Die Ampel regelt die Kundenzahl und schafft somit Abstand. Foto: Steinbeis-Stiftung

Oft regeln bisher Sicherheitsdienste in Einzelhandel den Zugang zum Laden. In Stuttgart hat ein System der Steinbeis-Forscher seine Bewährungsprobe bestanden. Es reguliert per Ampel den Kundenzustrom.

Stuttgart - Den Praxistest zur Zugangskontrolle hat das digitale System so gut bestanden, dass Christof Tenta vom Organix-Biomarkt in Stuttgart-Feuerbach die zwei Stelen, die an den Markteingängen stehen, gar nicht mehr zurückgeben will, sie werden bleiben. Wie bei einer Ampel mit Rot oder Grün, „stop“ oder „go“ geben sie den Kunden das entsprechende Signal für einen „vorschriftsmäßigen“ Einkauf. Nach zwei Tagen in der letzten Woche zeigte sich, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt, vor allem aber, dass, abgesehen von wenigen verunsicherten Kunden, die Mehrheit das Zähl- und Kontrollverfahren voll unterstützt. Den Fragen, wie Zugangskontrollen und Einkaufsabläufe mittels digitaler Technologien den Anforderungen der Corona-Vorschriften entsprechen kann, hat sich das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) gestellt, neben Stuttgart besonders an seinem zweiten Standort, dem Heilbronner Bildungscampus. Das Steinbeis-Institut hat den Test im Biomarkt auch mit einer wissenschaftlichen Erhebung begleitet.

Das System zählt die Kunden

Wenn nach dem Shutdown der vergangenen Wochen jetzt eine ganze Anzahl von Ladengeschäften wieder eröffnet hat, geht es darum, dass und wie die jeweiligen Zugangsbeschränkungen, die Auflagen zu Hygiene und zur Vermeidung von Warteschlangen durch eine digitale Steuerung erfüllt werden können. Der für den Test ausgewählte Stuttgarter Biomarkt musste dafür einige Kriterien erfüllen, allen voran, dass sich dessen Leitung aufgeschlossen für die neue Zugangstechnik zeigte, es getrennte Ein- und Ausgänge im Laden und einen separaten Eingang zur Metzgerei und Bäckerei gibt, dazu einen „schwer einsehbaren und überwachbaren Selbstbedienungsteil“ und ebenfalls noch ein „Staurisiko“, etwa an der Käsebedientheke und an der Gemüsetheke.

Technisch funktioniert die Kontrolle so, dass die zwei Stelen am Eingang die Kunden per Lichtschranke erfassen, zählen und dann entweder „go“ oder „stop“ anzeigen. Darüber hinaus können die Mitarbeiter über eine App eingreifen, wenn sich an einkaufsstarken Tagen oder in den „Staubereichen“ lange Schlangen gebildet haben. Eine zusätzliche Zugangsüberwachung durch eine 3-D-Kamera an den beiden Testtagen zeigte auf, wo und wie man noch weitere Eingriffe vornehmen muss, das Stichwort dazu ist „inhomogene Verteilung“. Daraus ergab sich zum Beispiel, wie sinnvoll das Anlegen von „strikten Einbahnstraßen“ als Laufwegen und von getrennten Ein- und Ausgängen sein kann. Ein wichtiger Vorteil war auch, dass das System selbsterklärend ist, die Kunden es also ohne Anleitung verstanden. Mehr als nur ein Nebeneffekt, den auch der Stuttgarter Test bestätigt: Der Einsatz von Wachpersonal entfällt, ist nur noch an sehr stark frequentierten Tagen notwendig. Das freut auch Christof Tenta, der nun darauf verzichten kann.

Bewährungsprobe in Schweiz bestanden

Ihre erste Bewährungsprobe hatte die digitale Zugangsbeschränkung des FSTI zuvor schon in der Schweiz, in den Filialen von Lidl und Migros, bestanden. Inzwischen interessieren sich laut Peter Wittmann vom Heilbronner FSTI auch Handelsverbände und -ketten, Edeka und große Elektromärkte dafür. Entwickelt wurde das System von der Stuttgarter Firma Netvico GmbH. Laut FSTI zeichnet es sich „durch die einfache Anwendbarkeit und problemlose Installation aus“.

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