Immer unterhaltsam: Horst Krause als Dorfpolizist a. D. Horst Krause Foto: rbb/ARD Degeto/Arnim Thomaß

Er war lange Ermittler beim „Polizeiruf 110“, dann bekam Horst Krause seine eigene Filmreihe. In der achten Folge geht ihm was kaputt.

Stuttgart - Alles kommt mal in die Jahre. Sogar Horst Krauses 1960 vom Band gerolltes Dnepr-Motorrad mit Beiwagen. In „Krauses Zukunft“ blubbert und töppert das einst für die DDR-Volkspolizei durch Brandenburg knatternde Gerät zwar noch ins Bild, quittiert dann aber qualmend den Dienst. Krause muss nun ein ganzes Stück zu Fuß gehen, und das, sieht man, fällt ihm mittlerweile schwer.

Horst Krause ist ein Unikum in der deutschen Fernsehlandschaft, was man schon daran merkt, dass die Filmfigur so heißt wie ihr Schauspieler. Aufgetaucht ist dieser Landpolizist zuerst als Nebenfigur in einer „Polizeiruf 110“-Folge. Da wussten der Autor/Regisseur Bernd Böhlich und Krause selbst wohl schon, dass sie mit diesem knarzigen, so gar nicht auf smarte Außenwirkung versessenen Querschädel aus der Provinz etwas am Wickel hatten.

Im Jahr darauf rückte der Polizeihauptmeister Krause ins zentrale Ermittlerteam des „Polizeiruf 110“ auf, an seiner Seite arbeiteten nach und nach vier Kommissarinnen. Als Krause 2015 seinen Dienstausweis abgab, da war längst, 2007 nämlich, eine lose Reihe mit Solofilmen um sein Provinzleben gestartet.

Krauses Energie

Der Darsteller Horst Krause ist mittlerweile 79 Jahre alt. Dass er einen resoluten Mann spielt, der über beginnende Einschränkungen entschlossen hinweg poltert, ist also nicht einfach eine hingetrickste Filmbehauptung. Krauses Energie bezeugt Krauses Energie, sozusagen. Dass auch der kurz vor seinem 100. Geburtstag stehende Schauspieler Herbert Köfer souverän einen Auftritt absolviert, gibt der These von „Krauses Zukunft“ noch mehr Treibstoff: Alles kommt mal in die Jahre, aber Schluss mit lustig ist noch lange nicht.

Diese achte ist allerdings nicht die stärkste Folge der Kraue“-Reihe. Sie setzt sehr voraus, dass man die Figuren und Verhältnisse im fiktiven Dorf Schönhorst in Brandenburg schon kennt. Ein Neuling wird kaum verstehen, warum es Krause so tief trifft, dass seine einstige Gastwirtschaft nun Yogakurse und ausschließlich vegetarische Speisen anbietet.

Was kein Mensch braucht

Womit wir schon bei der zweiten Schwäche von „Krauses Zukunft“ wären. Der Ex-Dorfpolizist wird einem älteren Publikum als Bollwerk gegen die Spinnereien einer änderungssüchtigen Moderne angedient. Er ragt auf – und in die Breite – als knorriger Kämpfer für den gesunden Menschenverstand von vorgestern und gegen vegane Kost, Windräder, E-Bikes, Tourismusförderung und sonst alles, was „kein Mensch braucht.“

Zugleich aber wird Krause natürlich der Agent des Guten, der dann doch den Sinn der Windenergie einsieht und den Charme eines Elektroantriebes, der nebenbei für die Vereinbarkeit von dörflicher Integrität und Touristenattraktivität kämpft und Kindern vermittelt, dass Tierliebe wichtiger ist als der Materialismus der Gadget-Ära. Das wird uns weniger als Entwicklung vom einen zum anderen erzählt, mehr als unversöhntes Durcheinander. Krause soll letztlich für jeden alles sein, ein kantiges Original, an dem sich keiner stößt. Das Drehbuch wirkt ziellos – aber Horst Krause als Horst Krause ist trotzdem wieder eine Wucht.

Ausstrahlung: Im Ersten, Freitag, 5. Februar 2021, 20,15 Uhr. Bereits hier in der Mediathek des Senders abrufbar – bis 5. August 2021.

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