Bis Jahresende sollten 50 Prozent der Privathaushalte in den 44 Kreiskommunen einen Zugang zum Glasfasernetz erhalten. Doch das Ziel wird verfehlt. Das sind die Gründe.
Der Zweckverband Breitbandversorgung Landkreis Esslingen arbeitet seit dem Jahr 2019 daran, in allen 44 Mitgliedsgemeinden die Breitbandinfrastruktur voranzubringen. Doch der Ausbau kommt nur schleppend voran, räumt dessen Geschäftsführer Markus Grupp ein: „Das Ziel, dass bis zum Ende dieses Jahres 50 Prozent der Privathaushalte einen Zugang zum Glasfasernetz erhalten, wird nicht erreicht.“
Das nächste große Ziel ist eine Versorgungsquote von 90 Prozent der Privathaushalte bis 2030. Aber: „Die zweite Hälfte des Marathons wird herausfordernd.“ Denn der Glasfaserausbau stehe vor großen Herausforderungen, berichtete Grupp in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt des Esslinger Kreistages. „Die Marktdynamik im Allgemeinen hat sich verschlechtert.“ Es werde weniger investiert. „Gründe hierfür sind steigende Zinsen, ebenso steigende Baukosten bei gleichzeitig eingeschränkt verfügbaren Baukapazitäten und mangelnder Bauqualität.“
Mangelnder Breitband-Hunger?
Die mäßige Ausbaugeschwindigkeit vor allem in den größeren Kommunen liegt laut Grupp aber auch an einem „mangelnden Breitband-Hunger“ der Bevölkerung. Das Interesse der Privathaushalte am ultraschnellen Internetanschluss ist offenbar nicht so groß, wie erhofft. Grund dafür könnte sein: „Teilweise gibt es bereits eine sehr gute Versorgung mit Kabel“, sagte Grupp. Die Telekommunikationsfirmen sind jedoch auf eine Vorvermarktung angewiesen, weil sie den Breitbandausbau eigenwirtschaftlich vorantreiben.
Die schwierige Marktlage hat im Kreis Esslingen Spuren hinterlassen: Laut Grupp waren sechs Kommunen – Frickenhausen, Großbettlingen, Kohlberg, Beuren, Neuffen, Erkenbrechtsweiler – von der Insolvenz der Liberty Network und ihrer Tochterfirma Hello Fiber betroffen. „Zudem gibt es sechs Kommunen, wo der Ausbau von anderen Telekommunikationsunternehmen versprochen wurde, bis heute aber nicht kam.“ Betroffen waren unter anderem Altbach und Deizisau, Aichtal, Schlaitdorf, Neckartailfingen sowie Esslingen.
Die nächsten Ausbauprojekte laufen
Bis Ende vergangenen Jahres wurden dem nun vorgelegten Jahresbericht zufolge im Kreis Esslingen 87 749 Glasfaseranschlüsse gebaut, das sind 16 849 Haushalte mehr als Ende 2023. Der Versorgungsgrad stieg dadurch zwar um 5,7 Prozentpunkte auf 32,1 Prozent. Damit liegt der Landkreis jedoch deutlich unter dem Durchschnittswert für die gesamte Region Stuttgart, der Ende vergangenen Jahres 40,4 Prozent betrug.
Hauptakteur beim Breitbandausbau im Kreis Esslingen ist die Deutsche Telekom. Aber auch die Deutsche Glasfaser baut in immer mehr Kommunen eigenwirtschaftlich aus. Dabei legt das Unternehmen sein Augenmerk vor allem auf den ländlichen und suburbanen Raum, informierte der Geschäftsführer des Zweckverbandes. „Der Bau läuft momentan in Dettingen, Ohmden und Owen.“ Weitere Projekte sind dem Bericht zufolge für 2025 und 2026 geplant – nach bereits erfolgreichen Vorvermarktungen, wie es heißt. Auch die NetCom BW investiert, aktuell läuft der Ausbau in Unterensingen, Kirchheim-Lindorf und Kirchheim-Nabern.
Zahlreiche Probleme mit den ausführenden Unternehmen haben beim Ausbauprojekt der Firma GVG in Altbach und Deizisau zum vorübergehenden Baustopp geführt. Hier soll der Ausbau im Herbst 2025 fortgesetzt werden, kündigte Grupp an. Ein geplanter Ausbau der GVG in Kooperation mit dem Unternehmen DGA im Dreier-Verbund Aichtal, Neckartailfingen und Schlaitdorf hingegen ist nach langem Tauziehen vom Tisch. Hier haben die Gigabit Region Stuttgart, der Zweckverband und die betroffenen Kommunen aber eine Lösung für den Ausbau durch die NetCom BW erarbeitet, so Grupp. Wann es dort losgeht, ist noch offen.