S-Bahn-Fahrgäste müssen sich in den Sommerferien 2021 bis 2023 umstellen: Die Stuttgarter Tunnel-Haltestellen werden nicht angefahren. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko - Lichtgut/Max Kovalenko

Weil umfangreiche Sanierungsarbeiten im Stuttgarter S-Bahn-Tunnel nötig sind, können auf der Stammstrecke in den kommenden Jahren während der Sommerferien keine Züge fahren.

StuttgartDie Tunnelstrecke der S-Bahn von der Station Hauptbahnhof bis zum Bahnhof Stuttgart-Vaihingen wird in den Sommerferien der Jahre 2021, 2022 und 2023 nicht zu befahren sein. In diesen sechs Wochen werden die S-Bahnen, die dann grundsätzlich nur noch im 30-Minuten-Takt fahren, über die sogenannte Panoramabahn – die Stuttgarter Teilstrecke der Gäubahn – umgeleitet, oder sie enden oben im Hauptbahnhof beziehungsweise an anderen Haltestellen vor der gesperrten Strecke. Dadurch entsteht auf manchen Abschnitten ein 15-Minuten-Takt.

Das kündigten Vertreter der Bahn am Mittwoch im regionalen Verkehrsausschuss an. Anders seien die umfangreichen Erneuerungs- und Wartungsarbeiten im Stuttgarter S-Bahn-Tunnel für rund 60 Millionen Euro nicht zu erledigen, betonte Florian Bitzer von der Projekt-GmbH Stuttgart-Ulm der Bahn: „Wir müssen die 40 Jahre alte und viel befahrene Strecke grundlegend erneuern. Das geht unter Betrieb nicht, da Weichen und Schienen ein- und ausgebaut werden sowie an Fluchtstollen gearbeitet wird.“

Gemischte Gefühle

Die Regionalräte reagierten auf die Ankündigung mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei es richtig und wichtig, die störanfällige Infrastruktur zu modernisieren und die Voraussetzungen für einen künftig pünktlicheren Betrieb zu schaffen. Andererseits sei das Ersatzkonzept noch nicht ausgereift, vor allem müsse ein 15-Minuten-Takt angestrebt werden.

Rainer Ganske (CDU) brachte den Einsatz von zusätzlichen Bussen ins Gespräch. Eine sechswöchige Sperrung sei allemal besser, als ein ganzes Jahr nur ein Gleis zur Verfügung zu haben, meinte Michael Lateier (Grüne). Wie er betonte auch Gabriele Heise (FDP), dass das Ersatzkonzept nur dank der Panoramabahn funktioniere, deren Stilllegung einst zur Debatte stand. Auch Regionalräte von SPD, AfD und Linke halten die Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke für unumgänglich.

Das Herzstück der Stammstrecke ist der etwa drei Kilometer lange Tunnel zwischen der S-Bahn-Station Hauptbahnhof und der Haltestelle Schwabstraße, der seit 1978 in Betrieb ist. Daran schließt sich eine 1,5 Kilometer lange Wendeschleife bei der Station Schwabstraße an und der zwischen 1979 und 1985 erbaute Hasenbergtunnel, der auf 5,7 Kilometern vom Talkessel auf die Filderebene führt.

Signaltechnik wird modernisiert

Diese gesamte Strecke ist von den Sperrungen betroffen, also alle innerstädtischen Stationen sowie die Haltepunkte Universität und Österfeld. Im Jahr 2021 sollen 2,4 Kilometer Schienen und zwölf Weichen (zwischen 35 und 40 Jahre alt) erneuert, Stationen saniert, Fluchtstollen modernisiert und die Brandschutzeinrichtungen auf Vordermann gebracht werden. Im Jahr darauf sind dann Kabeltrassen, der Schrägaufzug in der Station Stadtmitte, der Bahnsteig Österfeld, neue Sicherheitsbeleuchtung und erste Komponenten der modernen Signaltechnik ETCS dran. Im Jahr 2023 folgen neue Löschwasserleitungen, die gesamte ETCS-Ausrüstung und weitere Arbeiten an Fluchtwegen. Dabei sei aus Sicherheitsgründen ein Fahrbetrieb nicht möglich, sagte Bitzer.

Die Maßnahmen benötigten Bitzer zufolge so umfangreiche Vor- und Nacharbeiten, dass kürzere Sperrzeiten – etwa mehrere Tage – nicht sinnvoll seien. Schon seit einigen Jahren wird der S-Bahn-Verkehr in der Nacht von Montag auf Dienstag wegen Instandhaltungsarbeiten eingeschränkt.

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