Immer wieder wird in Plochingen illegal Müll abgestellt. Die Entsorgungskosten trägt die Allgemeinheit. Foto: oh

In Plochingen wächst die Müllflut: in der Stadt ebenso wie im Grünen. Da die Allgemeinheit die Kosten für die Entsorgung zahlt, bittet die Stadtverwaltung die Bevölkerung jetzt um Mithilfe.

Plochingen - Corona bringt nicht nur mehr Verpackungsmüll. In Plochingen wurde in letzter Zeit zudem gehäuft illegal Hausmüll im Stadtgebiet abgelegt, und auch Wald und Feld bleiben nicht verschont.

Die Stadtverwaltung hat eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie die Bürgerinnen und Bürger bittet zu melden, wenn sie beobachten, wie jemand Müll deponiert. „Dieses Problem tritt gerade öfter im Stadtgebiet auf“, sagt Öffentlichkeitsreferentin Ann-Kathrin Schranz. Nicht nur in den öffentlichen Müllbehältern, auch daneben werde Abfall abgelegt, der aus privaten Haushalten stamme. Mal lose, mal in großen schwarzen Säcken verpackt. Das geschieht in der Unterführung zum Neckar und zum Bruckenwasen ebenso wie in der Fußgängerzone, in den Parks, in den Lettenäckern oder am Teckplatz. Ziemlich dreist stellen Menschen alles Mögliche ab. Selbst in den Grünmüll-Containern am Friedhof finde man mittlerweile Unrat „von Windelmüll bis Bauschutt“, berichtet Bauhofleiter Christian Sachs. Kürzlich sei eine dieser 1,1-Kubikmetermulden komplett mit Bauschutt gefüllt gewesen: „Da sind dann die Rädchen abgebrochen“.

Soziale Kontrolle

Ordnungsamtsleiter Uwe Bürk setzt auf aufmerksame Mitmenschen, um dem Problem beizukommen. „Das muss über soziale Kontrolle laufen, die ganze Geschichte“, sagt er. Dass die städtischen Mitarbeiter jeden Beutel „durchstieren“ auf mögliche Hinweise nach demjenigen, der ihn abgelegt hat, sei schlicht unmöglich. Stattdessen sollten alle die Augen offenhalten. Schließlich sind alle von dem Problem betroffen, denn für die Entsorgung muss die Stadt bezahlen. Und dabei geht es nicht um Peanuts.

Zwischen neun und 15 Kubikmeter Müll sammeln die Bauhof-Mitarbeiter pro Woche ein, rund ein Drittel davon sei aber eigentlich privater Hausmüll, sagt Sachs. Im Außenbereich setze sich das Problem fort: „Die illegalen Müllentsorgungen nehmen grade auch im Feld und im Wald richtig zu“. Die Menschen zieht es in die Natur, samt Speisen und Getränken. Das werde seit dem Lockdown eindeutig mehr, so Sachs.

Mülleimer quellen über

Der Bauhof habe deshalb an einigen Stellen Mülleimer nachgerüstet, die aber oft nicht genutzt würden. Überhaupt sei der Effekt von zusätzlichen Papierkörben und Hundekotstationen begrenzt, weil ein Teil der Bevölkerung sie einfach ignoriere. Seit Corona werden auch Pizzakartons, Styroporboxen und ähnliche Lebensmittelverpackungen verstärkt zum Ärgernis. Sperrig und voluminös, bringen sie in kürzester Zeit die Mülleimer zum Überquellen und sind auch in der Landschaft verstreut. Zwei Bauhof-Mitarbeiter seien ausschließlich mit der Stadtreinigung, inklusive dem Leeren der Mülleimer, beschäftigt, sagt Sachs. Ergänzt würden sie durch einen privaten Dienst in den Parks und der Fußgängerzone am Wochenende. Draußen in Wald und Feld räumt das Bauhofteam ebenfalls regelmäßig auf. Bei großen Mengen und Gegenständen halte man dann doch nach Spuren der Missetäter Ausschau, manchmal durchaus mit Erfolg: Kontoauszüge, Verträge oder gar ein ausgedienter Personalausweis fanden sich schon in solchen Müllhaufen. Die Beweisführung sei aber trotzdem schwierig, sagt Sachs. Wer dingfest gemacht wird, kann sich jedenfalls auf eine saftige Geldstrafe einstellen: Laut dem Bußgeldkatalog Umwelt in Baden-Württemberg werden schon illegal deponierte Mengen über zwei Kilo mit 100 bis 800 Euro Bußgeld geahndet. Dabei gibt es auch für überquellende private Mülleimer eine Lösung: Für sechs Euro kann man einen 70-Liter-Restmüllsack erstehen, in Plochingen bei der Kreissparkassenfiliale.

Sperrmüll steht wochenlang am Straßenrand

Zu schaffen macht der Stadt zudem immer wieder Sperrmüll. Sachs beschreibt einen häufigen Fall: Jemand zieht um, stellt die Möbel am letzten Tag nach draußen, bestellt aber erst dann den Sperrmüll. Folglich stehen die Sachen drei bis vier Wochen am Straßenrand: Manchmal werden sie verstreut, häufig wird noch etwas dazugestellt. Wenn dann Dinge dabei sind, die auf diesem Weg nicht entsorgt werden dürfen – wie beispielsweise Waschmaschinen – ist nicht mehr nachvollziehbar, von wem sie kommen. Und wieder muss der Bauhof auf Kosten der Allgemeinheit tätig werden.

Wer die illegale Entsorgung von Müll beobachtet, kann das unter den Telefonnummern 07 153/70 05-307 und -308 bei der Stadt Plochingen melden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: