Kanzler Scholz mit der IBM-Spitze vor einem Modell des Ehninger Rechenzentrums Foto: /Stefanie Schlecht

Die IBM bekennt sich mit dem Quantenrechner zu Ehningen. Das ist gut so. Was noch fehlt, ist ein konkreter Nutzen für die hiesige Wirtschaft.

Die IBM hat Ehningen erneut zur Weltbühne gemacht. Schon im Sommer 2021 war der 9500-Einwohner-Ort für einen Moment im Blickpunkt der ganz großen Öffentlichkeit, als der erste kommerziell nutzbare Quantencomputer Europas in Betrieb genommen wurde. Die jetzige Erweiterung ist ebenso ein technologischer Paukenschlag und womöglich ist vielen Vertretern der hiesigen Wirtschaft und Politik gar nicht bewusst, zu was dieses Wunderding eigentlich fähig ist. Denn das ist die Kehrseite der glänzenden IBM-Medaille: Nur wenige Unternehmen und Universitäten sehen derzeit konkrete Anwendungsfelder für den Superrechner.

So war es bezeichnend, dass bei der anschließenden Pressekonferenz keine Vertreter hiesiger Unternehmen auf dem Podium saßen und von dem Nutzen des neuen Quanten-Rechenzentrums berichteten. Stattdessen der Materialwissenschaftler Javier Aizpurua der Universität des Baskenlandes und der stellvertretende Vorsitzende der französischen Großbank Crédit Mutuel, Frantz Rublé. Die IBM sieht das Ehninger Quanten-Rechenzentrum als Meilenstein der Quantenforschung in ganz Europa. Doch sowohl der weltweite IBM-Chef Arvind Krishna hatte Probleme bei der Aussprache des Ortes (Ähn-änga) als auch Bundeskanzler Olaf Scholz (Eh-n-hingen) beim Ablesen.

Der Hightech-Konzern hätte den Supercomputer überall aufbauen können. Hat er aber nicht. Die Verantwortlichen betonten die sehr gute Zusammenarbeit zwischen dem Böblinger Forschungslabor und der Konzernmutter in den USA. Diese habe maßgeblich dazu beigetragen, das System in Ehningen aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Menschliches Know-how am Standort ist eben doch ein entscheidender Faktor. Dieses Pfund gilt es zu hegen und zu pflegen. Stichwort: Fachkräfte-Gewinnung.

Der Kanzler und der Computer /Stefanie Schlecht

Wollen Deutschland, Baden-Württemberg und die Region Stuttgart den Wandel vom Industriestandort zur Digitalschmiede weiter vorantreiben, braucht es dafür vor allem die klügsten Köpfe. Hier tobt längst ein internationaler Wettbewerb der Regionen um top ausgebildete Kräfte, die sich entscheiden können, in welchem Erdteil sie ihr Talent einsetzen. Nur, bei allen Bemühungen und Fördergeldern der Politik: Deutschland hat hier noch eine Menge Hausaufgaben.

Hohe Abgaben, erdrückende Bürokratie

Im Land drückt eine vergleichsweise hohe Abgabenlast auf die Stimmung, die typisch deutsche Bürokratie hemmt unternehmerische Initiativen zunehmend und zu allem Überdruss fehlt es an erschwinglichem Wohnraum. Dies sind die Baustellen, an die die Regierungen in Bund und Land dringend ran müssen, schließlich stagniert die Wirtschaft im zweiten Jahr nicht so sehr aufgrund mangelnder Aufträge. Vielmehr fehlt es an vielen Stellen schlicht am Personal, um all die Arbeit zu erledigen.

Wäre es allein nach der IBM gegangen, hätte man das Rechenzentrum wohl lieber im nagelneuen Technology Campus eingeweiht, der nebenan entsteht, aber immer noch nicht fertig ist. Also blieb dem Konzern nur, den Kanzler in das Gebäude einzuladen, dass die IBM selbst besitzt: Das besagte Rechenzentrum hinter den leer stehenden Hauptgebäuden. So mussten die Medienvertreter über Laderampen geschleust und der Kanzler an einen Hintereingang kutschiert werden.

Hier rächt sich nun die Entscheidung, Gebäude nicht mehr selbst besitzen zu wollen, sondern sich stets nur in fremdes Eigentum einzumieten. Am sichtbarsten wird dies am ehemaligen Hauptsitz zur IBM-Allee hin, auf dem eigentlich die Quantum Gardens der Ozean Group erblühen sollten. Doch seit den Korruptionsvorwürfen an den Investor liegen das Projekt und die Bebauungspläne auf Eis. Der Ausgang: ungewiss.