Flicken aus Asphalt wie hier am Rotebühlplatz sind vielen Stadtbesuchern ein Dorn im Auge. Foto: Lichtgut/Zweygarth - Lichtgut/Zweygarth

In Stuttgart fließen jährlich mehr als 100.000 Euro in die Ausbesserung innerhalb des City-Rings. Der X1 ist laut Tiefbauamt mit ein Grund dafür, dass dort die Bodenplatten nicht lange halten.

StuttgartEs ist eine Sisyphusarbeit. Kaum sind die Schäden an den Bodenplatten am Rotebühlplatz ausgebessert, geht es schon wieder von vorne los. „Der X1, der dort alle fünf Minuten entlangfährt, hat die Belastung erhöht“, klagt der Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Stuttgart, Jürgen Lutz. Die Querspange am Rotebühlplatz, wo Fußgänger, Fahrradfahrer, Busse, Taxen und Lieferverkehr sich die Straße teilen, ist eines seiner Sorgenkinder – was den Bodenbelag angeht. Etwa 60.000 Euro pro Jahr hat das Tiefbauamt dort zuletzt für Ausbesserungsarbeiten ausgegeben. Das ist eine Menge bei etwa 100.000 Euro, die im gesamten Bereich innerhalb des City-Rings in die Sanierung des Straßenbelags fließen. Am Rotebühlplatz rollt der Verkehr schon über besonders widerstandsfähige Granitplatten. Doch der Erfolg ist mäßig: „Es zeigen sich immer die gleichen Schäden“, sagte Mutz jüngst im Städtebauausschuss im Stuttgarter Rathaus. Der Plattenbelag sei durch den Fahrzeugverkehr und insbesondere den Busverkehr einer starken Belastung ausgesetzt. Das Ergebnis ist – wie andernorts in der Innenstadt auch – nicht gerade ansehnlich: Immer wieder muss das Tiefbauamt mit Asphalt flicken.

Für Detlef Kurth, Professor für Stadtplanung und Mitglied im Städtebauausschuss, ein Unding: Die Flickschusterei mit Asphalt sei peinlich, schimpfte er in dem Gremium. Stuttgart brauche eine einheitliche Gestaltidee – ohne zu monoton zu werden. In ganz Stuttgart, rechnet Mutz vor, kämen etwa 200 Pflaster- und Plattentypen zum Einsatz. „Wir würden die Auswahl an Bodenbelägen gern vereinfachen“, sagt er. Dafür wurde die sogenannte Stuttgarter Platte entworfen. Bei einer Neugestaltung soll möglichst auf die Stuttgarter Platte zurückgegriffen werden. „Aber wo Architekten ein anderes Material vorschlagen, wird es weiterhin eine große Vielfalt geben.“

Es ist ein schwacher Trost, aber Stuttgart steht mit seinen Problemen nicht alleine da: In Sindelfingen ist man nahezu wöchentlich dabei, Stellen auszubessern. Summen könne man nicht nennen – aber von den Erfahrungen berichtet die Sprecherin der Stadt. Größere Formate aus Beton oder Granit hätten sich bewährt. Porphyr, ein Material vulkanischen Ursprungs, habe sich eher als ungeeignet erwiesen, da es sich häufig spalte und so Stolperstellen entstehen könnten.

Auch in Waiblingen müssen in der Fußgängerzone die Pflaster und Platten aus Porphyr laufend ausgebessert werden. Als haltbarer habe sich Kopfsteinpflaster am Marktplatz entpuppt. Der wurde 2013 teilweise saniert und bringe seitdem keinen nennenswerten Unterhaltungsaufwand, sagte Michael Seeger, Leiter des Fachbereichs Städtische Infrastruktur. Wie viel Geld in der Innenstadt jährlich aufgewandt wird, kann er nicht sagen.

In Nürtingen gab die Stadt zuletzt zwischen 25.000 und 30.000 Euro pro Jahr aus, um das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt zu flicken. Bei der laufenden Sanierung der Innenstadt für 3,6 Millionen Euro setzt man nun auf Natursteinplatten aus dem bayerischen Wald. Damit hofft man, dass Ausbesserungen nur bei mutwilligen Beschädigungen erforderlich sind. In Esslingen findet man in der Innenstadt eine ähnliche Vielfalt wie in Stuttgart: Beläge aus Asphalt, Betonsteinpflaster, Betonsteinplatten, Natursteinpflaster und Natursteinplatten seien dort verlegt. Im historischen Stadtkern setzt man verstärkt auf Kopfsteinpflaster. Das hat nicht nur optische Gründe: „Die Flächen sind bei fachgerechter Herstellung sehr dauerhaft“, sagte ein Stadtsprecher. Muss aufgegraben werden, könne das vorhandene Pflaster wiederverwendet werden. Im Schnitt gab Esslingen in den vergangenen Jahren 300.000 Euro für Ausbesserung und Erneuerung in der Innenstadt aus – allerdings inklusive Personalkosten.

Der Stuttgarter Baubürgermeister Peter Pätzold hat einen Übeltäter ausgemacht. „Wir haben zu viel Verkehr.“ Tiefbauamtsleiter Mutz räumt aber auch Fehler bei der Verarbeitung ein. Man habe häufig nicht genug Zeit für die Verlegung. Unter Umständen sei auch der eine oder andere Ausführungsfehler dabei, gibt er zu. Das zeigte sich bei den Granitplatten beim Testfeld auf dem Stuttgarter Marktplatz, wo der Belag gleich zwei Mal verlegt werden musste.

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