Szene aus dem Stuttgarter Trickfilm „Manou – flieg flink!“. Foto: Verleih - Verleih

Die Trickfilm-Branche in Stuttgart ist gut im Geschäft – und nun alarmiert, weil sie im neuen Landeshaushalt nicht vorkommt. Es geht um 300 Millionen Euro.

StuttgartAls Anfang Oktober der Entwurf für den baden-württembergischen Landeshaushalt 2020/21 erschein, rieben sich manche die Augen: Über 300 Millionen Euro für Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), alternative Antriebe – und von Animation und visuellen Effekten (VFX) ist keine Rede? „Wir sind binnen fünf Jahren zum Standort Nummer eins in Deutschland geworden“, sagt Heiko Burkardsmaier, Leiter der VFX-Abteilung der Stuttgarter Firma Mackevision. Sie hat Effekte zur Serie „Game of Thrones“ und zum Kinofilm „Jim Knopf“ beigesteuert. „Der Umsatz hat sich verdoppelt, die Zahl der Festangestellten auch, viele davon sind Absolventen hiesiger Filmhochschulen. Die Politik hat das gewollt und unterstützt, nun fragen wir uns: Hat sie Interesse daran, den ersten Platz zu halten?“

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Kunstministerium, erwidert: „Wir wollen die Führungsposition auf jeden Fall halten.“ Wieso also taucht die Branche nicht im Haushaltsentwurf auf? „Wir haben Mittel für den Filmbereich angemeldet als Top-Priorität, aber in weiteren Verhandlungen des Finanzministeriums und der Haushaltskommission ist er nicht berücksichtigt worden“, sagt Olschowski. „Wir sind nun dabei, das nachzuverhandeln.“

Tatsächlich wird die Branche gerade Opfer ihres Erfolges. Sie konkurriert auf einem von Subventionen getriebenen Markt, Länder wie Kanada, Neuseeland und Tschechien bieten hohe Steuererleichterungen, Baden-Württemberg hält dagegen mit Mitteln der MFG-Filmförderung. Sie steuert von ihren jährlich rund 14 Millionen Euro einen Teil zur Produktion bei, 2015 für Animation und VFX insgesamt rund 5 Millionen Euro, 2019 6,6 Millionen. „Jeder investierte Euro kommt vier- bis sechsfach zurück“, sagt Burkardsmaier und verweist auf eine Studie von 2018 zur britischen Filmindustrie. Das Dilemma nun beschreibt Christoph Malessa, Stuttgarter Standortleiter der Firma Pixomondo: „Das Auftragsvolumen ist gestiegen, da Firmen gewachsen und neue dazugekommen sind. Der Fördertopf ist nicht gewachsen.“

Soweit soll es nicht kommen, wenn es nach Petra Olschowski geht: „Wir sind zuversichtlich, Mittel für die nächsten zwei Jahre zu bekommen“, sagt sie.

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