Studieren? Ja. Aber was? An den Hochschulen im Landkreis Esslingen in Nürtingen und Esslingen gibt es klare Favoriten in der Gunst der Erstsemester. Was Studienanfänger lieben und was nicht.
Es gibt die beliebten Cracks. Und es gibt die weniger geliebten Stiefkinder. Der Run auf einzelne Studienfächer an den Hochschulen im Kreis in Esslingen und Nürtingen ist unterschiedlich stark.
Evergreen bleibt Evergreen. Die Favoriten von gestern sind auch die Favoriten von heute. Die Klassiker Betriebswirtschaft, Wirtschaftspsychologie und Immobilienwirtschaft sind an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) seit Jahren klassisch beliebt. Diese Studiengänge hätten die höchsten Bewerberzahlen, verrät Pressesprecher Udo Renner. Unbeliebtere Fächer nennt er nicht.
Bei der Hochschule Esslingen liegen die „etwas weniger gut nachgefragten Studiengänge eher im Bereich der Technik und Pflege“, sagt Pressefrau Christiane Rathmann. Das hänge mit dem demografischen Wandel zusammen: „Es gibt einfach weniger junge Leute.“ Und ein allgemeiner Trend schlage sich auch hier nieder: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die MINT-Studiengänge, würden seltener gewählt, weil sie als schwer gelten würden: „Alle Hochschulen und Universitäten bundesweit verspüren diese Entwicklung – und wir sind eine mehrheitlich technisch orientierte Hochschule.“
Esslinger Favoriten
Zu den „Highscorern“ in der Gunst der Studierenden gehören in Esslingen dennoch der recht neue Studiengang IT-Sicherheit mit 92 Bewerbungen auf 15 Plätze und Soziale Arbeit mit 326 Bewerbungen auf 93 Plätze. In der Wirtschaftsinformatik drängelten sich 173 Interessenten um 35 Plätze, bei der Angewandten Informatik waren es 135 Bewerber auf 15 Plätze. Studienfächer mit weniger Bewerbern würden dennoch starten: „Zugleich prüfen wir hochschulintern, ob oder wie Anpassungen notwendig sind.“
Däumchen drehen müssen Dozenten beider Hochschulen nicht. Im Sommersemester starten in Esslingen etwa 806 Erstsemester. „Die Hochschule ist damit sehr gut ausgelastet“, freut sich Christiane Rathmann. Im Sommersemester 2024 waren es 860 Studienanfänger, im Vorjahr 700 Neulinge gewesen. Schwankungen könne es immer geben. Das liege zum einen daran, dass Bewerber von Jahr zu Jahr unterschiedliche Studieninteressen und -vorlieben hätten. Auch die Zahlen derer, die einen Studienplatz erhalten und diesen auch antreten, würden sich von Jahr zu Jahr ändern.
Nürtingen meldet ebenfalls gute Belegzahlen. Alle Anfängerplätze seien im kommenden Sommersemester in Summe nahezu belegt und die Studierendenzahlen konstant, sagt Udo Renner. Insgesamt starten seinen Worten zu Folge zum Sommersemester etwa 400 Studienanfänger in den Bachelor-Fächern und knapp 200 in den Masterstudiengängen: „Wie in den vergangenen Semestern ist die Zahl der Frauen bei den Erstsemestern, wie insgesamt bei den Studierenden, leicht höher als bei den Männern.“
In Esslingen ist Studieren noch immer überwiegend männlich: Von den 780 Erstsemestern waren nur 264 weiblich. Doch die Hochschule tut viel zur Unterstützung aller Studierenden. Sie hat aktuell ein Ergänzungssemester im Angebot, das sich vor allem an Studierende des zweiten Bildungsweges richtet: „Dabei handelt es sich um ein Zusatzsemester nach dem ersten oder zweiten Semester, um fehlenden Stoff nachzuholen.“ Das Konzept dafür werde gerade erstellt und soll als Pilotprojekt in etwa einem Jahr starten.