(adi) - Wiedersehen macht Freude. Schon deshalb freuen sich viele Literaturfreunde auf den Beginn der LesART, die mit Ingo Schulze ein alter Bekannter eröffnen wird. Schulze war schon häufiger zu Gast, und jede seiner Lesungen hat beim Publikum bleibenden Eindruck hinterlassen. Und mit seinem jüngsten Roman „Peter Holtz - Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“ (S. Fischer Verlag, 22 Euro) ist dem Autor ein Buch gelungen, das Kritiker bereits als „große Kunst“ feiern. Für die einen ist Ingo Schulzes Titelheld ein „Simplicissimus des Ostens“, andere sehen in ihm „das ostdeutsche Pendant zum US-amerikanischen Forrest Gump“. Müssen solche Vergleiche wirklich sein? Ingo Schulze ist ein viel zu eigenständiger Geist, als dass man ihn und seine Bücher mit anderen vergleichen müsste.

Manchmal geht das Leben wundersame Wege. Peter Holtz ist als Waisenkind aufgewachsen und wollte das Glück nie bloß für sich, sondern auch für die anderen. Er wollte schon als Kind ein Leben ohne schnöden Mammon, hat später den Punk aus dem Geist des Arbeiterliedes erschaffen und sich zum Christentum bekehrt. Er war Mitglied der Ost-CDU und hat sich für eine christlich-kommunistische Demokratie eingesetzt - und während er selbst ein klares Bild davon hatte, wohin die Welt sich nach den Gesetzen der Logik drehen müsste, hat die ihm den Gefallen nie getan und ihre ganz eigene Richtung eingeschlagen. Und was Peter nie für möglich gehalten und schon gar nicht angestrebt hatte, wird plötzlich wahr: Seine Selbstlosigkeit wird von der Marktwirtschaft mit Reichtum belohnt. Und damit steht er vor einem Riesenproblem: Er muss das ganze Geld mit Anstand wieder loswerden - und er nimmt die Verheißungen des Kapitalismus beim Wort ...

Ingo Schulzes neuer Roman spielt in den Jahren 1974 bis 1998, und er ist nicht nur jener Schelmenroman, von dem Kritiker oft und gerne schreiben, sondern auch ein mit leichter Hand, aufmerksamem Blick und dem für ihn typischen Augenzwinkern skizziertes Zeitpanorama. Und die sympathische Naivität, mit der der Titelheld die Irrungen und Wirrungen der (Wende-)Zeit betrachtet, macht Ingo Schulzes Roman noch erkenntnisreicher.

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