Horst Böhm, Adolf Iby und Siegfried Bärenstecher (von links) sind Schiedsrichter durch und durch. Quelle: Unbekannt

Adolf Iby hat beim EZ-Pokal seinen Abschied gegeben.

EsslingenAls Fußballspieler 2500 Spiele bestreiten? Unmöglich. Als Schiedsrichter? Unfassbar schwierig. Doch genau das hat Horst Böhm am vergangenen Mittwoch beim EZ-Pokal geschafft. Bei der Partie zwischen dem TSV Deizisau und dem TSV Baltmannsweiler machte der langjährige Referee das Jubiläum perfekt. Als Andenken überreichten ihm die Deizisauer ein Trikot. Mittlerweile ist Böhm seit exakt 50 Jahren Schiedsrichter im Bezirks Neckar/Fils – genauso lang wie Siegfried Bärenstecher. Dieser hat den Meilenstein von 2500 geleiteten Spielen bereits hinter sich, in seiner Vita stehen etwa 2700 Partien. Doch beide haben noch nicht genug. „Wir machen noch mindestens eine Saison weiter. Nach der Runde schauen wir dann, wie es aussieht“, erzählt Böhm.

Nicht so Adolf Iby: Der 75-Jährige bestritt beim EZ-Pokal sein Abschiedsspiel, nach 40 Jahren hängt das Schiedsrichter-Urgestein die Pfeife an den Nagel. „Irgendwann muss es auch mal reichen“, sagt Iby, der wie Bärenstecher der Schiedsrichtergruppe des FV Neuhausen angehört. Böhm pfeift für den TSV Harthausen. Der Grund für Ibys Ausscheiden ist nicht, dass nach so langer Zeit auf dem Spielfeld die Leidenschaft verloren gegangen wäre. Im Gegenteil: „Es macht mir großen Spaß, sonst hätte ich das auch nicht 40 Jahre lang gemacht. Doch man muss einfach sehen: Ich bin mittlerweile 75 Jahre alt.“ Er ergänzt: „Fit fühle ich mich trotzdem noch.“ Hardy Wolf, Schiedsrichter-Obmann des Bezirks, hätte es allen drei Haudegen noch zugetraut: „Wir vertrauen ihnen da vollkommen. Das eventuell fehlende Stellungsspiel machen sie mit ihrer Erfahrung mehr als wett.“

Böhm, Bärenstecher, Iby – sie alle lieben den Fußball. Auch wenn sich das Spiel während der vergangenen Jahrzehnte an der einen oder anderen Stelle ein wenig verändert hat. Ein negatives Beispiel sind die verbalen Beschimpfungen. Doch Iby stört nicht das Gemecker der Spieler, sondern in erster Linie das der Zuschauer: „Was einem da teilweise von außen an den Kopf geworfen wird, geht einfach überhaupt nicht.“ Die Diskussionen mit Spielern auf dem Feld haben sich vor allem im Jugendbereich vermehrt, bestätigen alle drei Referees. Doch sie sehen darüber hinweg. Oder besser gesagt, sie hören einfach weg. „Irgendwann schaltet man da ab. Man kann nicht auf alles eingehen. Und glauben sollte man den Spielern und Zuschauern sowieso nicht alles“, sagt Böhm. Bärenstecher bestätigt das und erinnert sich an eine alte Schiedsrichter-Weisheit, nach der er seit Jahren vorgeht: „Als Referee sollte man viel sehen und wenig hören.“

Nicht nur in diesem Bereich profitieren die drei Schiedsrichter von ihrem riesigen Erfahrungsschatz. Sie wissen, worauf es beim Pfeifen ankommt. „In erster Linie muss man Spaß daran haben. Außerdem sollte man extrem regelsicher sein und über ein gewisses Durchsetzungsvermögen verfügen“, sagt Böhm. Dann gibt er dem Nachwuchs noch einen Tipp: „Die ersten zehn Minuten müssen dem Schiedsrichter gehören. Du musst direkt klar machen, wer der Boss ist. Wenn du anfangs unsicher auftrittst, wird es schwer – denn die Spieler merken das und versuchen, es auszunutzen.“

Bei den drei erfahrenen Referees läuft das jedoch nicht. In ihrer Karriere haben sie schon so einiges mitgemacht und erlebt – überwiegend Schönes: Bärenstecher, der in früheren Jahren bis zur Verbandsliga gepfiffen hat, durfte zum Beispiel 1985 das Spiel des TSV Berkheim gegen die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft leiten. Mit dabei waren Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer und Wolfgang Overath. Und Böhm erinnert sich gerne an zwei Pokalspiele des VfB Stuttgart, bei denen er als Linienrichter die Fahne schwenkte.

Heute pfeifen die beiden hauptsächlich in der Kreisliga A, hin und wieder sind sie auch bei Spielen der Kreisliga B und der Bezirksliga im Einsatz. Wenn sie so weiter machen, wer weiß, vielleicht fällt dann schon bald der nächste Meilenstein.

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