Die Aussicht auf der Schwäbischen Alb ist zwar für viele Entspannung suchende Touristen Balsam für die Seele. Das Gros der Übernachtungen ist aber auf Geschäftsleute zurückzuführen. Foto: dpa - dpa

Volle Betten an Alb und Neckar : Immer mehr Übernachtungen in Land und Region – Kreis Esslingen hat Nase vorn

Kreis EsslingenImmer mehr Menschen suchen ihren Schlaf in fremden Betten in Baden-Württemberg: Laut Statistischem Landesamt können die Hoteliers, Pensions- und Campingplatzbetreiber im Südwesten wieder auf ein umsatzreiches erstes Halbjahr zurückblicken. Die Anzahl der Übernachtungen ist in der Zeit von Januar bis Juni 2018 um durchschnittlich 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Die seit mehreren Jahren andauernde positive Entwicklung im Tourismus in Baden-Württemberg setze sich damit fort, vermeldete das Statistische Landesamt bei Bekanntgabe der Zahlen am Dienstag. Es hat die Daten aller Beherbergungsbetriebe mit zehn und mehr Betten oder Stellplätzen ausgewertet. Die Zahl der Gäste stieg demnach um 489 320 Personen (plus 5 Prozent).

Einen besonders großen Sprung nach vorne hat der Landkreis Esslingen mit einer Steigerung der Übernachtungen um 10,3 Prozent gemacht. Nur der Stadtkreis Freiburg (14,8 Prozent), der Zollernalbkreis (10,7 Prozent) und der Main-Tauber-Kreis (10,5 Prozent) konnten jeweils ein dickeres Plus verbuchen. Ähnlich stark an Beliebtheit gewonnen hat in der Region Stuttgart der Kreis Ludwigsburg (plus 8,1 Prozent). Die Landeshauptstadt verbuchte ein Plus von 3,3 Prozent. Mit fast einer Million Ankünfte und fast doppelt so vielen Übernachtungen bleibt Stuttgart aber Spitzenreiter im Land.

Auch wenn für Einheimische und Reisende der Anblick der Weinlagen am Neckar, die mittelalterlichen Gassen Esslingens oder der Albaufstieg den Reiz des Landkreises Esslingens ausmachen: Für die gesteigerten Übernachtungszahlen ist eher ein anderer Faktor ausschlaggebend – das Geschäft. „Im Gegensatz zum Tagestourismus, der generell stark durch Freizeitgäste geprägt ist, ist der Übernachtungstourismus in Esslingen und in der ganzen Region durch den Geschäftsreiseverkehr geprägt. Rund 70 Prozent aller Übernachtungen entfallen darauf“, erklärt Michael Metzler, Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing & Tourismus GmbH (EST). Kein Wunder also, dass die meisten Übernachtungen im Kreis Esslingen die Kommunen in der Nähe von Flughafen und Messe verbuchen können: Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt.

Traum vom Rekordjahr

Die weiter gute konjunkturelle Entwicklung in der Region Stuttgart, ein starkes Jahr der Landesmesse, attraktive Veranstaltungen in der gesamten Region, ein insgesamt boomender Inland-Tourismus sowie ein Zuwachs im Angebot an Schlafgelegenheiten lassen aber auch den Esslinger Tourismusexperten 2018 von Rekorden träumen: „Setzt sich die Entwicklung zum Jahresende fort, könnten wir in 2018 mit etwas Glück das übernachtungsstärkste Jahr seit Beginn der amtlichen Aufzeichnung erreichen. Bisher liegt der Rekord im Jahr 2015 bei circa 224 000 Übernachtungen“, sagt Metzler.

Ist die Arbeit getan, ziehen dann aber doch auch Geschäftsleute zu den Sehenswürdigkeiten der Region: die historische Altstadt Esslingen sei das touristische Zugpferd Nummer 1, so Metzler. Der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt sei zum Jahresende ein sehr starker Publikumsmagnet. Doch es ziehe die Übernachtungsgäste von Esslingen aus auch in die Region, ins Mercedes-Benz Museum oder in die Wilhelma in Cannstatt etwa. „Sehr gut angenommen wird auch der Neckartalradweg“, sagt Metzler.

Mehr gefragt als im Vorjahreszeitraum waren auch Herbergen in Kirchheim, Nürtingen und Umgebung, wo sich 18 Kommunen zum Verkehrsverein Teck-Neuffen zusammengeschlossen haben. Dessen Vorsitzender, Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich, weiß, warum die Menschen gerne kommen: „Wir leben in einer wirtschaftsstarken Region, die gleichzeitig in eine herrliche Landschaft gebettet ist.“ Die Gegend biete städtisches Leben. „Trotzdem kommt man aus der Stadt schnell ins Grüne.“ Auf den Radwegen am Albtrauf sei im Sommer viel los, so Heirich. „Und auch in Sachen Geschichte sind wir ein echtes Schwergewicht.“ Heirich denkt ans Urweltmuseum in Holzmaden, römische Ausgrabungen in Köngen und Oberensingen, die Burgen Hohenneuffen und Teck, das Schloss in Kirchheim und das Freilichtmuseum in Beuren.

Und woher stammen all die Menschen? Der überwiegende Teil der Gäste kam nach Angaben des Statistischen Landesamtes aus Deutschland. Dennoch stieg auch die Zahl der Ankünfte ausländischer Gäste – und zwar um fast 7 Prozent auf 2,3 Millionen. „Das zeigt, wie wichtig für uns im Land der grenzüberschreitende Reiseverkehr ist“, betonte Tourismusminister Guido Wolf (CDU) laut einer Pressemitteilung.

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