Quelle: Unbekannt

Von Roland Kurz

Träg schlängelt sich die Ach bei Schelklingen donauwärts. Am Waldrand lugen große Kalkfelsen zwischen den Bäumen heraus. Vor einem dieser weißen Brocken saßen vor etwa 40 000 Jahren Steinzeitjäger. Sie warteten auf Rentier-Herden, die durch das fruchtbare Tal zogen. Im Winter fanden die Jäger Schutz in der bis zu 30 Meter hohen Halle im Felsen. Hier herrscht das ganze Jahr zehn Grad Plus. Die Schwäbische Alb war in dieser kühlen und trockenen Zwischeneiszeit auch von Mammuts bevölkert. Aus deren Elfenbein schnitzten die Achtaler Kunstwerke und Schmuck. Im Jahr 2008 machten die Archäologen einen sensationellen Fund: Sie entdeckten Teile, die sich zu einer Frauenfigur zusammensetzen ließen. Die sechs Zentimeter große „Venus“ vom Hohle Fels gilt als das weltweit älteste Kunstwerk, das bislang gefunden wurde.

Seitdem im Juli die Höhlen im Ach- und im Lonetal auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gesetzt wurden, finden mehr Besucher nach Schelklingen. Die Stadt hat deshalb die Öffnungszeiten für die Höhle, die bislang nur sonntags zugänglich war, erweitert. Am Höhleneingang findet man einige Vitrinen, die über die Funde und Grabungen Auskunft geben. Zu einem Höhepunkt der Weltkultur passt das Angebot aber noch nicht. Unter den Alu-Stegen, die zur Halle führen, sieht man die Arbeitsplätze der Archäologen von der Universität Tübingen. Sandsäcke schützen die Fundorte, Schilder in unterschiedlichen Höhen bezeichnen die Zeitalter. Ganz unten hinterließ der Neandertaler seine Spuren, darüber die Jäger des Aurignacien (43 000 bis 34 000 Jahre vor unserer Zeit), die ersten Künstler der Menschheit.

Die Halle steigt an wie ein Opernsaal. Deshalb organisiert der Museumsverein Schelklingen seit vielen Jahren Konzerte im Hohle Fels. Dieses Mal war das Interesse immens. „Sogar die Schelklinger sind jetzt gekommen“, meint Vorsitzender Reiner Blumentritt. Mit ihren Klappstühlen steigen die Besucher den „Saal“ hoch und suchen sich ein ebenes Plätzchen, um Jazzklängen mit exotischen Einflüssen, etwa australisches Didgeridoo, zu lauschen. Die Akustik im Hohle Fels ist hervorragend. Man versteht, dass die Urzeitjäger viel Mühe aufwandten, um Flöten aus Geierknochen zu schnitzen.

Der Hohle Fels war nicht der einzige Zufluchtsort im Achtal. Auf einer zweieinhalbstündigen Wanderung gelangt man zur Sirgen-steinhöhle, deren geschützte Lage eine ideale Wohnung für die Jäger und Sammler war. Schon die Neandertaler lagerten im fünf Meter hohen Portal der ehemaligen Flusshöhle. Die Höhle ist frei zugänglich. Als Fundstätte bedeutender ist das Geißen-klösterle beim Blaubeurener Ortsteil Weiler. In der Höhlenhalle, deren Dach eingestürzt ist, fand man Flöten aus Vogelknochen und Elfenbein sowie bemalte Steine und Kleinkunst aus Mammutstoßzähnen. Das Geißenklösterle ist vergittert und kann nur an Aktionstagen besichtigt werden, zum Beispiel dem Tag der offenen Höhle (10. September).

Im Stadtmuseum Schelklingen erfährt man mehr über die Lebensweise der Steinzeitmenschen. Von wichtigen Funden wie dem kleinen, nur drei Zentimeter großen Löwenmenschen und dem schlanken Wasservogel sind gute Nachbildungen ausgestellt. Dazu Werkzeuge, Schmuckperlen und Geschossspitzen. Manche Exponate im alten Spital, einem beeindruckenden Fachwerkbau, sind noch älter. Museumsführer Franz Rade weist stolz auf den versteinerten Kopf eines Huftiers hin, das seltsamerweise ein Urpferd im Mund festhält, etwa 35 Millionen Jahre alt.

Außer Museum und Höhlen bietet Schelklingen noch zwei lohnenswerte Ziele: die St. Afra-Kapelle mit dem am besten erhaltenen Wandzyklus Schwabens sowie das ehemalige Kloster Urspring mit zwei Quelltöpfen. Auf dem Philosophenweg wandert man in einer knappen Stunde zur Benediktinerinnen-Siedlung. Heute beherbergen sie ein Internat inklusive einer Basketball-Akademie. Mit den Farben des Blautopfs kann es der Urspringtopf nicht ganz aufnehmen, aber die türkisfarbene Oberfläche verleiht dem Ort romantisches Flair. 400 Meter davon entfernt gebiert eine Karstquelle die Ach.

Für Familien empfiehlt sich der Besuch des Urgeschichtlichen Museums in Blaubeuren. Es zeigt anschaulich, wie sich der Alltag der Eiszeitmenschen auf dem Vorplatz oder in der Höhle abgespielt hat. Am Sonntag hat die Steinzeitwerkstatt geöffnet, in der man wie Höhlenbewohner malen oder Tonfiguren formen kann. Seit kurzem werden die neuesten Perlenfunde aus dem Hohle Fels gezeigt.

Wandern und Schauen

Wanderung vom Hohle Fels zur Sirgensteinhöhle und zum Geißenklösterle: 2,5 Stunden, 6 km, 250 Höhenmeter. Erweiterung zur Brillenhöhle 4 Stunden, 10 Kilometer.

Hohle Fels:

Öffnungszeiten: In der Ferienzeit mittwochs von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr.

9. September, 17 Uhr: Konzert (Didgeridoo)

Sonntag, 10. September, Tag der offenen Höhle, 12 bis 17 Uhr.

17. September, Tag des Geotops, 13 bis 17 Uhr.

Stadtmuseum Schelklingen:

Öffnungszeiten: Jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Eintritt: 2 Euro. Kinder: 1 Euro.

www.museum-schelkingen.de: Infos zum Hohle Fels und Wandervorschläge

Urzeitmuseum Blaubeuren:

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, bis 4. September auch montags. Täglich um 14.30 Uhr Führung zum Welterbe.

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