Foto: Lichtgut/Leif Piechowski - Lichtgut/Leif Piechowski

Das Bauen an den Siedlungsrändern in Stuttgart wird mehr und mehr ein Thema - eine höhere Baudichte ebenso. Die Materie ist umstritten.

StuttgartDie möglichen Wohnbauflächen in Stuttgart nehmen leicht ab. In der soeben aktualisierten Übersichtsliste der Stadtverwaltung, Zeitstufenliste Wohnen 2018 genannt, sind noch 162 Bauflächen mit insgesamt 238,9 Hektar verzeichnet, die 20 444 Wohnungen ermöglichen könnten. Dazu kommen 2750 Einheiten auf Kleingrundstücken und in Baulücken. Unterm Strich sind es rund 23 200. Die Vorgängerliste vor zwei Jahren hatte 23 993 Einheiten plus 1000 auf Baulücken ausgewiesen. Dennoch könne man noch elf Jahre die von OB Fritz Kuhn (Grüne) angestrebte Rate von 1800 fertiggestellten Wohnungen pro Jahr und sogar die Bedarfsprognose der städtischen Statistiker – 2000 Wohnungen pro Jahr – erfüllen, so die Verwaltung.

Obwohl man viel tue und mit jedem realisierten Gebiet die Potenziale schwinden würden, erklärte Kuhn am Dienstag im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik: „Im Außenbereich fett zu bauen geht nicht.“ Das habe er schon früher gesagt. Inzwischen habe man viele Debatten über Luftqualität und Klimawandel geführt. „Jetzt wäre es skurril, wollte man großflächiges Bauen auf dem Acker“, so Kuhn. Der Disput mit denen, die auf mehr Bauen dringen, fiel dann im Ausschuss aber gar nicht so scharf aus.

Die Verwaltung will bald noch detaillierter die drei Szenarien erläutern, die sie zur Wahl stellte. Das eine Szenario wäre der Stopp des Wohnungsbaus, wenn die jetzt aufgelisteten Bauflächen erschöpft sind. Das zweite wäre „verstärkter Wohnungsbau“ auf klassischen Außenflächen, was aber die Änderung des Flächennutzungsplans und „Eingriffe in Frischluftschneisen und Erholungsflächen“ bedeuten würde. Das dritte, von der Verwaltung empfohlene Szenario: die gezielte Suche und Bebauung der Potenziale im Innenbereich, in Ortslagen und auf Brachen. Dabei, so Umwelt- und Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne), wären gewisse Arrondierungen am Siedlungsrand enthalten.

Grünanlage versus Acker

Zum massiven Bauen im Außenbereich bekannte sich keine Gruppierung. Am weitesten ging noch die SPD, die Kuhn mit ihrer Werbung im Kommunalwahlkampf – 30 000 neue Wohnungen – konfrontierte: Sie solle sagen, wo sie noch einmal 8000 Wohnungen mehr hinstellen wolle, forderte Kuhn. Sie könne nicht 30 000 hinschreiben, die nötigen Bauflächen nicht nennen und „nur sagen, es geht, wenn man wirklich will“. Daraufhin sagte Martin Körner, dem früher diskutierten Großprojekt im Viesenhäuser Hof stehe er „sehr skeptisch“ gegenüber, einer Bebauung auf dem Birkacher Feld und in Hausen „weniger skeptisch“. Eine Grünanlage in einem Neubauviertel könne ökologisch sinnvoller sein als ein Acker. Man solle gemeinsam eine „behutsame Außenentwicklung“ angehen. CDU, den Freien Wählern und der FDP gefiel das. Auch Deborah Köngeter (Stadtisten) mochte persönlich das Bauen im Außenbereich „nicht 100-prozentig ausschließen“. Die CDU betonte, sie kündige nicht den Vorrang der Innenentwicklung auf. Carl-Christian Vetter forderte von der Verwaltung aber, fünf Arrondierungsgebiete wie in Mühlhausen vorzuschlagen.

Beate Schiener (Grüne) dagegen meinte, die Innenentwicklung habe noch so viel Potenzial, „dass wir nicht wissen, warum wir unsere Felder bebauen sollten“. Für das Linksbündnis verlangte Christoph Ozasek die „kluge Urbanisierung“ Stuttgarts. Ziel müsse es sein, dass es auf einem Hektar im Schnitt 120 bis 150 Wohnungen gibt – momentan sind es 85,6. Leider, sagten Kuhn und Pätzold, werde die Verdichtung von den Stuttgartern oft abgelehnt. Im Rathaus möchte Kuhn einen neuen Konsens, mit dem der bisherige Kurs – Vorrang der Innenentwicklung – nur vorsichtig geändert wird.

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