Trainer Veit Wager und die Wolfschlugener Spieler können das Thema Aufstieg für diese Saison abhaken. Foto: Rudel - Rudel

Auswirkungen von der Spree an die Fils.

EsslingenLuft raus statt Hochspannung. Was die Aufstiegsrelegation in der Handball-Württembergliga betrifft, gibt es eine erstaunliche Wendung. Kurz: Bei den Männern spielt der Zweite (doch) keine Relegation, bei den Frauen spielt der Zweite (doch) eine. Alles „Stand heute“, wie Michael Roll, der Vizepräsident und Leiter Spieltechnik des Handballverbandes Württemberg (HVW) sagt. Für die Teams in der Region bedeutet das: Die Männer des TSV Wolfschlugen spielen in der Württembergliga keine Aufstiegsrelegation, falls sie den zweiten Tabellenplatz verteidigen. Statt nun voller Energie in die letzten beiden Spiele in Donzdorf und zu Hause gegen (den uneinholbaren) Spitzenreiter TSB Schwäbisch Gmünd zu gehen, fällt die Anspannung bei Spielern und Verantwortlichen rapide ab. Die Frauen des TV Reichenbach könnten sich grämen. Sie hatten nach der Niederlage im entscheidenden Spiel gegen den späteren Meister TV Nellingen II auch Platz zwei verspielt und wurden am Ende Dritter. Die Relegation, von der lange auszugehen war, dass es sie nicht geben wird, spielt nun die HSG Fridingen/Mühlheim.

Die Betroffenen nehmen es erstaunlich nüchtern. „Das ist eine Sache, die ich nicht beeinflussen kann. Es war von Anfang an unklar, wie es laufen wird“, sagt Wolfschlugens Trainer Veit Wager. „Es lag in unserer eigenen Hand, um Platz eins zu spielen – das haben wir nicht geschafft. Darüber müssen wir uns ärgern.“ Dass sich bei Reichenbachs Abteilungsleiter Marcus Masching der Ärger in Grenzen hält, liegt auch daran, dass noch gar nicht klar ist, ob die Relegation auch wirksam wird. Dass sich die Spielerinnen am Ende bei der Aussicht auf eine Relegation mehr reingehängt hätten, glaubt er nicht: „Sie haben schon noch alles gegeben – es ging halt nichts mehr.“

Anders sieht es in der Baden-Württemberg Oberliga bei den Wolfschlugener Frauen und den Männern des TV Plochingen aus: Sie stehen kurz vor dem direkten Aufstieg beziehungsweise der Relegation. Bei den Plochingern ist deren Prozedere allerdings nicht ganz einfach.

Baden-Württemberg Oberliga: Die ersten beiden Teams steigen direkt auf – so war es bisher und so ist es auch noch bei den Frauen. Das bedeutet für Tabellenführer Wolfschlugen, dass das Team bereits am Samstag feiern kann, wenn ein Sieg beim SV Allensbach II gelingt. Ansonsten bleibt noch die Chance am letzten Spieltag am 4. Mai in eigener Halle gegen die HSG Mannheim. „Auf jeden Fall“, antwortet Teammanager Simon Vogel auf die Frage, ob der Aufstiegssekt zumindest schon in die Nähe des Kühlschrankes bugsiert wird.

So weit gehen die Plochinger Männer noch nicht, obwohl es auch für sie gut aussieht. Der Erste TSV Blaustein ist unerreichbar, aber siegt der TVP am Sonntag in Heddesheim, ist der Relegationsplatz zwei angesichts des Zweipunktevorsprungs und des gewonnenen direkten Vergleichs gegenüber Verfolger SG Köndringen/Teningen sicher. Patzen die Plochinger beim Vorletzten, können sie eine Woche später daheim gegen Kellerteam TuS Steißlingen die Relegation klarmachen.

Was dann passiert, ist kompliziert: Die Reduzierung der 2. Bundesliga von 20 auf 18 Teams schlägt nicht etwa auf die 3. Liga durch, sondern auf die Spielklasse darunter. Das bedeutet, dass aus den verschiedenen vierthöchsten Spielklassen zehn von zwölf Mannschaften den Aufstieg schaffen. Das heißt auch, dass etwa die Blausteiner mit der Meisterschaft noch nicht durch sind. Bleiben die Plochinger Zweiter, spielen sie an den Wochenenden 11./12. (auswärts) und 18./19. Mai (zu Hause) gegen den Meister der Regionalliga Nordrhein, Stand jetzt der MTV Rheinwacht Dienslaken. Der Sieger geht hoch, der Verlierer spielt anschließend mit zwei weiteren Unterlegenen im Jeder-gegen-Jeden-Modus ohne Hin- und Rückspiel zwei weitere Aufsteiger aus. Doch damit nicht genug: Für den Fall, dass eine Mannschaft aus der 3. Liga zurückziehen sollte, ermitteln die Verlierer der zweiten Relegationsrunde den Nachrücker.

Auch den scheidenden TVP-Trainer Daniel Brack hat die Sache einiges an Hirnschmalz gekostet. Er stellt zwei Dinge fest: „Zunächst einmal müssen wir Platz zwei verteidigen.“ Und: „Wenn wir in der Relegation spielen, wäre es das Beste, gleich die erste Runde zu überstehen.“ Denn sonst wird die Saison sehr lang – und die Pause beziehungsweise die Vorbereitung auf die neue Runde entsprechend kurz.

Württembergliga: Die Wolfschlugener Männer durften nach der vergebenen Meisterschafts-Chance lange auf die in der Relegation hoffen – bis jetzt der HVW Klarheit schaffte: Weil es mindestens zwei Absteiger aus der 3. Liga in die Baden-Württemberg Oberliga geben wird – einer davon möglicherweise der TSV Neuhausen –, darf von unten nur eine Mannschaft dazukommen. Das ist Meister Schwäbisch Gmünd. Den Wolfschlugenern bleibt im spannungslosen Spitzenspiel am 5. Mai nur die Rolle des Gratulanten.

Abenteuerlich ist es bei den Frauen. Kein Witz: Weil der TSV Birkenau in der 3. Liga Ost nicht mehr auf einem Abstiegsplatz steht und in der Oberliga Ostsee-Spree nur der Rostocker HC aufsteigen will, aber als Dritter nicht darf, muss auch zwischen der 3. Liga Süd und der Württembergliga eine Auf- beziehungsweise Abstiegsrelegation gespielt werden. Der Württembergliga-Zweite Fridingen/Mühlheim tritt nun zunächst gegen die Neckarsulmer SU II an. „Proforma“ wie Roll erklärt. Denn ob das Ergebnis der Relegation am Ende zum Tragen kommt, ist völlig offen. Eine erstaunliche Entwicklung.

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