Beim Betreiben der Tüten-Boxen setzt die Stadt Stuttgart inzwischen vor allem auf Patenschaften. Freiwillige, die meist selbst Hundebesitzer sind, füllen nach Bedarf nach. Abfalleimer müssen in der Nähe sein.
Schön ist es auf der Rohrer Höhe: Der Wald ist quasi ums Eck, man kann da ganz ausgedehnte Spaziergänge machen. Das wissen natürlich auch die Hundebesitzer zu schätzen, entsprechend viele sind unterwegs. Wie es sein muss, haben die meisten einen Plastik-Kotbeutel dabei, um die Hinterlassenschaften ihrer Hunde aufzusammeln. Doch dann: Wohin damit? Manch einer trägt den gefüllten Beutel eine Viertel- , andere eine halbe oder gar eine ganze Stunde mit sich, lassen ihn dann aber mehr oder weniger dezent am Wegrand fallen. Und manche, die die Ecke kennen, fangen erst gar nicht an, den Kot aufzusammeln. Denn sie wissen: Hier auf der Rohrer Höhe gibt es weit und breit keinen Abfallkorb, wo man diesen Beutel sachgerecht entsorgen könnte.
Das geschieht mit der Hundesteuer
Unsere Leserin S. hat verschiedene von diesen Gassigängertypen dezent von hinten fotografiert, hier soll ja niemand persönlich bloßgestellt werden. Denn eigentlich will sie etwas ganz anderes wissen: Wofür wird in Stuttgart die Hundesteuer verwendet und warum unternimmt die Stadt nicht alles, dass der Wegrand sauber bleibt? Sprich: Warum gibt es auf der Rohrer Höhe wenig Beutelspender und keine Abfalleimer?
Als Gegenbeispiel nennt sie unsere Nachbarn, die Schweizer: „Überall, wo sich Mensch und Hund bewegen, sind Behälter mit Tütchen und Behälter zum Entsorgen aufgestellt. Diese werden regelmäßig befüllt und geleert. Das wird durch die Hundesteuer finanziert. Dafür gibt es eine saftige Strafe, wenn der Haufen liegenbleibt. Gut so. Hier könnte sich Stuttgart ein Beispiel nehmen.“
Hundebesitzer sind in der Verantwortung
In Sachen Hundesteuer teilt die Stadt mit, dass diese Einnahmen vollständig in den allgemeinen Haushalt gehen ohne Verwendungszweck oder sonst eine Gebundenheit oder Etatisierung. Das ist mit vielen anderen Steuern auch so, ebenso bei Gebühren, Bußgelder oder anderen Einnahmen der Stadt. „Das Aufstellen von Hundetütenspendern ist eine freiwillige Serviceleistung der Stadt Stuttgart. Es besteht kein Anspruch auf die flächige Aufstellung. Es sollte für Hundebesitzer selbstverständlich sein, dass eigene Tüten stets zur Entsorgung der Hinterlassenschaften der Hunde mitgeführt werden sollen“, teilt eine Sprecherin der Stadt mit. Freilich gibt sie auch zu: „Dennoch werden wir immer wieder mit dem Selbstverständnis von Hundebesitzern konfrontiert, dass doch Hundesteuer bezahlt wird und man dafür diesen Service erwarten könne“.
Patenschaften für die Beutelboxen
Und da kommt ja auch was zusammen:16 880 Hunde waren am 1. Januar 2023 als Steuerzahler gemeldet in der Stadt bei steigender Tendenz. Und von denen wurde 2022 insgesamt 1,9 Millionen Euro eingenommen. Für die Tütenspender wurde 2002 das Patenschaftsmodell eingeführt: Freiwillige erklären sich bereit zur Betreuung eines solchen Spenders. Naheliegenderweise sind das selbst Hundebesitzer, die dort in nächster Nähe wohnen. Derzeit gibt es 195 Menschen mit solchen Patenschaften, Anträge von weiteren 40 liegen vor. Unabhängig davon stellt das Amt für Abfallwirtschaft (AWS) ebenfalls Tütenspender auf ohne Paten. Derzeit sind das 184 Spenderboxen. Damit gibt es also fast 400 solcher Einrichtungen in der Stadt. Der Unterschied der beiden Betreiber: Die AWS schaut auf die Bedürfnisse im Straßenraum, die Paten auf jene in den Grünanlagen, sind deshalb dem Garten- , Friedhofs- und Forstamt (GFF) zugeordnet.
Begutachtung vor Ort
Inzwischen werden laut Mitteilung der Stadtsprecherin nur noch dort Tütenspender aufgestellt, wo sich auch ein Pate zur Betreuung bereit erklärt hat. Hier kommen die Bezirksvorsteher der Stadtteile und ihre Gremien ins Gespräch. Die machen entweder selbst Vorschläge, wo solche Boxen aufgestellt werden sollen oder sie bewerten entsprechende Vorschläge aus der Bevölkerung. Und dann schauen sich noch AWS und GFF diesen Ort an, ob es sich hier um eine gut frequentierte Hundelaufstrecke handelt oder nicht.
Das ist die Situation in Rohr
Die Vorteile bei den freiwilligen Betreuern liegen auf der Hand: „Hier verbessert sich erfahrungsgemäß die Sauberkeit nach der Aufstellung eines Tütenspenders, weil die Paten im Netzwerk der Hundebesitzer als positive Hundeführer ein gutes Beispiel geben“, so die Stadt-Sprecherin. Dafür erhalten die Freiwilligen einen Schlüssel für die Box und einen Karton für die Tüten, da ja davon auszugehen ist, dass hier stets bei Bedarf nachgefüllt wird. Die AWS kann dies bei ihren Boxen nur einmal in der Woche erledigen im Rahmen der allgemeinen Müllentleerung. Wichtig ist noch für die Standortfrage: „Die Bedingung ist, dass ein Mülleimer in der Nähe ist“, so die Stadtsprecherin, „aber letztlich liegt die Sauberkeit an der Disziplin der Hundeführer“.
Und in Rohr sieht die Situation für die Stadt so aus: „Es gibt im Rohrer Park und bei der Grünanlage Thingstraße einen Hundetütenspender. Bei beiden gibt es in nächster Nähe einen Abfalleimer. Weiteres dazu ist in Rohr nicht bekannt“.