Galeristin Brigitte Kuder-Broß gibt Oberbürgermeister Johannes Fridrich einen Einblick in die bunte Bilderwelt des Künstlers Otmar Alt. Foto: Jürgen Holzwarth - Jürgen Holzwarth

Die Jahresausstellung in der Kreuzkirche ist eine Erfolgsgeschichte. Die dürfte sich fortsetzen. Denn in der aktuellen Bilderschau, die jetzt eröffnet wurde, sind Kunstwerke von Pablo Picasso und Otmar Alt zu sehen.

NürtingenRund 10 000 Besucher kommen jedes Jahr nach Nürtingen, um die große Jahresausstellung in der Kreuzkirche zu sehen. Eine Erfolgsgeschichte, die mit der aktuellen Bilderschau, die jetzt eröffnet wurde, eine weitere publikumswirksame Fortsetzung finden dürfte. Dafür sorgen die Kunstwerke von Pablo Picasso und Otmar Alt.

Die Ausstellung „Kunst bewegt die Seele und setzt Zeichen“, die bis einschließlich 23. Februar in der Kreuzkirche gezeigt wird, ist die 13. ihrer Art. Kreativer Kopf dahinter ist von jeher die Reuderner Galeristin Brigitte Kuder-Broß („Die Treppe“), der es dank ihrer weltweiten Kontakte zu Sammlern und Museen gelingt, Werke großer Künstler nach Nürtingen zu holen. Bei der Organisation der Ausstellungen wird sie von Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung tatkräftig unterstützt.

Der besondere Reiz der Doppelausstellungen in der Kreuzkirche liegt darin, dass Werke zweier Künstler einander gegenübergestellt werden. Da sind zum einen die Arbeiten des spanischen Universalgenies Pablo Picasso (1881–1973). Dessen druckgrafisches Werk zeichnet sich – im Gegensatz zu seinen Gemälden – weniger durch expressive Farbgebung als vielmehr durch filigrane Linienführung aus. So sind auch die Radierungen und Lithografien des Meisters, die im Erdgeschoss und auf der Empore der Kreuzkirche zur Betrachtung einladen, überwiegend in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten. Ein Hingucker ist die druckgrafische Ausgabe des legendären Picasso-Werks „Guernica“, die allerdings nicht die monumentalen Ausmaße des Originals aufweist. Auch zwei mit Friedenstauben bedruckte Halstücher, die der Künstler für internationale Jugendtreffen entworfen hat, ragen optisch heraus.

Bunt und farbenprächtig leuchten die Unikate und Druckgrafiken von Otmar Alt, die im Obergeschoss der Kreuzkirche gezeigt werden. Der 1940 in Wernigerode geborene Künstler hat einen eigenen Kunststil kreiert, der sich in erster Linie durch eine lebensbejahende Farbigkeit auszeichnet. Auf den ersten Blick wirken Alts Bilder heiter und verspielt. Die dahinterstehenden Geschichten erschließen sich indes erst bei eingehender Betrachtung. Der Künstler lehne es ab, seine Bilder zu erklären, so Galeristin Kuder-Broß. „Die Geschichte hinter den Bildern soll jeder Betrachter selbst herausfinden.“ Man muss dennoch nicht jedes Bild gewordene Rätsel entschlüsseln, um Spaß und Freude an Alts Kunst haben zu können. Getreu seiner Devise „Kunst, die man erklären muss, ist langweilig“, kann man auch einfach die bildgewaltigen Werke optisch auf sich wirken lassen. Am Sonntag, 2. Februar, führt Otmar Alt von 14 bis 16 Uhr in der Kreuzkirche persönlich durch die Schau.

Es versteht sich von selbst, dass man Druckgrafiken von Picasso oder Unikate von Alt nicht so einfach für eine Ausstellung aus dem Ärmel schütteln kann. Eine mehrmonatige Vorbereitungszeit steckt hinter jeder der großen Ausstellungen in der Kreuzkirche. Sobald die eine Ausstellung endet, beginnt für Brigitte Kuder-Broß, die sich um die Beschaffung der Kunstwerke kümmert, und Gabriele Frisch vom Amt für Stadtmarketing, Wirtschaft und Tourismus der Stadt Nürtingen, der die Organisation der Ausstellung und die Zusammenstellung des Rahmenprogramms obliegt, die Arbeit an der nächsten.

Wie in jedem Jahr ist die Nachfrage nach Führungen enorm. Aktuell sind 180 Führungen gebucht. Fünf ausgewiesene Kunstexpertinnen erklären Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Besonderheiten im Schaffen der Künstler, deren Werke gezeigt werden. Dazu kommen noch 80 fixe Führungstermine, die man spontan buchen kann.

Eröffnet wurde die Ausstellung mit einer gut besuchten Vernissage. Oberbürgermeister Johannes Fridrich, der zum ersten Mal das Vergnügen hatte, die große Jahresausstellung zu eröffnen, gab einen Rückblick auf vergangene Ausstellungen, denen er eine „enorme Magnetwirkung“ bescheinigte. Eine Besonderheit sei, „dass nicht nur Erwachsene hier Kunst erleben“. Es sei immer das Ziel der Organisatoren gewesen, Kinder und Jugendliche mit Kunst in Berührung zu bringen. Das langjährige „Erfolgsrezept für Kunst zum Anfassen für Jung und Alt“, sei in erster Linie der Kuratorin Brigitte Kuder-Broß zu verdanken. „Ohne ihre weltweiten Kontakte, ihren hohen Kunstsachverstand und ihr ehrenamtliches Engagement wären Ausstellungen in dieser Form nicht vorstellbar.“

Die Briefmarkenfreunde Nürtingen bieten an den Wochenenden in der Ausstellung Sonderstempel und Briefmarken an. Anmeldungen zu Führungen unter Telefon 0 70 22/ 7 52 35 und per EMail an ausstellungen@nuertingen.de. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr.

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