Der Waiblinger Wolfgang Wiedenhöfer hat interessante, witzige und seltsame Bräuche und Sitten der Osterzeit zusammengetragen. Foto: Iris Förster Verlag/Gottfried Stoppel

Schräge Bräuche, Hexen, böse Geister und sonderbare Speisen: Ein Kalender im Postkartenformat führt durch die sehr spezielle Zeit von Aschermittwoch bis Ostermontag.

An Aschermittwoch ist es soweit. Der Countdown bis Ostern beginnt. Wolfgang Wiedenhöfer aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) hat für diese Zeit einen ganz speziellen Kalender verfasst: den „Immerwährenden Osterkalender“, der jetzt im Iris Förster Verlag erschienen ist. Er besteht aus 52 Postkarten, die zusammen mit einem hölzernen Kartenständer hübsch verpackt in einer Box liegen. Auf jeder Karte hat Wolfgang Wiedenhöfer für die 52 Tage von Aschermittwoch bis Ostermontag Wissenswertes über die vorösterliche Zeit notiert. Zeichnungen der Weinstädter Illustratorin Gisela Pfohl bringen Farbe unter die Buchstaben.

Wieso soll man in der Karwoche keine Wäsche waschen, aber unbedingt Kümmel und Anis essen? Was hat es mit den Palmzweigen und dem wilden Mutesheer auf sich und woher hat der Bärlauch seinen Namen? In welchem Ort brütete der Gemeinderat Eier aus? Der „Immerwährende Osterkalender“ hält Antworten, Osterbräuche und Sagen parat, die teils fast in Vergessenheit geraten sind. Wohl auch deshalb, weil gewisse Bräuche nur in wenigen Ortschaften praktiziert wurden. So war es mancherorts Brauch, am Karfreitag mit einem Holzhammer über die Wiese zu spazieren und auf Obstbäume zu klopfen: Das sollte für eine gute Ernte sorgen.

Der Biber wird zum Fisch deklariert

Für jeden Tag gibt es eine schön gestaltete Postkarte. Foto: Iris Förster Verlag

Welche strenge Regeln unsere Vorfahren im Mittelalter während der Fastenzeit einhalten mussten, kommt auch zur Sprache. Lediglich eine Mahlzeit am Tag war erlaubt – und die bestand laut Wiedenhöfer aus drei Bissen Brot und drei Schluck Bier oder Wasser. Fleisch, Eier, Milch, Butter und Käse, also sämtliche Produkte von Landtieren, waren strikt verboten. Eine karge Zeit, aber Not macht bekanntlich erfinderisch. So wurde der Biber zum Fisch erklärt – schließlich schwimmt er im Wasser – und damit das Fleischverbot umgangen. Selbst ein im Brunnen ertrunkenes Schweinchen sei schon mal als Wassertier durchgegangen und auf den Tisch gekommen, berichtet der Autor.

Enten und andere Wasservögel wurden mancherorts ebenfalls als „fastentauglich“ eingestuft. Da darf die Geschichte der schwäbischen Maultaschen nicht fehlen. Die „Herrgotts B’scheißerle“ sollen findige Mönche erfunden haben, um das strikte Fleischverbot während der Fastenzeit zu umgehen. Das Fleisch wurde mit Gemüse gemischt und mit Nudelteig umhüllt, um es vor dem strengen Blick des Allmächtigen zu verbergen. Das Gericht wird traditionell am Gründonnerstag, am Karfreitag und am Karsamstag serviert.

Osterhase, Kuckuck, Storch und Osterhenne

Wer denkt, der Gründonnerstag trage seinen Namen wegen des Spinats in den Maultaschen, liegt jedoch falsch, auch das erfährt man aus dem Kalender. Das Wort „Gründonnerstag“ kommt nämlich nicht von der Farbe Grün, sondern vom Begriff „greinen“, also weinen, und bezieht sich auf die Trauer um das Leiden und Sterben Jesu.

„Ende des 17. Jahrhunderts taucht erstmals der Osterhase in der volkstümlichen Erzählung auf“, berichtet Wolfgang Wiedenhöfer. Woher er angehoppelt kam, sei nicht überliefert, vielleicht war er ja die protestantische Reaktion auf das katholische Osterlamm. Je nach Region waren auch Tiere wie Osterhenne, Osterhahn, der Fuchs, der Kuckuck oder der Storch mit österlichem Brauchtum verbunden. Letzten Endes setzte sich jedoch der Osterhase durch. Erst um 1800 entstand dann der bis heute praktizierte Brauch, Osternester in den Gärten zu verstecken.

Der „Immerwährende Osterkalender“ ist im Iris Förster Verlag Waiblingen erschienen und kostet 18 Euro. Er besteht aus 52 Karten mit erklärenden Texten von Wolfgang Wiedenhöfer und Illustrationen von Gisela Pfohl. Der Holzkartenständer wurde in der Werkstatt der Paulinenpflege in Winnenden hergestellt. Mehr Infos unter www.verlag-iris-foerster.de.