Eine Renaturierung des Talbachs könnte in Zukunft dabei helfen, Hochwasser an dieser Stelle zu verhindern. Ein Regenrückhaltebecken wird es wohl nicht geben. Foto: /Tim Kirstein

Der Hochwasserschutz ist ein wichtiges Thema für Hochdorf. Der Bürgermeister hat nun einen ersten Ausblick auf künftige Maßnahmen gegeben – aber nicht alles Wünschenswerte wird möglich sein.

Drei Hochwasser innerhalb von sechs Jahren – das ist die Bilanz der Gemeinde Hochdorf. Im Bereich um den Talbach, wo die Bachstraße das Gewässer kreuzt, gab es erst Anfang Juni erneut Schäden in Millionenhöhe. Obwohl die Kommune bereits einige Vorkehrungen getroffen hatte, forderten viele der Betroffenen weitergehende Maßnahmen, vor allem Regenrückhaltebecken.

Bislang sind diese an der Wirtschaftlichkeitsrechnung und den dadurch fehlenden Fördermitteln gescheitert. „Ohne diese Mittel ist ein Regenrückhaltebecken außerhalb unserer Reichweite“, sagt der Bürgermeister Gerhard Kuttler. Nach mehreren Gesprächen mit Abgeordneten, dem Ministerium, dem Regierungspräsidium, dem Landratsamt, den Nachbargemeinden am Oberlauf des Talbaches sowie einer ersten Sitzung des Hochdorfer Hochwasser-Ausschusses gebe es nun aber einige Möglichkeiten.

Für den Tobelbach immerhin „scheint die erforderliche Wirtschaftlichkeit zumindest erreichbar“, sagt Kuttler. Das Regierungspräsidium habe zwar noch kein Ergebnis seiner Prüfung vorgelegt, jedoch sei er optimistisch. Das Becken soll so geplant werden, dass es etwas mehr als das sogenannte Hundertjährige Hochwasser zurückhalte, erklärt er. „Aber selbst dann wird es keinen hundertprozentigen Schutz geben“, macht er klar. Bei einem Starkregenereignis wie Anfang Juni würde auch dieses Becken irgendwann volllaufen. Es könnte den Betroffenen jedoch auch in diesem Fall wertvolle Zeit schenken.

Nach Aussage der beteiligten Stellen müsse Hochdorf allerdings damit rechnen, dass das Rückhaltebecken frühestens in fünf Jahren fertig sei, sagt der Bürgermeister. Zunächst sei neben einem wasserrechtlichen Verfahren und einem Planungsverfahren auch Grunderwerb erforderlich.

Beim Talbach allerdings „wird die Wirtschaftlichkeit weit jenseits des Erreichbaren bleiben“, sagt Kuttler. Selbst ein mehrere Meter hohes Becken hätte im Juni nicht gereicht. Die Verwaltung wolle jedoch auf die Betroffenen zugehen und ihnen private Objektschutzmaßnahmen nahelegen. Diese könnten in einem vom Gemeinderat bestimmten Umfang bezuschusst werden.

Zwar wird es am Talbach in naher Zukunft also kein Rückhaltebecken geben, jedoch soll der Hochwasserschutz weiter vorangetrieben werden. „Am Talbach würden wir trotz allem als Sofortmaßnahme am Waldrand einen Grobrechen errichten“, sagt Kuttler. Dieser könne größere Objekte wie Stämme oder Äste zurückhalten. Momentan fehle noch die Genehmigung des Landratsamtes. Mittelfristig könne sich am Talbach vor allem im Bereich der Bachstraße einiges tun. „Wir wollen das Landratsamt davon überzeugen, den Brückenquerschnitt zu vergrößern und dadurch die Durchlassmenge zu erhöhen“, erklärt Kuttler.

Die Brücke am Feuerwehrhaus bildet bei Hochwassern eine Engstelle für die Wassermassen, was zu Überflutungen führt. Da es sich bei der Straße jedoch um eine Kreisstraße handele, müsse man mit dem Landratsamt zusammenarbeiten. Auch die Querneigung der Straße, die den Rückstau des Wassers begünstige, könnte mit Zustimmung des Landratsamts verändert werden, sagt der Bürgermeister. Einen weiteren Ansatz sieht er in der Aufwertung und Renaturierung des Talbachs zwischen der Feuerwehr und der Bushaltestelle „Talbachbrücke“.

Die meisten Maßnahmen zum Hochwasserschutz in Hochdorf können vermutlich erst in den nächsten Jahren angegangen werden. Bei dem Regenrückhaltebecken am Tobelbach wolle sich die Gemeinde jedoch beeilen, heißt es seitens der Verwaltung. Sobald Sicherheit über die Förderfähigkeit des Beckens bestehe, wolle man sich im Gemeinderat mit dessen Umsetzung beschäftigen.

Hochwasserschutz in Hochdorf

Warnsystem
Das Flutinformations- und Warnsystem Fliwas des Landes Baden-Württemberg soll Gemeinden dabei unterstützen, Hochwasser früher und präziser vorhersagen zu können. Auch in Hochdorf will man das System perspektivisch nutzen.

Rückhaltebecken
Der Tiefpunkt der Straße zwischen Notzingen und Roßwälden stellt laut dem Bürgermeister bereits den Wall eines Rückhaltebeckens dar. Langfristig wille man den Landkreis dafür gewinnen, die Straße höher zu legen und somit auch den Wall zu erhöhen.

Hochwasserschutz
In den vergangenen Jahren wurden in Hochdorf das Einlaufbauwerk am Tobelbach verbessert und Pegelsensoren eingebaut, die vor ansteigendem Wasser warnen sollen. Viele betroffene Haus- und Wohnungseigentümer haben Schotten vor den Haustüren eingebaut oder ihre Kellerschächte abgedichtet.