Erstsemester-Begrüßung im Neckarforum in Esslingen: Zum Wintersemester 2025/2026 kamen 1523 neue Studierende an die Hochschule. Foto: Focus-F/Lea Theweleit

Studieren ist wieder in. Zumindest im Kreis Esslingen. Die Hochschulen in Esslingen und Nürtingen freuen sich über einen wahren Run an Erstsemestern.

Studieren – ja bitte. Einsam muss sich an den Hochschulen in Esslingen und Nürtingen niemand fühlen: Die Erstsemester kamen in Scharen.

Ob wohl die Sektkorken geknallt haben? Die Hochschule Esslingen meldet so viele Erstsemester wie noch nie: „Zum Wintersemester 2025/2026 haben wir rekordverdächtige 1523 Erstsemester begrüßt“, teilt Professor Martin Stämpfle als Prorektor für Lehre und Weiterbildung mit. Insgesamt studieren in Esslingen etwa 6400 junge Erwachsene. Die hohen Anmeldezahlen werden mit Umstrukturierungen begründet: „Wichtige strategische Veränderungen wurden vorgenommen, neue Studiengänge angeboten, die Inhalte in bestehenden Studiengängen aktualisiert und unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärkt.“ Unter den Newcomern sind ein Drittel Frauen, zwei Drittel Männer. Denn noch immer wählen mehr Männer einen technischen Studiengang, während die Frauen eher in die Fakultät Soziale Arbeit, Bildung und Pflege drängen.

Rund 1200 Studienanfänger haben sich an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen zum Wintersemester eingeschrieben. Foto: Ines Rudel

In Nürtingen ist es umgekehrt. An der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) ist laut Udo Renner als Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Frauenanteil leicht höher. Rund 1200 Studienanfänger unter insgesamt knapp 5400 Studierenden wurden gezählt. Die Zahlen seien damit leicht gestiegen: „Über die Gründe, die über die Attraktivität der Hochschule und der Studienangebote hinausgehen, können wir nichts sagen.“

Studiengänge, die bei Studierenden durchfallen, gibt es nicht

Studiengänge, die bei Studierenden glatt durchfallen, scheint es an beiden Hochschulen nicht zu geben. Unbeliebte Fächer werden auf Nachfrage keine genannt. Beliebte Primusse dagegen schon. Ganz oben in den Esslinger Beliebtheitscharts rangiert die Soziale Arbeit mit 826 Bewerbungen auf 114 Plätze – gefolgt von Digital Business mit 468 Bewerbungen auf 20 Plätze und Wirtschaftsingenieurwesen mit 418 Bewerbungen auf 105 Plätze. „Auch alle anderen Studiengänge sind sehr gut nachgefragt. Insgesamt haben uns knapp 6000 Bewerbungen für die 1383 Studienplätze erreicht“, teilt Martin Stämpfle mit.

Ungeliebte Außenseiter kann auch die Hochschule Nürtingen nicht vermelden: „Betriebswirtschaftslehre etwa gehört zu den größten Studiengängen. Aber insgesamt kann man sagen, dass mit Blick auf die jeweilige Zahl der Studienplätze alle Studiengänge beliebt sind und nachgefragt werden.“ Gestrichen werde müsse mangels Studierenden nichts, sagt Udo Renner: „Die wenigen Studiengänge, die nicht voll belegt sind, sind in der Regel mindestens zu etwa 90 Prozent ausgelastet.“

An beiden Hochschulen im Kreis Esslingen ist die Anzahl der neu Studierenden zum Wintersemester 2025/2026 gestiegen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Genaue Zahlen zu den Abbrechern liefern beide Hochschulen auf Nachfrage nicht. Grundsätzlich seien die Quoten bei technischen Studiengängen höher, heißt es aus der Hochschule Esslingen. Gründe für einen Abbruch oder Wechsel gebe es viele: Finanzielle Schwierigkeiten etwa, wenn zu viele Jobs neben dem Studium anfielen. Familiäre oder gesundheitliche Probleme, das Nichtbestehen von Prüfungen, ein Hochschulwechsel wegen eines Umzugs oder die Entscheidung für ein anderes Studienfach. Es werde intensiv an dem Thema Abbrecherquoten gearbeitet, so Martin Stämpfle. In der Planung sei etwa ein Ergänzungssemester speziell für Studierende des zweiten Bildungswegs. In einem Zusatzsemester nach dem ersten oder zweiten Semester solle fehlender Stoff nachgeholt werden. Das Konzept werde gerade erarbeitet. Ein Pilotprojekt solle in etwa einem Jahr starten.