Sie organisieren und unterstützen das Orientierungssemester an der Hochschule Esslingen: Katja Möhle-Stöhr,Dekan Martin Stämpfle, Prorektorin Marion Laging (im Raum),Student Marcel Sticher sowie Sarah Baronner, Nathalie Verné und Lara Charlotte Stoll (auf dem Bildschirm). Foto: Roberto Bulgrin

Abitur in der Tasche. Was nun? Was tun? Das Ausbildungsangebot ist riesig. Die Entscheidung für einen Beruf ist eine Entscheidung fürs Leben. Unsicherheit, Unerfahrenheit oder fehlende Beratung erschweren die Auswahl. Darum startet an der Hochschule Esslingen im März ein Orientierungssemester mit vielen Vorteilen.

Esslingen - Er hat seinen Weg gefunden – auf Umwegen. Marcel Sticher war gerade 17 Jahre alt, als er sein Abitur machte. Was nun? Was tun? Er tat sich schwer mit der Entscheidung für den weiteren Berufsweg. Ein realistischer Einblick in die Studienmöglichkeiten fehlte, sagt der heute 25-Jährige im Rückblick. Er fühlte sich überfordert, allein gelassen, nicht gut beraten. Also studierte er erst einmal Biologie. Ein Irrtum, wie er heute weiß. Erfahrungen, mit denen die Lehrenden an der Hochschule Esslingen immer wieder konfrontiert sind. Das G 8, der achtjährige Weg zum Abitur, sorgt zwar für einen schnelleren Schulabschluss und ein jüngeres Alter der Absolventen, erklärt Dekan Martin Stämpfle, doch die jungen Leute sind unerfahren, unsicher, unbedarft bei ihren Studienplänen. Und das Ausbildungsangebot ist riesengroß – allein in Esslingen stehen 28 Bachelor- und 14 Masterstudiengänge zur Wahl. Die Folgen: Fehlentscheidungen, hohe Abbruchquoten, Wechsel des Studienfachs, Unzufriedenheit mit der Ausbildung, schwieriger Berufseinstieg. Darum hat die Hochschule Esslingen ein kostenloses Orientierungssemester ins Leben gerufen. Start ist laut Prorektorin Marion Laging im Sommersemester, 35 Plätze werden angeboten, die Bewerbungsfrist läuft bis Sonntag, 28. Februar, und es ist auch als Verstärker für das achtjährige Turbo-Abitur gedacht.

Ein individueller Stundenplan

Die Biologie war nicht sein Ding. Das merkte Marcel Sticher bald. Zudem erfuhr er, dass eine Promotion seine Berufschancen in diesem Fach erheblich verbessern würde. Dazu aber fehlte ihm die Bereitschaft, auf eine längere Studienzeit hatte er keine Lust. Also hing er sein Studium nach zwei Semestern an den Nagel und startete eine Ausbildung im chemischen Bereich. Ein Angebot wie das Orientierungssemester hätte ihm diese unangenehmen Erfahrungen erspart, meint der junge Mann heute. „startES“ nennt die Hochschule Esslingen ihr neues Baby, in dessen Entwicklung sie viel Mühe gesteckt hat. Absolventen können während eines ganzen Semesters „Studieren probieren“, Entscheidungshilfen und Begleitung bekommen. Am Ende erhalten Teilnehmende ein Zertifikat und einen Bonus, sollten sie sich für die Belegung eines regulären Studiengangs in Esslingen entscheiden. Los geht das Orientierungssemester aber mit einer Einführungswoche vor dem Beginn des eigentlichen Semesters von Montag, 8., bis Freitag, 12. März. In dieser „Assessment-Woche“, die wegen Corona online organisiert wird, werden täglich ab 8.30 Fähigkeiten und Interessen der Teilnehmenden ermittelt, Entscheidungsfindungen erleichtert, Beratungen angeboten und Gespräche mit Studierenden im World Café vermittelt. Auch eine Campusführung und ein Kennenlernen der Hochschule Esslingen stehen auf dem Terminplan, erklärt die für die Organisation mit zuständige Sarah Baronner. Am Ende soll jeder Teilnehmer einen individuell gestalteten Stundenplan haben, der ihn oder sie durch das Semester führt.

Mathe leicht gemacht

Seine Ausbildung zum Lacklaboranten machte Marcel Sticher so großen Spaß, dass er ein Studium anhängen wollte. An der Hochschule Esslingen ist im Fach Chemie eine Spezialisierung im Bereich Lacke und Farben möglich. Ideal für ihn. Doch er war unsicher. Die Schule lag länger zurück, Physik hatte er abgewählt, Mathematik war nicht sein Paradefach gewesen. Er hat sich trotz aller Bedenken für das Studium entschieden. Alles lief gut, im nächsten Semester schreibt er seine Bachelorthesis, vielleicht hängt er noch ein Master-Studium an: „Es waren die richtigen Entscheidungen.“ Doch die Umwege im beruflichen Weg von Marcel Sticher hätten sich nach Ansicht der Hochschule vermeiden lassen – durch das Orientierungssemester. Es ist in drei Module aufgeteilt. „Studieren realisieren“ ermöglicht eine Studienfach- und Berufsfelderkundung, Studiengestaltung, das Aufzeigen von Perspektiven und Beratung. Unter der Devise „Im Studieren profitieren“ können Teilnehmer Schlüsselqualifikationen erwerben und vertiefen, erklärt Lara Charlotte Stoll. Vermittelt werden Teambildung oder Selbstmanagement, und in jeweils vier Wochenstunden Mathematik und Physik können Lücken geschlossen werden, ergänzt Nathalie Verné. „Studieren probieren“ schließlich ist die Überschrift für das dritte Modul, bei dem in reguläre Veranstaltungen an der Hochschule hineingeschnuppert werden kann. Teilnehmer des Orientierungssemesters können sich aus 40 Vorlesungen, Seminaren oder Workshops das für sie Passende heraus­suchen. Eine Teilnahme an Prüfungen ist möglich. Erfolge werden angerechnet, das Durchfallen nicht. Eine Luxussituation, findet Marcel Sticher: „Ich wünschte, ich hätte nach meinem Schulabschluss ein solches Angebot gehabt.“

Die Bewerbung

Anmeldungen werden bis Sonntag, 28. Februar, unter www.hs-esslingen.de/startes entgegen genommen. Fragen dazu können laut Katja Möhle-Stöhr per E-Mail unter orientierungssemester@hs-esslingen.de gestellt werden.

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