Der TV Unterboihingen zieht in den Sportpark Im Speck um – dafür stimmten die Mitglieder des Vereins. Am Ende standen 285 Stimmen für den Umzug zu Buche, 188 Personen waren dagegen.

WendlingenDie Mitglieder des Turnvereins Unterboihingen (TVU) haben im dritten Anlauf innerhalb von 14 Jahren mehrheitlich für einen Umzug in den Sportpark gestimmt. Mit 285 zu 188 Stimmen war das Ergebnis eindeutig für die künftig Sportstätte.

In den Minuten vor der Bekanntgabe des Ergebnisses war die Spannung im Saal greifbar. Immerhin geht es um die Frage, wo der TVU künftig seine Heimat sieht. Schon 2006 und 2013 standen die Mitglieder vor dieser Entscheidung: Auf dem vereinseigenen Sportgelände am Neckar zu bleiben oder einem Umzug in den Sportpark Im Speck zuzustimmen. Doch damals waren die Voraussetzungen für einen Umzug noch anders. 70 Prozent der Mitglieder stimmten 2006 für einen Verbleib – mit der Einschränkung, solange es dem Verein wirtschaftlich möglich ist –, sieben Jahre später waren es 60 Prozent. Bis zum dritten Anlauf dauerte es weitere sieben Jahre . „Da liegt etwas in der Luft“, war von dem einen oder anderen Mitglied im Vorfeld zu hören.

Dieses Mal votierten lediglich 39,75 Prozent der Mitglieder, die ihre Stimme an den fünf Wahltagen abgegeben oder per Briefwahl abgestimmt hatten, für den Verbleib auf dem TVU-Gelände. 477 von 920 Wahlberechtigten (insgesamt hat der TVU 1350 Mitglieder) beteiligten sich an der Abstimmung. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 51,85 Prozent. Bis zur Auszählung ab 20.30 Uhr bestand in der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Gemeindezentrum noch die Möglichkeit, abzustimmen. Egal wie die Wahl ausfalle, die Entscheidung werde sich nachhaltig auf den TVU auswirken, sagte der Vorsitzende Peter Krenn zu Beginn der Sitzung. Er appellierte deshalb, verantwortungsvoll zu wählen. Knapp die Hälfte der wahlberechtigten Mitglieder hatte da allerdings schon in der Geschäftsstelle des Vereins in den Tagen vorher ihre Stimme abgegeben.

Vor der Abstimmung hatten sich die Voraussetzungen für eine Auslagerung des Vereins geändert. In einer 14-Punkte-Vorvereinbarung zurrte der Verein im vergangenen Jahr die dafür erforderlichen Konditionen mit der Stadt und dem Gemeinderat fest. Danach erhält der TVU zwei Sportplätze im Sportpark, wovon einer ein Kunstrasenplatz sein wird. 50 Parkplätze und eine Zufahrt gehören auch dazu. Über die Vorvereinbarung informierte der Vorstand die Mitglieder im Januar in einer Veranstaltung ausführlich. Schon im Dezember hatte jedes TVU-Mitglied einen mehrseitigen Brief des Vorstandsvorsitzenden Krenn erhalten, in dem er die Mitglieder aufrief, zur Wahl zu gehen. Ein Rückblick auf wichtige Eckdaten in den vergangenen 14 Jahren und eine Liste mit den vereinbarten Rahmenbedingungen mit der Stadt sowohl für Sportanlage am Neckar als auch zugunsten der Sportanlage Im Speck war dem Brief beigelegt.

So konnten sich die Mitglieder ausführlich über die Konditionen und die dazugehörige Finanzierung informieren. „Uns war wichtig, dass möglichst viele Mitglieder bei dieser wichtigen Abstimmung die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen“, erklärte Peter Krenn das Wahlprozedere von fünf Tagen. Dafür musste ein Wahlausschuss eingerichtet werden. Ob dieses Prozedere zum Nachteil des Vorstands ausgelegt werden kann, wie vereinzelt hinter vorgehaltener Hand zu hören war, ist offen. Tatsache ist, dass zu einer normalen Hauptversammlung nur durchschnittlich 90 Mitglieder kommen.

Kein Aufschrei, kein Applaus

Ist es da nicht der Legitimation einer so eklatant wichtigen Entscheidung zuträglicher, alle Wahlberechtigten auf diese Weise wie jetzt geschehen, zur Wahlurne zu rufen, anstatt die Entscheidung von einigen wenigen Mitgliedern abhängig zu machen? Als der Wahlvorstand das Wahlergebnis gegen 21.30 Uhr verkündete, hatte sich der Saal im Gemeindezentrum immer mehr gefüllt. Etwa 100 Mitglieder waren gekommen, um das Ergebnis zu erfahren. Nahezu emotionslos nahmen die Anwesenden zur Kenntnis, dass die Tage am Neckar gezählt sind und ein Umzug in den Sportpark bevorsteht. Kein Aufschrei, kein Applaus von der einen noch von der anderen Seite. Nur ein, zwei enttäuschte Mitglieder, die nicht verhehlten, dass sie lieber am Neckar geblieben wären, machten den Versuch eines Zwischenrufs. Als niemand darauf reagierte, hielten auch sie still. Ein verhaltener Applaus kam lediglich auf, als dem Wahlausschuss für seine Arbeit gedankt wurde.

In seinem Schlusswort rief der Vorsitzende Peter Krenn die Mitglieder dazu auf, das Ergebnis zu akzeptieren zum Wohle des Vereins, auch wenn nicht jeder damit einverstanden sei. Der Vorstand und Hauptausschuss haben nun den Auftrag, die Entscheidung der Mitglieder umzusetzen. „Es liegen große Aufgaben vor uns“, sagte Krenn. Er hat alle eingeladen, sich bei der Umsetzung einzubringen und mitzuarbeiten.

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