Ein ökologisches und soziales Quartier soll bis 2027 in Leinfelden gebaut werden. Foto: picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Noch hat es keinen Spatenstich gegeben. Doch schon jetzt bietet das Neubauprojekt „KaepseLE“ an der Goldäckerstraße Gesprächsstoff.

Es soll ein zukunftsweisendes Wohnquartier werden. Bei der Vorstellung der Pläne für das Neubaugebiet „KaepseLE Goldäcker“ in Echterdingen während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats und lange vor dem Baubeginn führte das Vorhaben zu einer hitzigen Debatte. „KaepseLE“ ist ein Akronym und steht für „Klimaschutz und -anpassung durch emissionsfreies Bauen, Pflanzen, Stoffkreisläufe und Energievernetzung in Leinfelden-Echterdingen“. Während manche Stadträte mögliche Schwachpunkte ansprachen, betonten andere, dass der Bau doch möglichst bald beginnen sollte. Immerhin ist das Projekt auch Teil der Internationalen Bauausstellung IBA’27. Damit alles rechtzeitig fertig wird, sollten weder bei der weiteren Planung noch beim Bau Verzögerungen stattfinden.

„Bei keinem der Entwürfe sehe ich einen Radweg“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/FDP, Eberhard Wächter. Dabei sei ein Radweg bereits heute sinnvoll, denn die Goldäckerstraße werde von vielen Schülern auf dem Weg zum Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium genutzt. Die Stadtverwaltung versicherte, bereits an möglichen Ideen für einen Fahrradweg zu arbeiten. „Wir schauen, wo der Fahrradweg am besten verlaufen kann“, erklärte der Planungsamtsleiter Philipp Schwarz. Die Ideen sollen dem Gemeinderat bald vorgestellt werden.

Der Fahrradweg ist aus Wächters Sicht aber nicht der einzige Knackpunkt der bisherigen Planung. Ob es sinnvoll ist, viele Wohnungen und wenige Parkplätze zu bauen, dahinter machte er ein Fragezeichen. Schon heute herrsche in der Goldäckerstraße ein hoher Parkdruck, erklärte er. In der Quartiersgarage des „KaepseLE“ sind 180 Stellplätze vorgesehen. Hinzukommen einige oberirdische Stellplätze in dem Quartier, in welchem einmal rund 400 Menschen leben sollen.

Eine neue Straße ist geplant

Westlich des geplanten Wohngebietes könnte einmal eine Nord-Süd-Verbindungsstraße zwischen der Leinfelder Straße und der L1208 gebaut werden. Der Stadtrat Martin Klein (Bündnis90/Die Grünen) forderte, gegenüber den zukünftigen Einwohnern mit offenen Karten zu spielen und sie darauf hinzuweisen, dass über die neue Straße diskutiert werde und diese auch zu Verkehrslärm führen werde, sofern sie gebaut werde.

Andere Stadträte betonten indessen, dass das Projekt erst einmal in die Gänge kommen muss. Die derzeitige Planung sieht eine Fertigstellung im Jahr 2027 vor. „Das wird eng. Aber 2027 soll dort ein belebtes Wohngebiet sein“, meinte der Planungsamtsleiter Schwarz. „Wir wollen hören: Es wird gebaut!“, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch deshalb. Der Fraktionsvorsitzende der L.E. Bürger/Demokratie in Bewegung, Jürgen Kemmner, sah es ähnlich. „Jetzt bauen wir erst einmal das KaepseLE“, meinte er. Die angesprochenen Themen könnten auch noch zu einem späteren Zeitpunkt besprochen werden.

Im Neubaugebiet soll auf 1,9 Hektar ein ökologisches und soziales Quartier entstehen, das nach 15 Jahren klimaneutral sein soll. Das Quartier ist in drei Baufelder gegliedert, die jeweils von einem Investor bebaut werden. Im Baufeld Nord sind drei große Gebäude geplant, die jeweils aus zwei Baukörpern bestehen. Das Zentrum wird begrünt. Insgesamt sollen 61 Wohnungen gebaut werden. Als Baumaterial sollen vor allem Holz und Recycling-Beton verwendet werden. Im Baufeld Mitte sind sechs Wohnhäuser mit insgesamt 68 Wohnungen sowie einigen Seniorenwohnungen geplant. Alle Gebäude werden in Holzbauweise geplant. Zur Dämmung sollen Stroh und zerfaserte Altkleider verwendet werden. Im Baufeld Süd sind 86 Wohnungen in fünf Gebäuden und die Quartiersgarage geplant. Als Materialien sollen neben Holz recycelter Beton und Lehmgusselemente eingesetzt werden.