Andreas Forch und Iris Lemanczyk mit der südafrikanischen Sängerin Thabilé. Foto: Ring - Ring

Ein Buch mit Porträts von Stuttgartern, die aus anderen Ländern kommen – vorausgesetzt, sie kochen, lassen sich fotografieren und erzählen ihre Geschichte.

StuttgartEin Buch kann eine Brücke sein: „Weltreise am Küchentisch – Stuttgarter Einwanderer kochen“, heißt ein Werk, das Menschen aus 30 Nationen abbildet, von denen sich viele nun zum ersten Mal begegnet sind. Die Veranstaltung war weniger für die breite Öffentlichkeit, sondern mehr für die Protagonisten des Buchs von Iris Lemanczyk und Andreas Forch. Er ist Berufsschullehrer, sie Journalistin und Kinderbuchautorin.

Gemeinsam entwickelten sie den Plan, Stuttgarter zu porträtieren, die aus anderen Ländern kommen. Schließlich leben hier Menschen aus 180 Nationen. Die Bedingung: Sie müssen zu Hause für die zwei Freunde kochen, sich fotografieren lassen und ihre Geschichte erzählen. „Wir waren erstaunt, wie offen alle waren“, sagt Forch. Mit dem Casting habe man zwar im Bekanntenkreis angefangen, doch dann musste man andere Wege gehen – bis hin zum Ansprechen von Menschen im Zug. Lemanczyk sagt, sie habe dort einer Frau von dem Projekt erzählt und gefragt: „Kann Ihr Mann kochen?“ – „Nein, aber er ist fotogen.“ Und so hat Dilaver Gök den Weg ins Buch gefunden und mit ihm Mercimek Corbasi, die rote Linsensuppe, deren Rezept er sich von seiner in der Türkei lebenden Schwester besorgte.

Anspruch war, dass die Gerichte aus aller Welt leicht nachzukochen sind. Sania Emmanuella Bedié von der Elfenbeinküste macht Maniok-Bananen-Brei mit Fisch & Lamm, Zé Do Rock kocht Fisch-Shrimps-Eintopf aus Brasilien und Bat-Erdene Tserendondog aus der Mongolei frittierte Teigtaschen. Die meisten stellen mit ihrer Küche „eine Verbindung zurück her“, wie Thabilé sagt. Sie hat das Rezept für Umngqusho – Mais und Bohnen mit Curryhuhn – von ihrer Mutter in Südafrika. Thabilé steuerte auch die Musik zum Abend bei, denn die in Soweto aufgewachsene 31-Jährige ist eine recht erfolgreiche Sängerin, die auf ihren Konzerten in ganz Deutschland als Botschafterin einer vielfältigen Stadt die im Silberburg Verlag erschienene „Weltreise am Küchentisch“ verkauft.

„Man sagt, die Musik wäre die allgemeinverständlichste Sprache überhaupt. Das stimmt schon, aber über das gemeinsame Kochen und Essen könnte man das im stärkeren Maße sagen“, schreibt Vincent Klink. Vom Patron der Wielandshöhe stammt das Vorwort, in dem eher zufällig auch einer seiner Auszubildenden auftaucht. Rahmatullah Isakhel aus Afghanistan, der im zweiten Lehrjahr Restaurantfachkraft ist, bereitet ein „habhaftes Frühstück“ zu, wie er sagt: Suji Halwa – süßes Grießmus.

„Fleisch spielt eine wichtige Rolle“

Für den Abend musste aber keiner der Protagonisten an den Herd, denn die Präsentation fand in Mario Ohnos Reinsburghallen im Stuttgarter Westen statt. Ohno ist in seiner Küche – der „1. SKB – Erste Stuttgarter Kochbuchbibliothek“ mit mehr als 1000 Büchern – und in seinem Hinterhofatelier Spezialist für kulinarische Events, die immer wieder montags auch für Spontanbesucher offen sind.

Als größten gemeinsamen Nenner des Abends hat er sich für Kimchi entschieden, dazu Linsensalat, Rote-Bete-Maultaschen und geräuchertes Kartoffelgulasch, alles vegetarisch, sogar vegan – im Gegensatz zur „Weltreise am Küchentisch“. Beim Fotografieren der darin auftauchenden Gerichte musste Andreas Forch feststellen, „dass offensichtlich in vielen Kulturen Fleisch eine wichtige Rolle spielt“.

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