu „Robin Hood“. Eine moderne Schauspiel-Version erwartet die Zuschauer.
Die neue Aufführung der inklusiven Theatergruppe „Alledabei“ im Leonberger Theater im Spitalhof spielt im Sherwood Forest in England. Damit steht Robin Hood im Mittelpunkt des Geschehens. Doch ist die Geschichte, die in Leonberg auf die Bühne kommt, weit entfernt von der spätmittelalterlichen Legende um den „Outlaw“, der von den Reichen stiehlt und seine Beute den Armen schenkt. Die Regisseurin Elisabeth Kolofon, die auch das Drehbuch geschrieben hat, hat das Stück in die heutige Zeit versetzt. Verschiedene Anspielungen auf aktuelle Themen wie die Me-Too-Bewegung, die gleichgeschlechtliche Liebe und die KI kommen darin vor.
In Sherwood „ist das Netz nicht gut“
„Hört ihr Leut, lasst euch sagen, was sich in Sherwood zugetragen“, mit diesen Worten aus dem Munde von Joachim Schäfer, der in dem Stück anschließend in die Rolle von König Richard schlüpft, beginnt das Spiel. Weiter sagt er: „Er war ein Räuber, aber gut, und wer war’s?“ Darauf alle im Hintergrund: „Robin Hood“. Dessen Rolle übernimmt Peter Neumann. Mit Filzhut auf dem Kopf und Pfeilen im Beutel auf seinem Rücken, tanzt er auf die Bühne. Zu seinen Gefolgsleuten, die er die „Merry Men“ nennt, gehören in Leonberg der von der Statur her sehr große Dirk Rieve als Litte John und Anton Kurzer als Bruder Tuck. Beide haben ihre eigenen Gründe, warum sie sich Robin Hood anschließen.
Die verschiedenen, grünen Pappbäume auf der Bühne machen deutlich, dass sich das Hauptgeschehen im Sherwood Forest abspielt. Dennoch befindet sich auch Alpha (Michaela Wahl) dort, sie verkörpert die KI, die immer wieder dolmetscht. „Merry Men“ übersetzt sie sogleich als „fröhliche Männer“. Dass die KI nicht immer so funktioniert wie gewünscht, zeigt sich, als das Wort „Outlaw“ fällt. Da reagiert Alpha nicht. Sie sagt nur „Das Netz hier ist nicht gut.“ Und das zeigt wieder einmal, dass der schwäbische Robin Hood in der heutigen Zeit angekommen ist.
Nicht nur Julia Bläsi als Lady Marian wehrt sich – in ihrem Fall gegen die diversen Avancen der Männer, darunter Prinz John (Sebastian Kolofon) und sein Kammerdiener (Sebastian Keim). Beide trinken von einem Tee, in den Marian mit einer Pipette etwas hinein geträufelt hat, sodass die Männer schläfrig werden. Am Ende werden Prinz John und sein Kammerdiener durch die „Liebestinktur“ ihre Liebe zueinander entdecken und heiraten. Außer den beiden hat auch der Sheriff von Nottigham (Alfredo Zermini) ein Auge auf Marian geworfen. Er will König werden und behauptet „Bald bin ich der Größte.“
Little John und Sandra Pregitzer als Scarlett, ein junges Mädchen aus dem Dorf beim Sherwood Forest, wehren sich ebenfalls. Little John wird sehr laut, als er betont; „Ich bin nicht klein!“ Auch die KI hatte „Little“ letztlich als „klein“ übersetzt. Und Scarlett sagt zu der alten Frau aus dem Dorf (Annalies Müller) sehr laut und deutlich, dass sie „kein Kind“ mehr ist. Allerdings will diese sie nur warnen, was Männer mit jungen Frauen machen, wenn sie ein Dorf überfallen. Das macht auf Scarlett keinen Eindruck, sie stellt sich selbst vor dem Sheriff von Nottigham auf und macht ihm klar, dass sie sich von ihm nicht unterkriegen lässt.
Soll Robin Hoods Oma ins Altersheim – oder lieber nach Thailand?
Weitere Themen, die heute bei uns immer wieder im Mittelpunkt stehen und die bei „Robin Hood“ nicht fehlen, sind traditionelle Erwartungen an Frauen und die Lebensgestaltung älterer Menschen. So reist nicht nur Robins Mutter (Annette Neumann) ihrem Sohn in den Wald nach. Auch die Oma (Heidrun Kolodzick) macht sich mit großem Rucksack auf dem Rücken auf die Suche nach ihrem Enkel. Doch dass weder Mutter noch Oma gekommen sind, um für Robin Hood und seine Männer zu kochen und zu backen – daran lassen sie wirklich keinen Zweifel. Robins Mutter sieht die Oma natürlich lieber im Altersheim. „Im Altersheim wäre es komfortabler … und in Thailand übrigens auch“, sagt sie. Dass ältere Menschen heute aber ihre eigenen Vorstellungen haben, wie sie das Ende ihres Lebens verbringen wollen, das zeigt sich auch, als König Richard schließlich auf die Bühne tritt: Er will jetzt Kreuzzug gegen Kreuzfahrt tauschen.
Viele Themen kommen in dem Stück „Robin Hood“ zur Sprache. Sie regen zum Nachdenken an, gerade weil die Aufführung sehr kurzweilig herüberkommt, wozu auch wieder die Musik von Elisabeth Kolofon (Akkordeon) und Hermann Münch (Gitarre) beiträgt. Am Ende der Vorstellung von „Alledabei“ wendet sich - wie immer – alles zum Guten.
Was, wann, wo
Ausverkauft
Die Vorstellungen von „Robin Hood“ am 28. und 30. November im Theater im Spitalhof in Leonberg sind bereits ausverkauft. Das Stück wird im kommenden Jahr noch einmal bei den Leonberger Theatertagen aufgeführt.