Vereinsmitglieder bei der Vorbereitungen zum Hochdorfer Kunstsommer. Foto: Tim Kirstein

Lange war es still um den Hochdorfer Kulturring geworden, nun ist er wieder da. Mit einer Aktion wollen die Mitglieder zeigen, wie Kunst auf dem Dorf gelingen kann.

Der große Saal in der Hochdorfer Friedenskirche gleicht in diesem Sommer einem Künstler-Atelier. In der Ecke stehen einige Skulpturen, auf den Tischen liegen Kleister, Klebstift und weißes Papier, aus dem auch die Kunstwerke bestehen. Der „Kunstsommer 2025“ ist der erste seiner Art und wird vom Kulturring Hochdorf in Zusammenarbeit mit der Initiative „Dorfwerken“ organisiert. Für den K
ulturring ist das Projekt die Fortsetzung einer erfolgreichen Wiedererweckungs-Geschichte.

Der Kulturring wurde 1989 gegründet. „Man kam zur Überzeugung, dass man für die kulturelle Weiterentwicklung im Ort einen Verein braucht“, erklärt Bernd K. Lörz, Sprecher des Vorstands. Der Verein führte in der damals neu errichteten Breitwiesenhalle Theaterstücke auf oder machte Kabarett. Bis 2006 bereicherte der Kulturring das kulturelle Leben Hochdorfs. „Dann war erstmal die Luft raus“, sagt Lörz. Der Verein fiel in eine Art Dornröschenschlaf – bis zum vergangenen Jahr.

Kunst und Kultur in Hochdorf – „Ob man in einem Dorf mit so etwas Resonanz findet?“

In der Malgruppe der Hochdorfer Initiative „Dorfwerken“ sei 2024 die Idee aufgekommen, eine Ausstellung zu organisieren, erklärt Lörz. Die Ausstellung sollte auch zeigen, ob eine Wiederbelebung des Kulturrings möglich sei. „Wir wollten einfach mal versuchen, ob man in einem Dorf wie Hochdorf mit so etwas überhaupt Resonanz finden kann“, erklärt Lörz. Das Ergebnis, eine an allen Tagen ausgebuchte Ausstellung, ermutigte die Verantwortlichen.

Einige Hürden mussten sie vor der Wiedererweckung des schlummernden Kulturvereins jedoch noch nehmen. Die Suche nach den Mitgliedern stellte sich als durchaus fordernd heraus, da einige weggezogen oder gar verstorben waren. „Nach so langer Zeit weiß man teilweise auch nicht mehr, dass man in dem Verein ist“, erklärt Lörz. Nach der erfolgreichen Suche folgte dann im März 2025 die erste Mitgliederversammlung, bei der auch ein neuer Vorstand gewählt wurde. „Man muss erstmal alles Organisatorische regeln“, sagt Lörz. Mittlerweile hat der Verein etwa 50 Mitglieder. „Das ist eine gute Basis“, meint Lörz.

Fast zwanzig Jahre später: Wiederbelebung nach dem Ende 2006

Doch die Mitglieder des Kulturrings wollen nicht dort ansetzen, wo 2006 aufgehört wurde. „Wir wollen nicht den alten Verein wiederbeleben, sondern einen Kulturring schaffen, der ein anderes Verständnis von Kultur im Dorf hat“, erklärt Lörz. In der Region gebe es ein reichhaltiges Kulturangebot mit Museen, Theatern und mehr. Der Kulturring in Hochdorf solle sich mit seinen Mitgliedern entwickeln. „Es geht um den Austausch und darum, Menschen zu kulturellem Tun zusammenzuführen“, erklärt Lörz. Der Kulturring solle dafür als Verein lediglich den Rahmen schaffen und die richtigen Leute mit ihren Ideen zusammenbringen. „Der Kern ist das Dorf“, sagt Lörz.

Für das Projekt „Kunstsommer 2025“ gibt es eine besondere Vorgabe: Als Werkstoff darf nur weißes Papier genutzt werden. Foto: Tim Kirstein

Für seine Aktionen nutzt der Kulturring die Friedenskirche, vor der noch immer ein bunt bemalter Baum an die Kunstaktion aus dem vergangenen Jahr erinnert. „Die Friedenskirche ist unser Dreh- und Angelpunkt“, sagt Lörz. Die Gemeinde hatte das Gebäude im Jahr 2019 gekauft, um es für die Vereinsarbeit zu nutzen. „Die Räume schreien eigentlich gerade danach, in ihnen Kultur zu machen“, findet Lörz. In den Saal wurden inzwischen Galerieschienen eingebaut und auch die alte Lautsprecheranlage der Kirche wurde reaktiviert.

Filmclub-Abende in der Hochdorfer Friedenskirche

Die Lautsprecher sind vor allem für die Filmclub-Abende unverzichtbar. „Das waren die ersten Aktionen nach der Wiederbelebung“, sagt Lörz. Seit Ende Mai dieses Jahres lud der Kulturring dazu ein, gemeinsam ausgewählte Filme zu schauen und darüber zu diskutieren. Waren es beim ersten Abend noch einige wenige Filmenthusiasten, war im Juli dann der ganze Saal belebt, sagt Lörz. „Das war ein schönes Erlebnis“, fügt er hinzu. Ab Oktober geht es dann mit weiteren Filmclub-Abenden weiter.

Das nächste Großereignis in der Friedenskirche ist die ab Freitag stattfindende Ausstellung „Form – Raum – Erleben“ mit den kreativen Werken aus weißem Papier. „Man könnte das Projekt „KunstSommer“ auch mit einfacheren Themen starten, aber die Idee, nur mit weißem Papier zu arbeiten, hat schon was“, sagt Lörz. 14 kreative Köpfe arbeiten seit Mitte Juli an ihren Kunstwerken. Dabei sei vor allem der Austausch mit anderen im Zentrum der Aktion, erklärt Lörz. Gemeinsam mit Karin Genitheim, die schon die Veranstaltung im vergangenen Jahr mitorganisiert hatte, war es Lörz‘ Aufgabe, die Kunstwerke nach Abschluss zu kuratieren. Jetzt warten sie in der Friedenskirche darauf, bestaunt zu werden.

Aktionen des Kulturvereins

Ausstellung
Am Freitagabend um 19 Uhr beginnt die Vernissage zur Ausstellung der Kunstwerke des „KunstSommers“ in der Friedenskirche in Hochdorf. Die Kunstwerke werden noch bis zum 14. September zu sehen sein. Montags bis freitags ist die Ausstellung von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Ausblick
Neben der Rückkehr der Filmclub-Abende sollen im Herbst noch weitere Aktionen des Kulturrings stattfinden. „Wir wollen auch in den Themenbereich Literatur einsteigen“, sagt Lörz. Mögliche weitere Aktionen entsprechend der Ideen der Mitglieder folgen.

Anfang
Die Ausstellung mit dem Titel „grenzenlos“ im vergangenen Jahr war der Startpunkt für die Wiedererweckung des Kulturrings. Etwa 100 Werke in der Friedenskirche spiegelten dabei den Wunsch nach einer offenen und vielfältigen Gesellschaft wider. Von der Freiluft-Installation „Indefinita“ ist heute nur noch der Baum übrig.