Thomas Hitzlsperger Foto: dpa - dpa

Für viele Fans verkörpert der Manager Thomas Hitzlsperger die Hoffnung auf eine bessere Zukunft des VfB Stuttgart. Doch nun hat den 37-jährigen Ex-Profi eine kritische Debatte ereilt.

StuttgartThomas Hitzlsperger macht eine gute Figur. Eloquent tritt er vor den Fernsehkameras auf. Pointiert spricht er in die Mikrofone. Immer ruhig im Ton und sachlich in der Analyse. So wie ihn Millionen Zuschauer noch als TV-Experten kennen, präsentiert er sich nach außen auch als Manager des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart. Als jemand, der zwar aus der Fußballbranche kommt, sich aber eine gesunde Distanz bewahrt hat. Um Spieler und Trainer zu bewerten, auch zu kritisieren, ohne sie jedoch persönlich zu verletzen.

Mit dieser Art hat sich Hitzlsperger viel Respekt erarbeitet – auch beim VfB, wo er als ehemaliger Meisterspieler von 2007 nicht nur die glorreiche Vergangenheit verkörpert, sondern seit Februar als Sportvorstand ebenso eine bessere Zukunft. Er soll es richten, denn mit Hitzlsperger verknüpfen sie rund um den Wasen die Hoffnung, dass endlich Kontinuität einkehrt und das frisch erstellte Konzept mit den ersten Niederlagen nicht an Haltbarkeitsdauer verliert.

Das Problem ist nur, dass dem VfB mal wieder die Gegenwart dazwischengekommen ist. Weshalb die Zukunft in Stuttgart jetzt beginnt, in der zweiten Liga. Ein junges, erfolgshungriges Team will Hitzlsperger gemeinsam mit dem Sportdirektor Sven Mislintat aufbauen. Sie reden, sie überzeugen, sie verhandeln. Und die ersten 126 Amtstage haben gezeigt, dass der 37-Jährige als Manager keinesfalls in Aktionismus verfällt, er seine Rolle als Sportchef nicht überhöht, er aber auch nicht nur der smarte Herr Hitzlsperger ist.

Klare Vorstellungen hat er, wie die Kugel zu rollen hat – und entsprechend fallen die Entscheidungen aus. Für die verdienten Eigengewächse Christian Gentner und Andreas Beck ist ebenso wenig mehr Platz im Kader wie für Dennis Aogo. Sportliche Kriterien hat Hitzlsperger mit Mislintat und dem neuen Trainer Tim Walter aufgestellt, um eine Mannschaft zu formen, die über die Plätze in Heidenheim, Sandhausen oder Aue stürmen soll.

Ein hohes Risiko birgt die angedachte Spielweise, aber Hitzlsperger sieht nach der missratenen Vorsaison mit dem Abstieg vor allem die Chancen, die ein Umbruch mit sich bringt. Es soll ein neuer Konkurrenzkampf herrschen, eine neue Mannschaftsstruktur entstehen und sich letztlich im gesamten Verein eine neue Leistungskultur herausbilden.

Alles, um wieder nach oben zu kommen – und in der Bundesliga zu bleiben. Deshalb wurden die Verträge der drei Routiniers nicht verlängert. Auch vor dem Hintergrund, dass mit Mario Gomez, Gonzalo Castro und Holger Badstuber im Augenblick noch genügend Feldspieler der obersten Alters- und Verdienstklasse vorhanden sind.

Das ist das Vermächtnis von Hitzlspergers Vorgänger Michael Reschke – ein Kader, der vor einem Jahr als austariert und stabil galt. Im Abstiegskampf brach das Konstrukt jedoch in sich zusammen, und nun gibt es erfahrene Spieler, bei denen man sich die Frage stellen kann, ob sie noch die Motivation aufbringen können, um etwas in ihren Karrieren zu erreichen. Hitzlsperger hat das Für und Wider in den vergangenen Wochen abgewogen. Hin und her ging es – zwischen der Dankbarkeit für langjährige Dienste im Trikot mit dem Brustring und der Gesamtverantwortung für ein alternatives Projekt.

Eine schwierige Situation, die in ein noch schwierigeres Gespräch mit Gentner mündete. Mit ihm hatte Hitzlsperger wie mit Beck selbst noch zusammengespielt. Letztlich überwog jedoch die Überzeugung, lieber Neues zu wagen – mit frischen Kräften, wenngleich diese wie Philipp Klement, Atakan Karazor oder Pascal Stenzel noch unbekannte Größen sind.

Aus sportlicher Sicht eine nachvollziehbare Argumentation. Dennoch hat Hitzlsperger mit den zuletzt verkündeten Personalien eine Debatte ereilt, die auf der emotionalen Ebene geführt wird. Die Stilfrage wird aufgeworfen: Wäre ein anderer Umgang mit den verdienten Profis nicht angemessen gewesen? Gerade im Lager der Aussortierten fühlte man sich erst hingehalten und dann nicht wertgeschätzt. Gentner noch mehr als Beck, da sich der langjährige Kapitän bereits Mitte März mit Hitzlsperger an einen Tisch gesetzt hatte und er – wie Beck ein paar Wochen später – Signale empfangen hatte, die auf ein weiteres Engagement beim VfB deuteten.

Hitzlsperger bleibt besonnen

Gentner soll bereit gewesen sein, eine andere Rolle zu spielen. Doch dann stieß ihm bitter auf, dass Hitzlsperger in einem Fernsehinterview nicht nur Geduld bei den Verhandlungen anmahnte, sondern ebenso anmerkte, dass sich alle Spieler während der Endphase des Abstiegskampfes noch beweisen müssten – auch Gentner mit fast 400 Bundesligaeinsätzen. Der Auftritt in der SWR-Sendung „Sport im Dritten“ soll im Mannschaftskreis ohnehin nicht gut angekommen sein, da er für die Spieler eine Kluft zwischen Manager und Team offenbarte. Wir hier, er dort.

Hitzlsperger kann es nicht Recht machen. Dennoch stellt er sich der Kritik. Dabei reklamiert er für sich, die Gespräche offen geführt zu haben und nicht nur eine Verantwortung für die Angestellten in kurzen Hosen zu haben. Enttäuschungen blieben aber nicht aus – obwohl der Manager Gentner die Tür für ein Engagement nach seiner aktiven Karriere öffnete. Noch will der Mittelfeldspieler nicht hindurchgehen. Auffällig war zudem, dass die Personalentscheidungen vorab in Medien vermeldet wurden. Das verursachte Irritationen bei den Spielern und Ärger bei Hitzlsperger. Der ganz normale Wahnsinn also in einem verrückter werdenden Geschäft. Und mittendrin nun der besonnene Hitzlsperger, der jenseits von Fernsehkameras und Mikrofonen an Profil gewinnen will.

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