Carsten Finkbeiner sieht die Esslinger gut aufgestellt. Foto: Herbert Rudel - Herbert Rudel

Trainer Finkbeiner will mit den Esslinger Judoka den ersten Meistertitel holen

EsslingenDrei Rollen hat der KSV Esslingen am Samstag im Judo-Bundesliga-Finale: Gastgeber, Herausforderer und Titelanwärter. Doch die Konkurrenz für den KSV, der sein 125-jähriges Jubiläum feiert, ist stark: Schon im Halbfinale (erster Durchgang 10 Uhr) trifft der KSV auf den ungeschlagenen Sieger der Bundesliga Nord, die SUA Witten. Im zweiten Halbfinale (10.50 Uhr) stehen sich der siebenmalige Europacup-Sieger und 20-malige deutsche Meister TSV Abensberg und der Nord-Zweite UJKC Potsdam gegenüber. Carsten Finkbeiner ist mitten in der Vorbereitung auf den Samstag. Der 44-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren Trainer und Teamchef des KSV-Teams.

Ein Süd-Finale KSV Esslingen gegen den TSV Abensberg wäre das Highlight am Samstag. Zunächst muss aber der KSV erstmal das Halbfinale überstehen. Es geht gegen den Sieger aus dem Norden, die SUA Witten. Wie ist das Team einzuschätzen?
Witten ist eine sehr starke Mannschaft, die bisher ohne Niederlage ist. Das ist eine Hausnummer, die man aus dem Weg räumen muss. Auch wenn es vielleicht von außen anders dargestellt wird, dass es nur darum geht, ob Abensberg oder wir gewinnen, sehen wir das etwas anders. Wir müssen zuerst einmal das Halbfinale gewinnen. Erst dann kann man an das Finale denken.

Wie schafft man es, die Konzentration den ganzen Tag über aufrecht zu halten?
Der Tag ist eng getaktet, man hat nicht viel Zeit zum Durchatmen und um mit den Gedanken abzuschweifen.

Was ist die beste Taktik: Kräfte einteilen fürs Finale oder alles im Halbfinale geben?
Sich fürs Finale zu schonen, wäre ein Fehler. Unsere Mannschaft ist hoffentlich breit genug aufgestellt, dass im Falle des Erreichen des Finales noch Kräfte da sind. Dafür ist wichtig, dass wir genügend Kämpfer im Halbfinale schon einsetzen können, damit im Finalfall nicht alle mit der Hypothek von zwei Kämpfen und körperlich kaputt antreten müssen. Aber jeder muss in seinem Kampf trotzdem alles abrufen, was er hat. Kräfteschonend den Kampf zu bestreiten, kann sich keiner erlauben.

Sind denn alle fit?
Ein paar Wehwehchen und Blessuren gibt es immer, bis Samstag kann noch viel passieren. Wenn jeder über die Waage ist und der Kampftag begonnen hat, dann weiß man, wer fit ist.

Der KSV ist sechs Mal deutscher Vizemeister geworden, zum Meister reichte es bisher nicht. Ist das einfach die Rolle des KSV?
In der Vergangenheit war das Erreichen des Finales schon ein Riesenerfolg für uns. Es war mehr, als uns die meisten Experten zugetraut hatten. Diese hatten immer ein anderes Finale vorausgesehen und Esslingen hat es jedes Mal geschafft, die Experten eines Besseren zu belehren. Im Finale sind wir dann aber immer auf der letzten Rille dahergekommen und hatten völlig übermächtige Gegner. Da hatten wir nichts mehr entgegenzusetzen. Das hat nichts mit der Rolle des Vizemeisters zu tun, sondern wir haben damals schon immer über unseren Verhältnissen gekämpft. Wenn eine Flasche leer ist, ist sie leer.

Dieses Mal ist es anders?
Rein vom Papier her gibt es zwei starke Mannschaften. Das sind Abensberg und Esslingen, wobei Abensberg meines Erachtens sicherlich eine Idee stärker ist, wir haben in der Südstaffel in Abensberg schließlich mit 5:9 verloren. Aber die Mannschaften sind sehr eng beieinander. Die Tagesform wird entscheiden, wer den Sieg davonträgt, sofern beide Teams ins Finale kommen.

Welche Rolle spielt der Heimvorteil?
Für mich hat es früher als Kämpfer nicht viel ausgemacht, ob ich auswärts kämpfe oder zuhause. Ich kann mich fokussieren und total abschalten. Aber der Heimkampf nun ist natürlich vom Gefühl her schon etwas anderes. Ich hoffe, dass unsere Zuschauer unsere Athleten nach vorne peitschen und das Quäntchen zusätzlich ausmachen, das man auswärts vielleicht nicht hat.

Welche spezielle Vorbereitung steht bis Samstag an?
Viele Kämpfer müssen bis zum Kampftag ihr Gewicht reduzieren. Die Kämpfer aus der deutschen Nationalmannschaft sind mit dem Bundestrainer auf einem Lehrgang bis Donnerstag. Sie trifft es halt ein bisschen härter. Das ist von uns Sven Heinle, in anderen Mannschaften betrifft es aber auch einige Kämpfer. Jeder muss da ein paar abstellen.

Wie bereiten Sie sich selbst vor?
Ich werde mir viele Videos vom Gegner angucken, herausfinden, wo die Stärken und Schwächen der einzelnen Leuten liegen und ob ich Rückschlüsse auf die Aufstellung ziehen kann. Ich möchte alle zu Höchstleistungen motivieren. Ich bereite mich genauso vor wie früher, als ich selbst noch gekämpft habe.

Das Interview führte Karla Schairer.

Zeitplan und Modus

Zeitplan:

10 Uhr: 1. Halbfinale SUA Witten – KSV Esslingen (1. Durchgang)

10:50 Uhr: 2. Halbfinale TSV Abensberg – UJKC Potsdam (1. Durchgang)

11:40 Uhr: 1. Halbfinale SUA Witten – KSV Esslingen (2. Durchgang)

12:30 Uhr: 2. Halbfinale UJKC Potsdam – TSV Abensberg (2. Durchgang)

15 Uhr: Finale (1. Durchgang)

16:15 Uhr: Finale (2. Durchgang)

Modus:

Eine Mannschaft besteht in einem Durchgang aus sieben Judoka in den international gültigen Gewichtsklassen (bis 60, bis 66, bis 73, bis 81, bis 90, bis 100 und über 100 Kilogramm) mit einem Kilogramm Gewichtstoleranz. Im zweiten Durchgang sind mindestens drei Judoka neu einzuwechseln. 10 der 14 Einzelkämpfe sind durch deutsche
Judoka zu bestreiten.

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