Braunbär Raschid im Großpräparatorium des Naturkundemuseums. Foto: Joseph Kälberer

Er schaut die Besucher im Naturkundemuseum aufmerksam Augen an. Der syrische Braunbär Raschid. Wie hat Präparator Joseph Kälberer das Tier so lebensecht präpariert?

Joseph Kälberer arbeitet seit 2022 als Präparator im Schloss Rosenstein in der Zoologie. Dort hat er sich ab 2023 mit dem syrischen Braunbär Raschid beschäftigt, der 2019 in der Wilhelma an Altersschwäche gestorben ist. Seit kurzem ist das Tier nun in der Ausstellung im Naturkundemuseum für die Öffentlichkeit in einem Schaukasten zugänglich. Wie hat der Präparator es geschafft, das Raschid so aussieht und schaut, als wäre er lebendig? Beim Besuch im Großpräparatorium des Naturkundemuseums erklärt Kälberer, wie er arbeitet. Auch, ob es für ihn schwierig ist, mit den toten Tieren zu arbeiten. „Eklig ist es für mich nur, wenn das tote Tier nicht mehr frisch ist und schlecht riecht“, sagt er. Dann werde es nicht präpariert, sondern gehe mit den Knochen möglicherweise in die Knochensammlung des Museums über.

Den Bären schon als Kind in der Wilhelma gesehen

Beim syrischen Braunbär Raschid hatte er kein Ekelgefühl, denn er wusste, woher das Tier kam: „Er ist in der Wilhelma gestorben war dann beim Tierarzt. Da ist die Kühlkette eingehalten worden.“ Den Bären, den er sogar schon als Kind im Stuttgarter Zoo noch erlebt hat, hat er, als er ihn 2023 aus der Tiefkühltruhe holte, zuerst einmal vermessen, bevor er dessen Fell abzog.

Joseph Kälberer mit Kollegin arbeitet am Fell des Bären. Foto: Giuseppe Lo Cacciato

Auch hat er eine Totenmaske vom Gesicht erstellt und von der Schnauze einen extra Abdruck. Wichtig ist Kälberer, die anatomische Korrektheit des Tieres mit seinem Objekt herzustellen.

Deshalb hat er verschiedene Modelle und Abgüsse angefertigt. Eines der Modelle von dem toten Bär ist ganz klein und passt in eine Hand. Von diesem ausgehend hat Kälberer die Maße hochgerechnet für sein lebensechtes Ausstellungsstück: den syrischen Braunbär Raschid. Von Braunbär Raschid gibt es noch den Kopf im Original. Dieser wird möglicherweise wissenschaftlichen Forschungen dienen.

Der Bärenkörper wird als Modell Stück für Stück nachgebildet. Foto: Joseph Kälberer

Kälberer betrachtet bei seiner Arbeit Fotos vom Tier und Videos und zeichnet die Maße, um dann schlussendlich im lebensecht aussehenden Tiermodell alles genau abzubilden. „Die Natur ist mein Vorbild“, sagt er. Bär Raschid besteht als Ausstellungstier aus mehreren modellierten Teilen, die den Körper abbilden und in seiner Form darstellen. „Das ist ein bildhauerischer Prozess“, beschreibt es der 28-Jährige. Die nachgebildeten Körperteile samt einem individuell modellierten Kopf aus Ton mit Polyurethan-Schaum gefüllt, werden zunächst miteinander verbunden, bevor dann das gegerbte feuchte Fell übergezogen wird.

Braunbär Raschids Fell ist jetzt auf dem Modell fixiert. Foto: Joseph Kälberer

Gearbeitet werde mit der Lederhaut und der Epidermis, der äußersten Haut und der Dermis. Letzteres ist die Lederhaut. Die Haut werde, nachdem sie abgezogen wurde, am Kreismesser dünn geschnitten. Auch gibt es noch eine Bürstmaschine für die Aufarbeitung des Fells. Gearbeitet werde ähnlich wie im Lederhandwerk, nur dass die Präparatoren am Ende auch noch die Haare benötigen. Das Bärenfell war mehrere Monate beim Gerber, bevor er es fachgerecht gegerbt zurückbekam und auf das Modell ziehen konnte. Das Fell wurde dabei vollständig entfettet und enthielt keine organischen Rückstände mehr.

Zuerst müssen die richtigen Augen gewählt werden. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Fehlen noch die Augen, die eingesetzt werden müssen. Beim Ausstellungstier sind es Glasaugen. „Die halten am längsten“. Aus einer Schublade zieht er Beispiele in unterschiedlichen Größen und Farben. „Die Glasaugen werden von hinten in der entsprechenden Farbe bemalt.“

Kälberer hat den zuvor sitzenden Bär in liegender Haltung präpariert. Er sei ja sehr alt gewesen und habe die meiste Zeit liegend verbracht. Und da er in eine extra Vitrine gekommen sei, passe es so und in der Haltung sei die Illusion länger gegeben, ist sich der Präparator sicher.

Mit feiner Airbrush-Technik hat er freie Fellstellen wieder gefärbt, beispielsweise an der Nase, an den Lippen und den Augen. Dabei müsse man auch mal unter die Haare sprühen. Mit Klarlack brachte er Raschids Augen zum Glänzen. So fixiert dieser nun im Museum die Betrachter. Neben sich steckt eine zart rosa blühende samtblättrigen Winde aus Syrien im Boden, die ebenfalls, wie der Bär ewig blühen wird. Auch sie ist das Meisterstück eines Präparators, allerdings eines Experten für Pflanzenpräparation. Und der stammt aus Thüringen. Mindestens die nächsten vier Jahre wird Braunbär Raschid in der Systematiksammlung im Schloss Rosenstein des Naturkundemuseums Stuttgart zu sehen sein.