Jetzt steht die Kürbisernte an: Bernd Gutmann auf seinem Feld in Plochingen. Foto: Karin Ait Atmane - Karin Ait Atmane

Hitze und Trockenheit: Seit langem leiden die Bauern darunter, auch dieses Jahr. Doch Mais und Wintergemüse, das noch auf den Feldern steht, hat vom Regen der vergangenen Tage profitiert.

Kreis EsslingenAls durchschnittlich bis leicht unterdurchschnittlich stufen die Landwirte die diesjährige Ernte ein. Dass es zum Beispiel beim Gemüse nur noch mit Bewässern geht, ist mittlerweile fast schon die Regel. Fürs Wintergemüse und den Mais, die noch auf den Feldern stehen, war der Regen Sonntag und Montag ein Segen.

Bernd Gutmann erntet dieser Tage die ersten Kürbisse. Sie haben teilweise eine stolze Größe, denn bei ihnen habe „das Wachstum erst richtig eingesetzt, als die große Hitze schon vorbei war“, sagt der Plochinger Landwirt. Und im Spätsommer gab es dann doch noch ein bisschen Niederschlag. Bei den Kartoffeln hing es stark von der Sorte ab, wie sie mit der Trockenheit klarkamen: Manche setzten viele Knollen an, die dann eher klein blieben, andere entwickelten sich zur normalen Größe. Unterm Strich sei die Ernte bei den Erdäpfeln durchschnittlich oder leicht darunter, meint Gutmann, aber die Qualität durchweg gut. Beim Getreide baut der Plochinger Bauer verschiedene alte Sorten wie Dickkopf-, Land- oder Gelbkornweizen an und hat den Eindruck, dass sie recht robust sind und die diesjährigen Bedingungen gut verkraftet haben. Ähnlich wie seine andere Spezialität, die Linsen: „Die lieben es ja eher trocken“, sagt er.

„So schlimm wie letztes Jahr“ sei die Dürre nicht gewesen, „da war es extremer“, sagt Landwirt Karl Schumacher von den Wangerhöfen in Köngen. Trotzdem musste das Gemüse bewässert werden, insbesondere der Salat, der ja ein Flachwurzler ist. Weißkohl, Rotkohl, Wirsing und anderes Wintergemüse, die noch draußen auf den Feldern stehen, haben aktuell eine Ladung Nass bekommen: Das ist gut fürs Wachstum. „Das war ein schöner, langsamer Regen, der ist eingesickert“, sagt Schumacher. Allerdings fehle in den tieferen Bodenschichten das Wasser, das merke man dem Erdreich an und auch den Bäumen.

Bei den Obstbäumen, vor allem den Äpfeln, sei nach der üppigen Ernte im Vorjahr zu erwarten gewesen, dass sie weniger tragen, sagt Susann Berger von Obst und Gemüse Berger in Lichtenwald. Das Bild sei ganz unterschiedlich: „Manche Bäume tragen ganz gut, auf anderen ist gar nichts drauf.“ Das ziehe sich durch, beim Tafelobst wie auf den Streuobstwiesen und ist ihrer Beobachtung nach auch nicht sortenabhängig. „Wir haben auch viele alte Sorten, aber selbst die sind betroffen“, sagt Berger.

„Die Hitze Ende Juni hat uns bei den Erdbeeren und Stachelbeeren Probleme gemacht, da hatten wir Sonnenbrand“, berichtet Bernhard Bayer vom Talhof in Neuhausen. Die betroffenen Beeren seien auch für Marmelade nicht zu gebrauchen. Ebenso wirkte sich auf den Ertrag aus, dass die Pflanzen erschöpft waren und nur kleine Früchte trugen – trotz der Tröpfchenbewässerung, die Bayers in ihren Folientunneln ohnehin haben. Unterm Strich alles andere als ein optimales Jahr, zumal sich aufgrund der schwankenden Temperaturen im Frühjahr der Erntestart verzögerte.

Familie Ehmann vom Hagenauer Hof in Neuhausen wird voraussichtlich ab Ende September den Körnermais für ihre Legehennen ernten. „Für dieses Jahr bin ich zuversichtlicher als letztes Jahr, da war es sehr schwierig“, sagt Daniel Ehmann. Getroffen habe es heuer vor allem die Kollegen mit dem Silomais, der jetzt zum Teil schon eingebracht wird. Auf weniger tiefgründigen Feldern litt er an der Trockenheit, blieb klein und setzte kaum Kolben an – dem Viehfutter, zu dem er gehäckselt wird, fehle es deshalb an Stärke, also Energie. Manche Milchviehbauern hätten deshalb „massive Futterprobleme“, weiß Ehmann.

Unterm Strich ganz zufrieden ist Gemüsebauer Eberhard Sohn, wohl wissend: Ohne Bewässerung wäre es „ein miserables Jahr geworden“. Der Esslinger Gemüsebauer profitiert von der gemeinschaftlichen Beregnungsanlage der Landwirte in Esslingen-Weil – dort pflanzt er Salat und Gemüse mit hohem Wasserbedarf an. Was mehr Trockenheit verträgt, wie zum Beispiel Zwiebeln, hat Sohn auf den Feldern ohne Beregnung.

Dieses Jahr musste er aber mit dem Wassertank rausfahren und die Steckzwiebeln gießen, weil das Frühjahr gar zu trocken war: „Das haben wir ein paar Mal machen müssen, damit sie keimen.“ An die Wasserrechnung am Jahresende denkt der Esslinger lieber noch nicht. Aktuell freut er sich an der Qualität der Stangenbohnen und vor allem der Tomaten: „Die mögen es ja warm, dann bekommen sie auch ein entsprechendes Aroma.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: